Internet

Mehr als 100.000 .berlin-Webadressen beantragt

Internetseiten mit der neuen Endung .berlin sind ein Statement ihres Betreibers. Sie erhöhen aber auch seine Chance, bei Google gefunden zu werden. Der Countdown für die Vergabe läuft.

Foto: STRATO AG / Copyright 2009, STRATO AG.

Der Ansturm auf die neuen .berlin-Endungen für Internetadressen ist größer als erwartet. Allein der Marktführer United Domains registrierte bis Dienstag mehr als 50.000 Vorbestellungen. Insgesamt wird die Zahl der Reservierungen von Branchenexperten auf mehr als 100.000 geschätzt. Webseitenbetreiber sollten sich also beeilen, denn Internetadressen sind einzigartig und bei der Vergabe gilt das Prinzip „Wer zuerst kommt, ...“ Berlin ist weltweit die erste Hauptstadt, für die so genannte Geo-Domains von der Internetverwaltung Icann angeboten werden.

Der Vergabeprozess ist kompliziert. Ab Freitag (14. Februar) können sich zunächst Unternehmen, die ihre Marke beim Trademark Clearinghouse angemeldet haben, registrieren. Das Clearinghouse ist der Rechteverwalter der Icann. Diese Anmeldephase (Sunrise Period) endet für die aktuell ausgeschriebenen TLD .berlin am 16. März 2014. Ab 18. März 2014 können dann Privatpersonen oder Gewerbetreibende ohne registrierte Markenrechte wie zum Beispiel Handwerker Domains bestellen.

Damit ein Webseitenbetreiber größere Chancen für seine Wunschadresse hat, kann er diese bereits vor dem offiziellen Anmeldezeitraum in die Wunschliste eines Webseitenanbieters eintragen und damit vorregistrieren. Anschließend muss er diese verbindlich bestellen. „Es ist ratsam, dies bei mehreren Anbietern zu tun, um die Chancen zu erhöhen“, sagt Christina Witt, Sprecherin des Berliner Webhosters Strato.

Strato verzeichnet rapiden Anstieg

Strato ist einer der weltgrößten Webhoster und registrierte seit dem Reservierungsstart am 3. Februar einen rapiden Anstieg an Vorbestellungen. Ihre Zahl stieg zuletzt um das Sechsfache, wie das Unternehmen mitteilt. „Mit einem derartig großen Ansturm haben wir selbst zum Start der neuen Adress-Endungen nicht gerechnet“, erklärt Christian Böing, Vorstandschef der Strato AG. Strato sammelt die Bestellungen und leitet sie dann an die offizielle Vergabestelle dotBerlin weiter.

Der Webhoster Strato hat derzeit nicht nur die .berlin-Adressen, sondern insgesamt 25 neue so genannte Top-Level-Domains (TLD) im Angebot. So wird der Teil einer Internetadresse genannt, der rechts vom Punkt steht – bei www.morgenpost.de also das .de. Die Endung .berlin steht bei Strato auf Platz vier der beliebtesten neuen Top-Level-Domains. Die anderen lauten: .shop, .online, .web, und .bayern.

Bessere Ergebnisse bei Suchmaschinen

Für Unternehmen mit einem lokalen Bezug kann eine zusätzliche Geo-Domain wertvoll sein. „Der Datenverkehr im Internet wird immer lokaler“, sagt Johannes Lenz-Hawliczek, der Sprecher von dotBerlin, der offiziellen Registrierungsstelle für die .berlin-Adressen. Die Endungen von Internetadressen seien relevante Suchworte für Google und andere Suchmaschinen geworden, erklärt Hans-Peter Oswald, der Geschäftsführer der Kölner Secura GmbH, die auf der Netzplattform domainregistry.de mit Internetadressen handelt.

Eine gewerbliche Berlin-Domain kostet bei domainregistry.de in der frühen Phase einmalig 400 Euro, später 60 Euro pro Domain und Jahr. Bislang liegen dem Unternehmen 3000 verbindliche Anfragen von Markeninhabern für .berlin-Adressen vor, wie Oswald sagt.

Mehr als 1300 neue Endungen erwartet

Die Domain-Verwaltung ist für die Internetverwaltung Icann ein Riesengeschäft. Die Bilanzsumme der Nichtregierungsorganisation weist 90 Millionen US-Dollar aus, davon entfallen allein auf die neuen Top Level Domains sieben Millionen Dollar.

In den nächsten Jahren wird sich der Namensraum des Internets um mehr als 1300 neue Domain-Endungen erweitern. Die Internetverwaltung Icann führt die neuen Adressen ein, weil der existierende Namensraum im Netz beschränkt ist. Mehr als 500 werden frei registrierbar sein. Bei den anderen handelt es sich um sogenannte Marken-TLDs – das sind Domain-Endungen von Marken wie .amazon, .hitachi oder .canon.

Wann der Verkauf für die 1300 angekündigten Endungen beginnt, steht noch nicht fest. Diese werden von der Internetbehörde Icann stets paketweise ausgeschrieben.