Software

Hasso Plattner eröffnet IT-Innovationszentrum in Potsdam

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Katrin Starke

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Der Softwarekonzern SAP hat in Potsdam ein Innovationszentrum eröffnet. Nach dem Willen von Firmengründer Hasso Plattner sollen dort Software und Internetdienste entwickelt werden.

Krawatte und Jackett hatte Hasso Plattner zu Hause gelassen. Anders als seine Gäste gab sich der Mitgründer des Softwarekonzerns SAP im Pullover sportlich. Trotz des hoch offiziellen Anlasses, der Einweihung des SAP-Innovationszentrums am Potsdamer Jungfernsee. 150 IT-Profis sollen im Kundenauftrag am neu gebauten Konrad-Zuse-Ring zwischen Wald und Wasser neue Computertechnologien entwickeln. In freundlicher Atmosphäre: Glas, Stahl, Holz, bunter Kunststoff bestimmen die Optik des Komplexes. „Etwas Bauhaus und ein bisschen vom Architekten Egon Eiermann“, beschreibt Plattner das Design. Das habe ihm am Herzen gelegen. 17,3 Millionen Euro hat das Unternehmen nach eigenen Angaben in den Standort investiert. 2,7 Millionen Euro hat das Land Brandenburg beigesteuert.

Licht, offen, frei – so wünscht sich der Software-Pionier die Arbeitsstätte der Zukunft. Und sieht sie in Potsdam nun endlich verwirklicht. „Think-Tanks“, Denk-Räume in der Optik von Mini-Saunen auf der einen Etage, ein Stockwerk höher so genannte Aktivitätsräume mit Kletterwänden, ein Pausenraum, an dem der Kaffee auf Kinderschaukeln geschlürft werden kann, eine Start-up-Fläche für Frühzünder samt Spielzimmer mit Tischkicker. „Unsere Mitarbeiter sollen gern zur Arbeit kommen“, begründet Zentrumsleiter Jürgen Müller euphorisch den Mix aus klassischem Büro und Freizeitpark.

Plattner macht Druck

Technologisch sollen in Potsdam auf Basis der SAP-Datenbank-Plattform „Hana“ neuartige Software-Anwendungen entstehen. In Kooperation mit Start-up-Unternehmen würden viele neue Prototypen entwickelt, kündigte Plattner an. Begriffe wie Big Data oder Cloud-Computing sollen hier weitergedacht werden. „In dieser offenen Atmosphäre zu arbeiten, ist eine Chance, aber keine Garantie auf Erfolg“, sagt Plattner. Und macht Druck. SAP müsse Software liefern, die benutzerfreundlicher sei – ohne Zeitverzug. In einem Jahr wolle er Ergebnisse sehen, gibt er den Rahmen vor. SAP setzt dabei auch auf den wissenschaftlichen Nachwuchs. 150.000 Studenten seien in der Hauptstadtregion beheimatet, davon allein 20.000 in Potsdam. SAP plane viele kreative Köpfe anzusprechen und die Besten fürs Unternehmen zu gewinnen.

Potsdam laufe der 1972 im nordbadischen Walldorf gegründeten Firmenzentrale den Rang ab, sagte Plattner. „Potsdam ist ein guter Ort, denn kluge Köpfe kommen nicht unbedingt nach Walldorf.“ SAP beschäftigt in Berlin bereits mehr als 600 Mitarbeiter, weltweit sind es mehr als 66.500 Mitarbeiter, die im vergangenen Jahr einen Umsatz von 16,9 Milliarden Euro erwirtschafteten.

Neue IT-Zukunftsschmiede

Die neue IT-Zukunftsschmiede wird in Potsdam eng mit dem seit 1999 am Griebnitzsee ansässigen Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik (HPI) kooperieren. Das sei vor allem eine Chance für die Studierenden, wie HPI-Chef Christoph Meinel sagte. „Sie können das theoretisch erlernte Wissen praktisch an realen Problemen eines Softwareunternehmens anwenden, an der Entwicklung innovativer Produkte mitwirken, die besonders anwenderfreundlich sind“, erklärt der Institutsdirektor. In Meinels Augen ein großer Vorteil: die örtliche Nähe von HPI und Innovationszentrum. „Lösungen aus der Forschung am HPI werden noch schneller ihren Weg in innovative IT-Produkte finden.“ Worte, die auch Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) gern hören dürfte. „HPI und das Innovationszentrum sind somit ein zentraler Akteur für den Technologietransfer in der Region und darüber hinaus.“

Gut zu tun hat das Innovationszentrum, in dem bereits 45 Mitarbeiter in Vollzeit arbeiten, schon jetzt. Gemeinsam mit dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg haben die Potsdamer Tüftler eine Applikation entworfen, mit der Ärzte in kürzester Zeit geeignete Patienten für medizinische Studien finden können. Auf diese Weise sollen neue Behandlungsmethoden im Kampf gegen den Krebs entwickelt werden. Die medizinische Informatik soll einen der Schwerpunkte des Portfolios am Jungfernsee ausmachen. In Vorbereitung sind schon weitere Projekte, beispielsweise mit der Berliner Charité.

Für die Geburt des Campus am Jungfernsee musste Hasso Plattner langen Atem beweisen. Zehn Jahre zogen sich die Vorbereitungen hin. Die Hinterlassenschaften der Vorbesitzer machten dem neuen Eigentümer zu schaffen. Kampfmittel mussten auf dem früheren Gelände der Grauen Kasernen beseitigt werden. Archäologen rückten an, entdeckten Reste slawischer Pfahlbauten und Langhäuser, außerdem Grabstätten aus der Bronzezeit. Das von Plattner erworbene Areal ist nicht nur Forschung und Wirtschaft vorbehalten: Bis zu 90 Villen und rund 60 Eigentumswohnungen der Luxusklasse sind geplant. 350 Millionen Euro sollen noch fließen.