Start-ups

Wie fünf Freunde Bildern Beine machen

„Digitale Familien“ sollen ihre Kunden sein: Mit ihrer Start-up-Firma machen die fünf Freunde von „Movinary“ Bildern Beine. Die Idee ist so gut, dass es dafür kürzlichen schon einen Preis gab.

Foto: Christian Kielmann

Fotobücher sind langweilig, Diashows sind out. Urlaubserinnerungen und Babybilder können Fotofans künftig als Kurzfilm mit Musik unterlegt im Freundes- und Familienkreis präsentieren. Hollywood für Hobbyfotografen – das Berliner Start-up Movinary macht’s möglich.

Angefangen hat alles mit einer verrückten Idee des Gründers Maximilian Modl. Der Motiondesigner aus München finanzierte sich sein Studium als freier Grafiker und Motion-Designer. Sein erstes Projekt: ein Wartezimmer-Video für eine Arztpraxis. Der Kunde war schwierig, verlangte viele Änderungen, war aber am Ende vom Ergebnis so begeistert, dass er gleich noch ein zweites Video bestellte. Um Zeit und Energie zu sparen, verwendete Maximilian Modl seine Videovorlage einfach noch einmal und tauschte nur die Bilder aus. Die Idee für Movinary war geboren.

Gemeinsam mit seinem Berliner Freund Bert Szilagyi beschloss Modl eine Firma zu gründen. Die beiden holten noch drei weitere Bekannte – zwei Programmierer und einen Mathematiker – mit ins Boot und starteten im März 2012 mit Movinary. Das Startkapital von 100.000 Euro kam über eine Berliner Crowdfunding-Plattform zusammen. Die simple Idee: Aus Fotos Filme machen.

Die Lebensgeschichte in einem Video

Auf ihrer Webseite gibt es für jeden Anlass entsprechende Layouts: Forever in Love, Hochzeit, Baby oder Sightseeing. In diese Vorlagen kann der Nutzer mit wenigen Klicks seine eigenen Fotos einbauen und passende Texte eintippen. Mit Musik, Animationen und Spezialeffekten aufgepeppt entsteht dann am Ende ein Mini-Video, das man mit Freunden via E-Mail oder Facebook teilen kann.

Die Haupt-Zielgruppe von Movinary sind „digital families“, wie Bert Szilagyi sie nennt. „Muttis, die auf Familienfeiern Tausende Fotos machen und früher Fotobücher gebastelt haben. Jetzt machen sie eben Videos. Eine Kundin hat gerade für ihre Tochter als Hochzeitsgeschenk die ganze Lebensgeschichte von der Taufe bis zur Hochzeitsfeier in ein Movinary-Video gepackt.“

Auch Liebeserklärungen und Heiratsanträge werden gern per Movinary-Film an den Mann oder die Frau gebracht. Fliegende Herzchen und kitschig-romantische Musik inklusive. Aber auch kleine Firmen, die sich eine teure Videoproduktion nicht leisten können, greifen gerne auf die Berliner zurück, um für kleines Geld ihre Produkte in bewegten Bildern zu präsentieren. „Du musst schon ein bisschen verrückt sein, wenn Du eine Firma gründen willst“, lacht Bert Szilagyi. „Als Gründer hast Du sehr wenig Urlaub und noch weniger Geld, zumindest anfangs. Aber es ist ein großes Abenteuer.“

Eine Smartphone-App ist in Planung

Ihre Firma hätten sie nirgendwo anders als in Berlin gründen können, davon ist er überzeugt. „In Berlin haben wir uns alle getroffen. Die Infrastruktur ist fantastisch. Es gibt 18 Universitäten in Berlin, viele davon mit sehr guten technischen Studiengängen. Wenn wir kurzfristig einen Praktikanten brauchen oder einen Entwickler, finden wir hier immer Leute.“

Geld spielte für die jungen Gründer natürlich auch eine Rolle: Die Mieten sind im Vergleich zu anderen Großstädten immer noch günstig. Ihr Büroraum in einem Gründerzentrum in Berlin-Charlottenburg ist klein, aber der perfekte Ort für neue Netzwerke. Ein paar Bürotüren neben Movinary tüftelt gerade ein Zwei-Mann Start-up an einer E-Mail Marketing Software. Mit den beiden arbeitet Movinary eng zusammen. „Immer wenn jemand Neues hier im Haus einzieht, gibt es Kennenlern-Runden. Man trifft sich in der Community-Lounge auf dem Dach zu einer Party und dann ergeben sich ganz schnell Synergien.“

Wie es mit Movinary weitergeht, wissen die fünf Gründer noch nicht so genau. Bis November haben sie sich erstmal wieder in den Entwicklungskeller zurückgezogen, um ihre Technologie zu verbessern. Außerdem ist eine App für Smartphones in Planung. Aber viel weiter als ein paar Monate denkt niemand in die Zukunft. „Wir können aus Movinary kein Familienunternehmen machen, in dem wir noch arbeiten, wenn wir Opis sind“, lacht Bert Szilagyi. Aber dass die Erfolgsgeschichte noch eine Weile weitergeht, da ist er sich sicher. Gerade hat das Team bei der langen Nacht der Start-ups den begehrten Nachwuchspreis „Start Tel Aviv“ gewonnen.