Abendessen

Obamas Berliner Menü - die Rezepte zum Nachkochen

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Alexandra Kilian

Foto: Amin Akhtar

Eigentlich hat Zwei-Sterne-Koch Tim Raue ein Faible für Asien – für den Empfang des US-Präsidenten und die Kanzlerin kocht er aber bodenständig. Ein Gericht ist trotzdem sehr aufwendig geraten.

Aufgeregt ist er vorher nicht. Selbst wenn er für US-Präsident Barack Obama, Bundeskanzlerin Angela Merkel und 250 weitere geladene Gäste in der Orangerie von Schloss Charlottenburg kochen musste. „Ich mache das für jeden Gast mit der gleichen Liebe und Sorgfalt“, sagt Tim Raue. „Die viel größere Herausforderung ist die Logistik.“ Ob er rechtzeitig alle Geräte und Produkte von der Rudi-Dutschke-Straße in Kreuzberg, wo er sein Restaurant betreibt, bis nach Charlottenburg gebracht hat, beschäftigt den Zwei-Sterne-Koch viel mehr.

Vor zwei Monaten ist Tim Raue gefragt worden, ob er bei einem bestimmten Staatsbesuch kochen könne – und wolle. Am Mittwochmittag hatte Franz Raneburger mit dem Edelweiss Catering, der auch schon 1996 Bill Clinton bei seinem Besuch in der deutschen Hauptstadt umsorgte, für drei Gänge im Kanzleramt gesorgt. Am Abend sollte es der Zwei-Sterne-Koch Tim Raue sein. Bei der Eröffnungsparty seines zweiten Restaurants Anfang April dieses Jahres, dem „Sra Bua by Tim Raue“ im Hotel „Adlon“, waren unter anderen Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes zu Gast. Ob er sich schon mal den Termin blocken könnte, wurde Raue damals gefragt. „Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, für wen oder was“, sagt Tim Raue. Erst als es bei einem weiteren Treffen um die Absprache des Menüs ging, habe er nachgefragt. Und erfahren, dass Angela Merkel sich für den Besuch von US-Präsident Barack Obama Berliner Küche von ihm wünsche.

„Will meine Heimat präsentieren“

Eigentlich ist der 39-Jährige bekannt für seine asiatische Gourmetküche. Mit dieser hat er auf dem Weg vom „Restaurant 44“ des Hotels Swissotels über die Stelle als Küchendirektor im Hotel Adlon und schließlich in seinem eigenen Restaurant, dem Restaurant „Tim Raue“, den ersten im „MA Tim Raue“ und im vergangenen November dann den zweiten Michelin-Stern erkocht. Für Barack Obama wollte er jedoch nicht das zeigen, womit er seine Sterne verdient hat. „Ich wollte meine Heimat präsentieren“, sagt Tim Raue. Wie auch in seinem dritten Restaurant, das er vor vier Wochen eröffnete, das „La Soupe Populaire“ in der Bötzowbrauerei. So ist es auch bei den Weinen, die er für Obama ausgewählt hat. Sie kommen von den beiden deutschen Winzern Jochen Dreissigacker und Markus Schneider: zum Empfang einen 2011er Rieslingssekt von Dreissigacker und einen 2012er Weißburgunder von Schneider.

>>>Das Berliner Obama-Menü zum Nachkochen<<<

Als ersten Gang hat sich Raue Spargel mit Saiblingskaviar und Zitrone überlegt. „Deutschland Anfang Juni, mitten in der Spargelzeit? Da muss es zwangsläufig einen Spargelgang geben“, sagt Tim Raue. Der zweite Gang ist Kabeljau mit Schmorgurke und Estragoncreme. Eigentlich wird der Gang mit Speck zubereitet – bei Raue jedoch mit Dashi. Einer Brühe aus Kombualgen, Thunfisch-Flocken und Wasser. „Da bei solch großen Banketten oftmals neben vielen Menschen mit Allergien und Unverträglichkeiten auch solche dabei sind, die kein Schweinefleisch essen, ersparen wir uns Menü-Änderungen“, sagt Raue.

Hoffnung auf ein Foto

Zum Hauptgang gibt es dann das Gericht, das Tim Raue als erstes „preußisches Gericht“ kochen konnte, wie er das ausdrückt. Königsberger Klopse mit Kartoffelpüree und Apfel-Rote-Bete-Salat, die Klopse basieren auf Kalbshack. Das Dessert? Bienenstich mit Aprikose. Das ist ja eigentlich ein weiterer Klassiker. Doch Raue bereitet es als Sorbet zu. „Dadurch bekommt es eine feine Frische, ohne seine dichte süße Aromatik zu verlieren“, sagt Tim Raue.

Schon das Probeessen sei „intensiv“ gewesen, sagt der Sterne-Koch. Die Kontrollen von Restaurant und Küche seien schärfer gewesen als bei dem Essen für den israelischen Staatschef. Für diesen hat er auch schon gekocht. Falls es zu einem Foto mit dem Präsidenten kommen werde, werde er natürlich einwilligen, sagt Raue. Weniger für sich als für seine Familie. Diese sei sehr Amerika-verbunden, sagt Tim Raue. Und wegen seines Auftrags für den Präsidenten ist zumindest sie sicher schon ganz aufgeregt.

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