Ganz schön eingebildet, dieser Kaiser. Kümmert sich nur um die neueste Mode und vergisst darüber das Regieren. Bei ihm gibt es keinen Innen- oder Außenminister, wie in jeder ordentlichen Regierung, sondern einen kaiserlichen Oberhemdenbügler und einen Unterhosenwärmer. Aber das ist ja auch kein Wunder: Der Kaiser heißt schließlich Maximilian von Eitelstein und ist Hauptfigur in dem Singspiel „Des Kaisers neue Kleider“, das am vergangenen Sonntag in der Komischen Oper uraufgeführt wurde.

Uraufführung heißt: Die Oper war vorher noch nie auf einer Bühne zu sehen. Dabei klingt die Musik des tschechischen Komponisten Miloš Vacek gar nicht so neu. Das ist sie auch nicht, denn Vacek hat die Oper schon vor 50 Jahren geschrieben. Damals durfte sie aber nicht aufgeführt werden, weil die tschechische Regierung nicht wollte, dass man sich über einen Herrscher lustig macht.

Singspiel nach dem Märchen von Hans Christian Andersen

Eigentlich ist das Stück noch viel älter, denn dahinter steckt das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ von Hans Christian Andersen. In der Geschichte ruft der Kaiser zum Schneiderwettbewerb auf, damit er die schönsten Kleider bekommt. Davon hat er zwar schon reichlich, aber er will noch mehr. Würde der Kaiser heute leben, wäre er wohl ständig shoppen, damals aber ließ man sich Kleider nähen. Einmal kommen zwei Schneider an den Hof, die eigentlich Wanderer sind. Damit niemand den Betrug merkt, sagen sie, dass ihre Kleider so toll sind, dass nur schlaue Leute sie sehen können, dumme nicht.

Bei der Präsentation des neuen Gewands kann aber auch der Kaiser nichts entdecken! Natürlich fürchtet er, dass auch er zu den Dummen gehört, will das aber keinesfalls zugeben. Darum lobt er das tolle Kostüm. Und seine Hofschar tut es ihm nach. Erst als er sich später dem Volk zeigt, in Unterhose statt im üppigen Gewand, ruft ein Kind: „Der hat ja gar nichts an!“ Denn Kinder lassen sich ja nicht so einfach an der Nase herumführen. So fliegt der ganze Betrug auf – aber da sind die falschen Schneider schon längst wieder verschwunden.

Keine Zeit für Langeweile

Zwei Stunden dauert die Oper, aber davon ist keine Minute langweilig. Das liegt auch daran, dass es neben der kaiserlichen Kleidergeschichte noch allerlei Verwicklungen gibt. Zum Beispiel will Eitelsteins verwöhnte Tochter unbedingt heiraten und verliebt sich ausgerechnet in einen der falschen Schneider, der es aber auf ihre Kammerzofe abgesehen hat. Dann gibt es da den kleinen weißen Hund des Kaisers, er ist echt und scheint seine Rolle zu genießen. Und einmal verwandelt sich die Oper sogar in eine Disko.

Kurzweilig ist das Stück schließlich auch, weil die Zuschauer hier mitmachen. Gleich zu Beginn lernen sie die kaiserliche Begrüßungsformel und die Hymne. Später prüft der Hofmeister, ob die Besucher ordentlich gekleidet sind. Schließlich werden zwei Kinder auf die Bühne geholt. Da muss der Kragen schon sitzen.

Nächste Aufführungen: 1., 5., 26., 28. November und 8., 11., 18. und 26. Dezember, jeweils 11 Uhr, Karten für Kinder 8 Euro. Mehr Infos zum Stück und die Kaiserhymne zum Üben gibt es im Internet unter www.komische-oper.de