Hertha BSC, das Wappen des Vereins, hat sich Anne Baumann auf den Knöchel ihres linken Fußgelenks tätowiert. Weitere Fragen nach Clubzugehörigkeit oder Lieblingssport der 26-Jährigen erübrigen sich somit.

Die Mitarbeiterin von Clubspo11.de sitzt hinter einem großen Bildschirm in ihrem Büro. Im Halbkreis hinter ihr gruppiert sich eine halbe Fußballmannschaft, fünf männliche Mitarbeiter des jungen Berliner Start-ups Clubspo11.de.

Sie besprechen mit Anne Baumann die Taktik. Nicht die des Spiels, sondern jene der anstehenden Kundenakquise. Das junge Unternehmen befindet sich noch in der Frühphase. Der Anpfiff, wenn man so will, ist erst Anfang Juli erfolgt.

„Fußball zu verkaufen, besser gesagt: das Sponsoring, ist ein sehr emotionales Feld. Das ist etwas anderes, als Schrauben an den Mann zu bringen“, sagt Michael Müller, Vorstand von Clubspo11.de. Daher habe er bereits bei der Auswahl des Teams, das inzwischen zehn Web-Designer, Entwickler und Vermarkter wie Anne Baumann umfasst, auf eine „ausgeprägte Affinität zum Fußball“ geachtet. Jeder Mitarbeiter, darauf legt das junge Unternehmen in der Außenwirkung sehr großen Wert, begreift des Deutschen liebsten Sport als Spiel, an dem auch das eigene Herz hängt.

Vereine auf Sponsorensuche präsentieren sich online

Die am 5. Juli 2013 gestartete Online-Plattform, deren Name sich aus dem Slogan „Clubs. Sponsoren. Fußball“ ableitet, will einen Markt erschließen, den es in dieser Form bisher noch gar nicht gegeben hat. „Wir wollen mit unserem Projekt Sponsoren an Fußballvereine im Jugend- und Amateurbereich vermitteln“, sagt der 29 Jahre alte Michael Müller. Das soll gelingen, indem Clubs, die auf Sponsorensuche sind, sich zunächst einmal kostenfrei als Verein auf dem Internetportal präsentieren. „Mit rund 170.000 Mannschaften im deutschen Jugend- und Amateurfußball haben wir eine beträchtliche potenzielle Zielgruppe“, sagt Müller.

Der Umgang mit Geldgebern, die ihre Werbung aufs Trikot bringen, sei in vielen kleinen Vereinen amateurhaft. „Das sind Geschäftsverhältnisse, die eher auf zufälligen persönlichen Bekanntschaften basieren und schnell aufgelöst werden können“, sagt der Betriebswirt. Mit Clubspo11.de, so das Versprechen der Macher, hätten auch Provinzvereine und kleinere Sponsoren nun die Chance, sozusagen in die Profi-Liga des Sponsorings aufzusteigen. Das Berliner Start-up übernimmt derweil die komplette Abwicklung: Die Bestellung der Trikots beim Hersteller für Sportbekleidung Jako, den Aufdruck von Vereins-Emblem und Sponsorenlogo nach den Richtlinien des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sowie den Versand an die jeweilige Clubadresse.

Trikotsponsor zahlt 650 Euro pro Saison

Anne Baumann tippt in ihren Computer. Sie schreibt gerade kleinere Fußballclubs im norddeutschen Raum an und stellt sich und das Angebot von Clubspo11.de vor. Rund 4000 Amateurvereine bekommen zudem den grünen Flyer des Online-Portals ganz klassisch in den Briefkasten. „Ihr Verein kann nur gewinnen!“, wirbt das Start-up darauf für sein Angebot. Das Ziel des Start-ups lautet, die „private Bittstellerei“ zu beenden, die immer ins Spiel komme, wenn ein privater Verein in seinem Umfeld nach Sponsoren sucht, um die knappe Vereinskasse von dem Ankauf der Trikotsätze zu entlasten. Das Online-Portal will diese Schacherei mit klaren Regelungen und einem professionellen Vertriebsmodell beenden. Die Amateurkicker bekommen Trikots gewissermaßen frei Haus geliefert, wenn sie das Logo eines Sponsors auf der Brust tragen.

Ab 650 Euro pro Saison bezahlt hingegen der Sponsor, um 14 Spielertrikots und ein Torwarttrikot einer Mannschaft mit seinem Logo zu versehen. Dieses Angebot gilt für die Heimtrikots; will der Sponsor seine Werbung auch auf den Auswärtstrikots sehen, muss er tiefer ins Portemonnaie greifen: 1300 Euro lässt sich Clubspo11.de das sogenannte Basis Paket (15 Heim- sowie Auswärtstrikots) für eine Saison kosten, für zwei Saisons beläuft sich der Preis auf 1500 Euro. Ein Paket enthält jeweils Stützen, Hosen und Trikots für die Kicker.

Sponsoren können gezielt nach passenden Vereinen suchen

„Die Sponsoren haben die Möglichkeit, alle bei uns registrierten Vereine nach bestimmten Kriterien zu durchsuchen, um so den passenden Partner zu finden“, sagt Michael Müller. Ein Beispiel: Eine Bäckerei, die selbst ein gelbes Markenlogo führt, kommt mit einem Club ins Geschäft, der ebenfalls diese Farbe für sich beansprucht. Das Geschäftsmodell des Start-ups gründet auf Provisionen, die Clubspo11.de für jeden erfolgreich abgewickelten Vertragsschluss zwischen Team und Sponsoren erhebt. „15 Prozent Provision nehmen wir pro erfolgreicher Sponsoring-Vereinbarung“, sagt Michael Müller. Dieser Betrag sei jedoch bereits in den Nettopreisen der „Pakete“ inbegriffen, im Falle der günstigsten Variante bleibe der Preis also bei 650 Euro. Auch für Clubspo11.de dürfte die Vermittlung somit natürlich durchaus profitabel sein.

Zwar bieten zahlreiche Internetseiten die Möglichkeit, eigene Trikots zu designen und zu kaufen. Ein vergleichbares Portal, das das Verhältnis zwischen Jugend- oder Amateurclubs und Sponsoren auf eine professionelle Basis stellt, bestand bis dato jedoch noch nicht. Ob das Geschäftsmodell des Berliner Unternehmens tatsächlich funktioniert, wird sich an der Resonanz seitens der Sponsoren messen lassen. Auf der Seite des Vereine scheint die Nachfrage immerhin gegeben: Täglich melden sich derzeit neue Clubs auf der Online-Plattform an.

„Momentan zielt die Plattform auf Ebene der Sponsoren vor allem auf lokale und kleinere regionale Marken, die ihre Wirkung in der Umgebung stärken können“, sagt Michael Müller. Sobald das Portal aber eine kritische Masse an Mannschaften und Vereinen erreicht habe, könne er sich vorstellen, größere, überregionale Sponsoren mit ins Team zu holen.