Georg Tarne nahm während einer Uni-Vorlesung einen tiefen Schluck aus der Wodka-Flasche. Seine Kommilitonen trauen ihren Augen nicht. Doch anstelle von Hochprozentigem ist die Glasflasche mit Leitungswasser gefüllt. „Wasser aus Plastikflaschen schadet der Umwelt und dem Menschen. Ich wollte für dieses Problem eine nachhaltige und gleichzeitig coole Lösung finden“, sagt Tarne.

Die Öffentlichkeit mit wassergefüllten Wodka-Flaschen aufzurühren, war jedoch nicht die Lösung die dem 24-Jährigen langfristig vorschwebte. Zusammen mit einem Freund entwickelte der gebürtige Karlsruher die Idee für das Start-up „Soulbottles“.

Die beiden lassen in Italien Glasflaschen herstellen und mit unterschiedlichen Designs bedrucken. In den Flaschen kann jeder Leitungswasser in netter Verpackung überall hin mitnehmen. Das soll die Mitmenschen dazu anregen Leitungswasser anstelle von abgefülltem Wasser zu trinken und sich mit einem nachhaltigeren Lebensstil auseinander zu setzen. Transportwege und die Herstellung von Plastik können auf diese Weise vermieden werden.

„Daneben sind wir der Überzeugung, das Plastik der Gesundheit schadet. Es gibt genug Studien, dass die darin enthaltenen Weichmacher krebserregend sein können“, sagt Tarne.

200 Prototypen aus eigener Tasche bezahlt

Gemeinsam mit Paul Kupfer sitzt Tarne in der Gemeinschaftsküche eines lichtdurchfluteten Lofts in Kreuzberg. Ein Kicker steht in der Ecke, am Kühlschrank hängt ein Plan wer das nächste Mittagessen für alle kocht. Auf dem Tisch stehen unterschiedliche Soulbottles. Auf der einen Flasche ballt Bruce Lee kampflustig seine Faust, eine andere ist mit einem Baum bedruckt.

Das Team hat mit seiner Idee das Stipendium „Social Impact Start“ von IQ-Consult erhalten, das die Büroräume des „Social Impact Lab“ organisiert. Das Programm wird finanziell von SAP unterstützt und soll junge Unternehmen fördern, die einen bestimmten Nutzen für die Gesellschaft verfolgen.

Kupfer und Tarne hatten sich als Studenten beim Kellnern auf der Wiener Hofburg angefreundet. Tarnes Idee von nachhaltigen Wasserflaschen fand ich sofort gut, sagt Kupfer. Aus eigener Tasche bezahlten die beiden 200 Prototypen – sie waren in kurzer Zeit ausverkauft. Über Facebook hatten Freunde und Verwandte von der Idee erfahren und sie weiterverbreitet.

„Das macht doch gar keinen Sinn!“

Zunächst kauften die beiden einfach fertige Wasserflaschen und ließen sie bedrucken. Dann begannen sie über eine eigene Herstellung nachzudenken. Zwar schreitet also ihre Professionalisierung immer weiter voran, aber die Flaschen stapeln sich noch immer in Tarnes Wohnzimmer. Im vergangenen April starteten die beiden auf der Website www.start-next.de mit Crowd-Funding. Dank der daraus hervorgehenden Vorbestellungen von 1000 Flaschen gelang es Tarne und Kupfer die nächste große Charge zu finanzieren. Auslieferungsdatum ist der 1. September.

„Wir sind beide keine BWLer und mussten uns erst einmal in die Materie einarbeiten“, sagt der 24-Jährige Kupfer. Sie besuchten Getränkemessen und stellten dort ihre Idee vor – und stießen zunächst auf Skepsis. Sätze wie „Ihr wollt Flaschen ohne Inhalt verkaufen? Das macht doch überhaupt keinen Sinn!“ bekamen die beiden öfter zu hören.

Sie machten trotzdem weiter: Telefonierten mit Druckereien und Glas-Manufakturen, so genannten Glashütten. Es war nicht einfach jemanden zu finden, der die vergleichsweise geringe Anzahl von 14.000 Flaschen herstellt.

Steigende Nachfrage

Oftmals gab es Mindestabnahmeforderungen von über 100.000 Stück. In Italien wurden die beiden letztlich fündig – und sind stolz auf die schöne Verarbeitung. „Wir wollen die perfekte Flasche herstellen lassen. Derjenige der daraus trinkt, soll das Gefühl haben etwas qualitativ Hochwertiges in der Hand zu haben“, sagt Kupfer. Die Flaschen sind mit einem Porzellan-Naturkautschuk-Bügelverschluss versehen und sollen besonders bruchsicher sein.

Um sie zu verschönern, riefen die beiden im Internet Design-Wettbewerbe aus an denen sich viele Künstler beteiligt haben – und die Idee von Soulbottles weiter Publik machten. Herausgekommen sind die unterschiedlichsten Motive von verschiedenen Künstlern. Diese werden in einem Keramikofen der Wiener Kunst-Universität bei 620 Grad gebrannt und sind damit auch spülmaschinenfest.

Vertrieben werden die Flaschen vor allem in Deutschland. Es gab allerdings auch schon Bestellungen aus Australien. In dem Online-Shop ihrer Website kostet die Flachen um die 20 Euro. Von jedem Erlös geht ein Euro an Projekte die eine bessere Wasserversorgung auf der Welt fördern. Zudem haben Kupfer und Tarne noch ein neues Projekt in die Wege geleitet: Soulwater.

Deutsche Restaurants als Partner für Soulwater

In Österreich gewannen sie Restaurants für die Idee, Leitungswasser in Soulbottles anzubieten. „Viele Leute trauen sich nicht im Restaurant einfach Leitungswasser zu bestellen – in unseren Flaschen macht das aber gleich viel mehr her“, sagt Kupfer. Die Flaschen stellten Soulbottles den Restaurants umsonst zur Verfügung.

Die Nachfrage nach den Flaschen stieg, die Jung-Unternehmer kamen mit der Nachfrage nicht mehr hinterher. Jetzt, mit der neuen Charge Flaschen, soll das Projekt wieder aufleben. Mehrere Restaurants in Deutschland wurden bereits als Partner gewonnen.

Um die künftigen Aufgaben stemmen zu können, fängt ab September ein dritter Mitarbeiter bei Soulbottles an. Endlich muss auch ein Lager angemietet werden. Denn die 14.000 bestellten Flaschen übersteigen die Kapazitäten von Georg Tarnes Wohnzimmer deutlich.