GetYourGuide

Berliner Gründer fordert Steuersenkung für Start-ups

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Foto: Reto Klar

Mit Forderungen hatten sich Berlins Grüner bislang zurückgehalten. Nun schreibt GetYourGuide-Chef Reck einen Brief an Kanzlerin Merkel.

Bessere Rahmenbedingungen für Jungunternehmer im deutschen Start-Up Sektor fordert Johannes Reck, CEO des touristischen Buchungsportals GetYourGuide. In einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel plädiert Johannes Reck für eine Senkung der Steuern und betrieblichen Lohnnebenkosten für Jungunternehmer in der Internet-Industrie, eine Lockerung des Arbeitsrechts und die Förderung von universitären Gründungen. „Diese Maßnahmen würden deutschen Start-Up Unternehmen in Deutschland stark helfen, die schwierige Anfangsphase besser zu überstehen“, so sich der Jungunternehmer in dem am Dienstag verbreiteten Brief.

Damit hebt sich Reck von der Mehrheit der Gründer ab, die beim Treffen mit Merkel in der vergangenen Woche in Berlin explizit keine Forderungen an die Politik gestellt hatten, außer der, von den politischen Entscheidungsträgern als ernsthafter Akteur der Wirtschaft anerkannt zu werden.

Reck, der GetYourguide 2009 mit Studienfreunden in Zürich gegründet hatte, fordert in seinem Brief eine Senkung der Steuern und betrieblichen Lohnnebenkosten für Jungunternehmer. „Neu gegründete Firmen sollten von Abgaben und Steuern in den Anfangsjahren so weit wie möglich entlastet und erst dann zur Kasse gebeten werden, wenn sie die Gewinnzone erreicht haben“, so Johannes Reck.

Kapital geht als Steuer in Staatskasse

Derzeit werde in Deutschland ein Großteil des Kapitals, die Start-Ups durch erfolgreiche Finanzierungsrunden erhalten, durch hohe Einkommenssteuersätze und Lohnnebenkosten an den Staat abgeführt. „Daher arbeiten viele Start-Ups in der Frühphase mit Praktikanten, für die keinerlei Nebenkosten und Steuern anfallen, und die teilweise sogar staatliche Unterstützung bekommen“, erläutert Reck.

Zudem benötigen junge Unternehmen genügend Spielraum, um die Personalkosten flexibel auf die betriebliche Entwicklung und die Finanzierungslage anzupassen. „Das Arbeitsrecht gehört entsprechend gelockert“, lautet eine weitere Forderung des GetYourGuide-Chefs. „Unser deutsches Arbeitsrecht wurde für große Konzerne konzipiert, entspricht jedoch nicht der Realität eines modernen Start-Ups.“

GetYourGuide ist eines der bestfinanzierten und schnellwachsenden, touristischen Start-ups in Berlin. Über die Plattform können Touren, Veranstaltungen und Ausflüge am Urlaubsort gebucht werden. Nach eigenen Angaben bietet GetYourGuide eine Auswahl von über 16.900 Produkten an mehr als 1.680 Zielen weltweit. Das Unternehmen, das Büros in Berlin, Zürich und Las Vegas hat, sieht sich als weltgrößter Anbieter.

Internet-Industrie wächst in rasanten Tempo

Zuletzt hatte das GetYourGuide im Januar eine Kapitalspritze von 14 Millionen Dollar erhalten. Geldgeber sind die US-amerikanischen Wagnisfinanzierer Spark Capital (Anteilseigner an Twitter, Tumblr oder Foursquare) und Highland Capital Prrtner, die unter anderem an Wooga beteiligt sind.

In seinem Brief an Merkel geht Reck auf die wachsende Bedeutung des Sektors ein. „Im Gegensatz zu vielen Industriezweigen am Wirtschaftsstandort Deutschland wächst die Internet-Industrie nach wie vor mit einem rasanten Tempo“, schreibt er. Im internationalen Vergleich spielen die Internet-Industrien Deutschlands und Europas jedoch noch in der zweiten Liga

Johannes Reck bedauert in seinem Schreiben an die Kanzlerin, dass es an den deutschen Universitäten zwar ausgezeichnete Ausbildungen in Informatik und Elektrotechnik gebe, es die Wirtschaft aber nicht geschafft hätte, „nachhaltige und auch international erfolgreiche Internet-Unternehmen aufzubauen, so wie es in Silicon Valley, Boston, New York oder London der Fall ist.“ Mit besseren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hätten junge deutsche Internet-Unternehmen die Chance, auch in Deutschland ähnliche Cluster einzuführen, und dadurch die Position Europas als dynamischen und zukunftsorientierten Standort in der Weltwirtschaft zu stärken.

Exzellenzinitiative reicht nicht für Hochschulausgründungen

Auch für eine stärkere Förderung universitärer Gründungen müsse sich die Politik Johannes Reck zufolge einsetzen. „Die großen amerikanischen Internet-Unternehmen wie Google, PayPal und Facebook sind zum überwiegenden Teil im Nukleus der Universitäten entstanden. In Amerika gibt es ein extrem ausgereiftes System, um Innovationen an Hochschulen zu fördern und in Form von neuen Produkten und Firmengründungen weiterzuentwickeln. An den Universitäten gehören Entrepreneurship Kurse zum Pflichtprogramm, und die meisten Risikokapitalinvestoren haben ihre Büros nur wenige Minuten entfernt.“

Johannes Reck fordert auch hierzulande ein entsprechendes ökonomisches Umfeld: „Es ist unerlässlich, um nachhaltig erfolgreich zu sein. Auch hier kann die Politik eine tragende Rolle spielen, so wie es mit der Exzellenz-Initiative bereits ansatzweise versucht wird.“

( gri )