re:publica

Netzkonferenz der Superlative startet in Berlin

Von diesem Montag an treffen sich in Berlin mehrere tausend Teilnehmer zur re.publica, einer der wichtigsten Internetkonferenzen der Welt. Vorträge gibt es unter anderem von Daimler-Chef Zetsche.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Unter dem Motto „In/Side/Out“ beginnt an diesem Montag die dreitägige Internetkonferenz re:publica 2013. Mit erwarteten rund 5000 Teilnehmern, 450 Sprechern und 263 Vorträgen, Diskussionen und Workshops, die auf elf Bühnen stattfinden, wird die re:publica 2013 die größte seit ihrem Start im Jahr 2007. Vom 6. bis 8. Mai können sich Teilnehmer unter den Themen Business & Innovation, Science & Technology, Politics & Society, Research & Education, Culture & Media austauschen. Die Veranstaltung entwickelte sich aus einem Bloggertreffen mit 700 Besuchern im Jahr 2007.

Ein Höhepunkt des Eröffnungstages dürfte der Vortrag der oppositionellen kubanischen Bloggerin Yoani Sanchez (Mo., 12.15 Uhr) werden, der neun Jahre lang die Ausreise aus ihrer Heimat verweigert wurde. Sie berichtet seit sechs Jahren in ihrem Blog „Generación Y“ aus dem kommunistischen Land. Um Opposition und Internet geht es auch beim Panel der syrischen Internet-Radiomacher von Baladna FM, die über permanente Angriffe regimetreuer russischer Hacker auf ihre Website berichten werden (Mo., 16 Uhr). Der iranische Webaktivist Maral Pourkazemi wird (Mo., 13.30 Uhr) über Internetzensur im Land der Mullahs sprechen.

Tipps aus dem Wahlkampfteam von Barack Obama

Eric Hersman, der wichtigste Tech-Blogger Afrikas, wird (Mo., 11 Uhr) unter anderem über die von ihm mitgegründete Open-Source-Internetplattform Ushahidi sprechen, die der Web-Öffentlichkeit mit Datensammlungen und interaktiven Karten einen schnellen Zugang zu Informationen aus Krisenherden ermöglicht. Menschen in Krisenregionen haben dank Ushahidi die Möglichkeit, mit ihren Notebooks eine Öffentlichkeit zu schaffen und Nachrichten zu verbreiten.

Im Vortrag von Ben Scott (Mo., 12.15 Uhr) geht es um die Frage, wie das Internet den politischen Betrieb verändert. Scott war Berater der früheren US-Außenministerin Hillary Clinton. Ähnliche Fragen behandelt das Panel von Betsy Hoover (Mo., 11.15 Uhr), die im Wahlkampfmanagement von US-Präsident Barack Obama tätig war.

Mozilla-Chef zum offenen Internet

Mehr als 30 Sessions befassen sich mit Netzpolitik. Eine der wichtigsten dürfte der Vortrag von Mitchell Baker sein. Die Vorsitzende der vor 15 Jahren gegründeten Mozilla Foundation spricht über die Bedeutung eines offenen Internet. (Mo., 16 Uhr). Mozilla entwickelte den Firefox-Browser. Die Freiheit des Internet wird auch Thema des Bloggers und Sci-Fi-Autors Cory Doctorow sein (Mi., 15 Uhr). Doctorow ist ein Visionär. Er sagte bereits auf der re:publica 2009 das Ende der Flatrates voraus. Damals klang das wie Science Fiction, heute ist es mit der neuen Tarifstruktur der Telekom Realität.

Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche wird in seinem Vortrag die Frage erörtern, wie das Internet die Mobilität der Menschen verändert (Di., 13.45 Uhr). Fahrzeuge werden in der Zukunft miteinander kommunizieren können. Es stellt sich die Frage, wann Unfälle der Vergangenheit angehören werden und welche Bedeutung neue Ebenen von Realität (Augmented Reality) im Auto erhalten werden.

Farben in Klänge übersetzen

Die erweiterte Wirklichkeit spielt auch im Vortrag von Neil Harbisson und Moon Ribas eine Rolle. Harbisson, der an der Farbsinnstörung Achromatopsie leidet und die Welt nur in Schwarzweiß sieht, benutzt eine Kamera, die Farben in Klänge übersetzt. Zusammen mit der Künstlerin Moon Ribas erforscht er in der Cyborgs Foundation den Mensch-Maschine-Komplex – also die Erweiterung des Menschen durch Technologie und die sich daraus ergebenden ethischen und gesellschaftlichen Folgen (Di., 15 Uhr). Mark Graham beschäftigt sich mit virtueller Kartografie, mit den Spuren, die Menschen mit Nachrichten im Netz hinterlassen. Der Experte für Datenvisualisierung nutzt virtuellen Geodaten, um die Welt neu zu vermessen (Mo., 19 Uhr).

Tickets für die Veranstaltung sind zum Preis von 150 Euro für drei Tage unter http://re-publica.de/tickets erhältlich. Die re:publica findet im ehemaligen Kreuzberger Postbahnhof (Luckenwalder Straße 4-6) statt, der als Event-Location unter dem Namen „Station Berlin“ firmiert.

„Die digitale Gesellschaft ist längst mehr als die Summe aus Blogosphäre, Netzaktivismus und Social Media“, bloggen die Veranstalter. Das Veranstaltungsthema In/Side/Out stelle die Frage nach der Verortung des Einzelnen im Gefüge des Ganzen und der möglichen Richtung, die sich daraus ergibt.

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