Supermärkte

Bezahlen mit dem Handy - Edeka startet Experiment in Berlin

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Hans Evert

Foto: Krauthoefer

Bis 2015 soll in allen Edeka-Märkten das Zahlen per Handy möglich sein. Berlin macht den Anfang. Start-ups wie Sumup und Payleven arbeiten daran, mobilen Bezahlmodellen zum Durchbruch zu verhelfen.

Unter den führenden Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels genießt Edeka den Ruf eines großen Traditionalisten. Das hat mit der Struktur zu tun, der Vielzahl eigenständiger Kaufleute, die sich zur Genossenschaft unter dem blauen „E“ zusammengeschlossen haben.

Edeka huldigt zudem in besonderer Form dem Föderalismus, in dem sich die Gruppe in sieben Regionalgesellschaften zergliedert: von Edeka Südbayern bis hinauf zu den deutschen Küsten, wo Edeka Nord mit seinen Läden wartet. Ausgerechnet dieser dezentrale Genossenschaftskonzern prescht mit einem Zukunftsthema vor. Edeka führt als erster großer Lebensmitteleinzelhändler umfassend das Bezahlen per Handy ein.

Berliner sind offen für Neues

Ab sofort ist es in rund 100 Berliner Edeka- und Reichelt-Märkten möglich. „Bis Ende 2015 wollen wir es in allen Märkten möglich machen. Wir starten in den Metropolen“, sagt Matthias Blodig, Projektleiter bei Edeka für das mobile Bezahlen. in Städten wie Berlin sei die Aufgeschlossenheit für solche Neuerungen besonders hoch.

Bei der Niedrigpreiskette Netto, ein Tochterunternehmen von Edeka, ist das Zahlen mit dem Smartphone in den 4000 deutschen Märkten seit Anfang Mai möglich. Weil die Edeka-Märkte von selbstständigen Kaufleuten geführt werden, kann es nicht zentral verordnet werden und braucht mehr Zeit. Die Geschäftsführer der Märkte müssen davon überzeugt werden, mitzumachen. Schneller als die meisten Konkurrenten ist Edeka dennoch.

Mit der Entscheidung von Edeka/Netto ist das Thema mobiles Bezahlen nun auf der alltäglichsten Ebene des Handels angelangt. Ausgehend vom Internet-Einkauf, ist es seit Jahre ein Thema. Mittlerweile ist das Zahlen im Netz von den Verbrauchern akzeptiert – wenn sie bei Online-Shops einkaufen.

Bezahlen mit dem Handy wird selbstverständlich

Da immer mehr internetfähige Handys – Smartphones – in Umlauf sind, bieten mittlerweile eine ganze Reihe von Unternehmen Zahlungslösungen an. Sollte sich das Handy-Bezahlen im Supermarkt durchsetzen, kann man von einem richtigen Durchbruch sprechen.

Im Einkaufsalltag funktioniert das bei Edeka wie folgt: Der Kunde muss die Edeka-App installieren. Dort hinterlässt er seine Kontonummer, markiert seine bevorzugte Filiale und gibt sich eine vierstellige Sicherheitsnummer, ähnlich der Pin-Nummer für EC–Karten. Kommt er an die Kasse, zückt er das Handy. Die Pin wird eingegeben, Strichcode oder Transaktionsnummer (sie sind für nur fünf Minuten gültig) erscheinen und werden in der Kasse verarbeitet. Die Einkaufssumme wird vom Konto abgebucht.

„Am Anfang dauerte der Bezahlvorgang 25 Sekunden, jetzt sind es nur noch sechs“, sagt Edeka-Mann Blodig. Getestet wurde das alles im Edeka-Markt in der Moabiter Stephanstraße. Hier gibt Edeka auch am Dienstag den offiziellen Startschuss. Mit Schnelligkeit ködert das Unternehmen die Smartphone-Kundschaft und gleichzeitig lockt Edeka mit Rabatt-Coupons: Die App-Nutzer kommen in den Genuss von extra rabattierten Produkten. Diese Preisabschläge werden automatisch mit einberechnet.

Das deutsche Angstthema Datenschutz

Auf das deutsche Angstthema Datenschutz werde Rücksicht genommen, verspricht Edeka. Einkaufsdaten werden verschlüsselt übertragen, auf dem Handy des Kunden keine Kontodaten gespeichert. Edeka will noch nicht einmal das machen, was bei Online-Händlern von Amazon bis Zalando üblich ist: aus getätigten Einkäufen eines Kunden ein Vorlieben-Profil erstellen und auf dieser Grundlage „Kaufempfehlungen“ aussprechen. „Wir wollen nur die Kundenzufriedenheit erhöhen“, beteuert Blodig.

Das spielt sicherlich eine Rolle, denn Edeka hat vor dem Start genau nachgeforscht, wie alltäglich Smartphones bereits sind. 54 Prozent der Deutschen unter 30 haben bereits eins, jeder Dritte insgesamt. Da kann es für einen stationären Traditionshändler nur von Vorteil sein, diesen Trend nicht außer acht zu lassen.

Sumup und Payleven expandieren

Derzeit tüfteln eine ganze Reihe von Unternehmen daran, dem mobile Bezahlen zum Durchbruch zu verhelfen. Darunter sind Telekommunikationsgiganten wie Vodafone und die Deutsche Telekom, der Ebay-Bezahldienst Paypal oder Start-ups wie Sumup und Payleven.

Nur wenige Stunden nach der Edeka-Ankündigung gab das Berliner Start-up Sumup den Einstieg des Kreditkarten-Riesen American Express und der Schnäppchen-Website Groupon bekannt. Mit dem zweistelligen Millionenbetrag aus der Finanzierungsrunde will Sumup die internationale Expansion vorantreiben. Die Firma bietet derzeit Einsteckmodule für Smartphones an, mit denen Händler Kartenzahlungen annehmen können.

Payleven eifern einem Unternehmen des Twitter-Erfinders Jack Dorsey nach. Dabei wird das Handy mittels eines kleinen, aufgesteckten Adapters zum Portemonnaie. Geräte von Payleven werden jetzt auch seit Mittwoch im Apple-Shop verkauft.

Chip versendet Preisinformationen

Unternehmen wie die Deutsche Telekom setzen vor allem auf die sogenannte Near Field Communication (NFC), bei der ein kleiner, recht primitiver Chip Informationen versendet. Der kann in Preisschildern untergebracht sein. Jedes Produkt im Einkaufswagen könnte dann seinen Preis senden; die Summe würde abgebucht. Der ganze Vorgang kann ohne Kassierer abgewickelt werden.

Aber das bislang wird es in Supermärkten nur in kleinen Testreihen erprobt. Edeka-Konkurrent Tengelmann („Kaiser’s“) will es beispielsweise demnächst im Zuge eines „NFC City“ genannten Pilotversuchs in Berlin erproben. Rewe wiederum lässt vorerst ganz die Finger vom Smartphone: „Die Rewe Group plant nicht die Einführung von mobilen Bezahlsystemen, zum Beispiel per Smartphone“, heißt es knapp.

Bei Edeka sind sie darauf vorbereitet, Konkurrenten an ihr Bezahlsystem anzuschließen. Es sei so ausgelegt, heißt es. Dann müssten Kunden nicht verschiedene Apps runterladen, sondern hätten ein Programm, mit dem sie Einkäufe bei jedem Händler bezahlen könnten.