Experten aus Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft haben in Berlin eine gemeinsame Charta für Innovation in Deutschland erarbeitet. Die Initiatoren des „Berlin Innovation ConSensus“, die Unternehmen Deutsche Bank, Google und Shell sowie der Start-up Campus Factory, haben das Papier an die Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, Anne Ruth Herkes, übergeben.
34 Vordenker aus DAX-Unternehmen, Mittelstand, Start-ups, Hochschulen und Kulturbetrieben suchten zwei Tage lang die viel versprechendsten Chancen in den Themenfeldern Arbeits- und Finanzierungsformen, Bildung und Gesundheit, Infrastruktur und Energie, Kultur und Kreativwirtschaft sowie Unternehmertum. Dazu werteten sie mehr als 400 Beiträge aus, die per Internet eingereicht worden waren. „Da war alles vertreten – von skurrilen bis hoch relevanten Ideen“, sagte Sven Kielgas bei der Präsentation der Charta.
„Die Veranstaltung war auch für uns ein Experiment. Es ging darum, ein paar Ideen herauszuheben, die besonders viel Potenzial haben“, sagte Philipp Justus, Managing Director von Google Deutschland. Simon Schaefer, dem Gründer der Factory, war es gelungen, die Unternehmen an einem Tisch zu versammeln. Dazu hat er gemeinsam mit Max Senges (Google) ein ungewöhnliches Konferenzformat etabliert, um Einfallsreichtum aus allen Teilen der Gesellschaft zusammenzuführen.
Finanzierung von Start-ups verbesern
Die Experten schlugen unter anderem eine engere Zusammenarbeit von Banken, Business Angels, Crowdfunding-Plattformen und Venture-Capital-Firmen vor. So soll die Gründung von Start-ups verbessert werden. Die Deutsche Bank Berlin, die Factory, das Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft, jovoto.de und Osborne & Partners vereinbarten, dazu eine Initiative zu starten. Sie wird als „Berlin Capital ConSensus“ in der Factory an den Start gehen.
Die Arbeitsgruppe Bildung und Gesundheit hob die Online-Plattform für Hochschulbildungsangebote, Iversity, als einen Leuchtturm hervor. Ferner wurde empfohlen, älteren Menschen mit einem „Granny-Au-pair“ neue Perspektiven zu geben. Gruppen-Sprecherin Bea Beste, Gründerin der Plattform Tollabox, appellierte daran, „wieder mehr Kind zu sein“ und unterstrich, Kinder seien der Rohstoff der Zukunft.
Infrastrukturnetze besser verzahnen
Die Experten Der Infrastruktur-Gruppe empfehlen in der ConSensus-Charta, bei der Planung und dem Bau von Infrastruktur-Netzen die Bereiche Energie, Daten und Verkehr stärker zu verzahnen. Heinrich Arnold, Vizepräsident Innovation bei der Deutschen Telekom, nannte als Leuchtturm-Projekt hier das Start-up Younicos aus Adlershof, das Technologien für Energiespeicher entwickelt.
Conrad Fritzsch, Gründer von Tape.TV und Sprecher der Arbeitsgruppe für Zeitgeist und Kultur, forderte ein neues Urheberrecht, das den Anforderungen des Internet standhält. „Das geltende Copyright ist viel wert, aber wir müssen neu denken und brauchen eine pragmatischere Lösung“, sagte er. Fritzsch kündigte ein neues Forum an, in dem Wirtschaft und Kulturschaffende gemeinsam der Frage nachgehen wollen, was Berlin ausmache.
„Unternehmer sein ist sexy“
Eine andere Gruppe hatte sich mit dem Thema Unternehmertum beschäftigt. „Unternehmer sein ist sexy“, lautete ihr Programm. Sie forderte den Abbau regulatorischer Barrieren und sprach sich dafür aus Unternehmertum schon in der Schule als Kernkompetenz zu vermitteln.
Die Staatssekretärin des Bundeswirtschaftsministeriums, Anne Ruth Herkes, sieht in der beim „Berlin Innovation ConSensus“ beschlossenen Charta „die Basis für eine neue IKT-Strategie in der nächsten Legislaturperiode. Das Papier sei eine Anleitung für digitale Wachstumspolitik.
Abschlussbericht im Internet
Ein Abschlussbericht des „Berlin Innovation ConSensus” mit Analysen und Hintergrundmaterial wird bis Anfang Oktober fertiggestellt. Die Charta sowie weitere Informationen können unter www.innovationconsensus.de abgerufen werden.





