Wenn du dir einen armen Menschen vorstellst: Denkst du dann vielleicht an einen Obdachlosen bei uns, der auf der Straße schläft? Oder ein Kind in Afrika, das nicht genügend zu essen hat? Auf der Welt gibt es viel Armut. Doch je nach Land ist arm zu sein verschieden, erklärt Armutsforscher Christoph Butterwegge: „In Afrika, Asien oder Südamerika arm zu sein bedeutet oft: Den Menschen fehlt das Nötigste zum Leben.“ Also Dinge wie Essen, Trinken, Kleidung und eine Wohnung.

Zwar gibt es auch bei uns Menschen, denen es sehr schlecht geht, zum Beispiel Obdachlose. Doch das Leben der meisten armen Menschen in Deutschland sieht anders aus: „Bei uns arm zu sein heißt: weniger zum Leben zu haben als die meisten anderen Menschen“, sagt der Fachmann. „Man hat zwar eine Wohnung, Essen und Kleidung. Aber man kann sich weniger leisten.“ Zum Beispiel sind Kinobesuche, neue Klamotten oder Handys und manche Hobbys nicht drin. Eine Gefahr dabei sei, dass die Menschen dadurch vereinsamen, sagt der Experte. Vielleicht verlieren sie Freunde, weil sie kaum noch etwas mit ihnen unternehmen können. Das mache Armut nur schwer zu ertragen.

„Als armer Mensch zwischen reicheren zu leben kann traurig machen. Denn in Deutschland schieben viele den Armen die Schuld daran in die Schuhe, dass sie arm sind. Behauptet wird beispielsweise, dass sie faul sind und sich nicht genug bemühen. Doch das stimmt oft gar nicht.“

In Deutschland gilt jeder sechste Einwohner als arm

Doch egal, ob man bei uns oder in Ländern in Afrika oder Südamerika in Armut lebt: „Armut hat zwar verschiedene Gesichter. Aber sie ist immer schlimm für die betroffenen Menschen.“ Deshalb sei es wichtig, etwas gegen die Armut auf der Welt zu unternehmen.

Über das Thema Armut war in den vergangenen Wochen viel zu hören. Denn Experten berichteten, wie es um die Armut in Ländern der Europäischen Union steht. Zur Europäischen Union gehören 27 Länder, auch Deutschland.

In Deutschland gilt etwa jeder sechste Einwohner als arm, sagen Fachleute. Doch woher wissen die das eigentlich? „Es wird geschaut, wie viel Geld jemand zur Verfügung hat“, erklärt ein Forscher. Bei uns gilt ein einzelner Mensch als von Armut bedroht, wenn er weniger als 952 Euro im Monat hat.

Viele Menschen auf der Welt haben nur einen Euro pro Tag

„Doch je nachdem, welche Experten die Armut auf der Welt vergleichen, gibt es andere Werte. Weltweit gilt zum Beispiel jemand als arm, wenn er weniger als knapp einen Euro pro Tag zur Verfügung hat.“ In einigen Ländern ist es für viele Menschen unmöglich, überhaupt einen einzigen Euro am Tag zusammenzubekommen.

Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, Armut zu messen: Man kann sich verschiedene Bereiche des Lebens von Menschen ansehen. Also wie wohnt jemand? Wie steht es um seine Bildung? Und was kann er in seiner Freizeit unternehmen? Aber solche Untersuchungen sind aufwendig und eher selten.

dpa/gs