HY! Berlin

„Locca“ findet den Schlüssel - Das Start-up siegt im Contest

Auf der Start-up-Konferenz hy! machen die Gründer der Hauptstadt große Komplimente. Und fünf Start-ups traten bei einem Wettbewerb gegeneinander an. Das Projekt „Locca“ gefiel den Juroren am besten.

Foto: Jürgen Stüber

Berlin ist zu einem der Lieblingsstandorte für Start-ups geworden. Das zeigte sich am Sonntag zum Auftakt der Start-up-Konzerenz hy! Berlin. 150 Experten aus Politik, Wirtschaft und führende Köpfe der Internet-Szene, darunter auch den 33jährigen YouTube-Gründer Jawed Karim, hatten die Veranstalter nach Berlin geladen. Die Pioniere der Gründerszene kamen aus insgesamt 14 Ländern, viele davon aus Schweden und England. Beim Wettbewerb siegte das Wiener Start-up „Locca“, das ein GPS-Gadget vorstellte. Am Veranstalter hyvent ist das Medienhaus Axel Springer zu 49 Prozent beteiligt.

Transformation klassischer Medien

Dass die hy! gut zu Berlin passt, machte Jan Beckers deutlich. „Berlin funktioniert“, sagte der 30-jährige Gründer mehrerer Unternehmen – und widersprach damit der gelegentlich geäußerten Skepsis über die Nachhaltigkeit der Berliner Gründerszene. Allerdings dürfe niemand die mobile Welle verpassen. Er riet Gründern in der Hauptstadt: „Ihr müsst von der ersten Minute an international denken und sehr schnell sein, denn mobile ist dreimal schneller als die bisherige Entwicklung.“

Die Teilnehmer der Konferenz erlebten mit einem Talkshow-Marathon und einem Start-up-Wettbewerb einen ungewöhnlichen Auftakt. Allerdings hatten die beiden hy!-Gründer Hans Raffauf und Aydogan Ali Schosswald auch eine Nicht-Konferenz versprochen. „Wir wollen eine Veranstaltung, die unserer Generation anspricht, die emotional und nicht trocken ist“, sagte der 28-jährige Raffauf. Schosswald ist noch vier Jahre jünger. Bloß kein Visitenkarten-Austausch-Kongress sollte das werden. Nach dem Showprogramm vom Sonntag wollen sich 150 Start-up-Gründer am Montag und Dienstag durch die Stadt fahren lassen und weiter vernetzen.

„Ich kann keine Krise des Journalismus erkennen“

Eine Botschaft der hy! wurde schnell deutlich: Nicht nur Start-ups, auch etablierte Unternehmer sollten die Digitalisierung aller Industrien als Chance begreifen. „Ich kann keine Krise des Journalismus erkennen“, sagte Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner. „Ich sehe eine Menge Möglichkeiten.“ Axel Springer wolle das führende digitale Medienunternehmen werden. „Silos mit analogen und digitalen Leuten machen keinen Sinn“, sagte Döpfner.

Für diese Transformation sei jeder Mitarbeiter des Unternehmens verantwortlich. „Dabei gibt es nur Gewinner, keine Verlierer“, sagte Döpfner. Hier seien viele Möglichkeiten noch unentdeckt. „Wir können den digitalen Journalismus neu erfinden“, sagte der Axel-Springer-Vorstandsvorsitzende. „Werdet digital, oder ihr gehört nicht mehr zur Familie“, lautet sein Rat. Im digitalen Journalismus gebe es mehr Platz für gute Geschichten, die mit allen möglichen Medientypen verknüpft werden könnten – und viel schneller bei den Lesern seien als auf dem traditionellen Print-Weg. Außerdem profitiere man wegen der interaktiven Möglichkeiten auch noch von den Kenntnissen der Leser.

Mehrere Investoren und Gründer nutzten die hy!, um neue Initiativen und Internet-Dienste anzukündigen. So zeigte „Clue“, wie sich per Smartphone-App die Familienplanung erledigen lässt. Die Anwendung visualisiert weiblichen Nutzern den eigenen Zyklus und zeigt, an welchem Punkt ihr Körper gerade ist. Die App, initiiert von der Gründerein Ida Tim, soll in den nächsten Wochen veröffentlicht werden. „Toywheel“ hilft Eltern mit allerlei Tipps bei der altersgerechten Erziehung. „Stylemarks“ startete seinen mobilen Marktplatz für Second Hand und Vintage-Unikate mit einer Anwendung in Apples AppStore.

Fünf Unternehmen im Wettbewerb

Auch wenn es auf der hy! hauptsächlich um Internet-Start-ups und mobile Anwendungen für Smartphone und Tablet geht, es gibt auch Hardware-Start-ups. So soll es ab September einen Hardware-Accelerator in Berlin geben. Hinter dem Angebot stehen die Berliner Co-Working-Einrichtung „Betahaus“ in Kreuzberg und die Veranstaltungsreihe „Hardware-Meetup“, bei der Hardware-Erfinder – auch die gibt es in Berlin – ihre Erfindungen vorstellen und mit anderen Gründern diskutieren können. Interessierte können sich jetzt für das zweimonatige Programm auf der Website www.berlinhardwareaccelerator.com bewerben.

Der Venture Capitalist Niko Waesche (GMPVC) kündigte auf der hy! die Auflage eines neuen Fonds an, der sich auf Medien-Start-ups konzentrieren soll. Partner des Risikokapitalgebers ist der private Fernsehsender RTL2.

Fünf Start-ups stellten auf der hy! innerhalb eines Wettbewerbs ihre Ideen vor. Das Projekt „Locca“ gefiel den Juroren am besten. Das Start-up erhält den mit 30.000 Euro dotierten Preis des Telekom-Inkubators „hub:raum“. Der Gründer Julian Breitenbacher nahm den Preis mit seiner Familie unter einem bunten Konfettiregen entgegen. Weniger suchen, mehr finden, ist das Motto von „Locca“. Zum Beispiel der Schlüsselbund, an dem ein kleiner Sender befestigt ist oder der Haushund, der das Gerät am Halsband trägt. Es ist mit GPS-Empfänger und WiFi ausgestattet und überträgt den exakten Ort des Hundes oder Schlüsselbundes auf ein Smartphone, wo er auf einer Karte angezeigt wird – sogar innerhalb von geschlossenen Räumen. Die Variante „Locca-Phone“ wurde für Eltern entwickelt, damit sie exakt sehen können, wo ihr Nachwuchs sich aufhält. Per Mobilfunk können Eltern mit ihren Kindern sprechen.

Mit „Atooma“ lassen sich Aufgaben definieren, die situationsbedingt automatisch auf dem Handy ausgeführt werden. So stellt sich beispielsweise das Smartphone in dem Moment stumm, wenn der Besitzer sein Büro betritt. „Petcube“ ist ein Roboter mit Kamera und Laserpointer, der aus der Ferne per Handy gesteuert werden kann. Sein Zweck: Hund und Katze allein zu Hause sollen beschäftigt werden. Und „Vubooo“ ist eine Anwendung, mit der Fußball-Fans während des Spiels vor dem Fernseher sich virtuell austauschen können. www.hy.co