Mönche in dunklen, langen Gewändern, hohe Mauern und ernste Gesichter – so stellen sich viele das Leben in einem Kloster vor. „Das sind zum Glück total veraltete Vorstellungen“, sagt Bruder Andreas. Seit 25 Jahren lebt er im Kloster, gerade im katholischen Kloster in Berlin-Pankow. Das Kloster gehört einer Gemeinschaft an, die sich Franziskaner nennt. „Heute sieht hier vieles ganz anders aus.“
Und wirklich, keine lange weite Kutte in Sicht: Bruder Andreas sitzt in Jeans und Kapuzenpulli an seinem Schreibtisch. Vor ihm steht sein Computer. „Früher war die braune Kutte auch bei uns die Tageskleidung. Aber heute trage ich mein Ordensgewand nur noch zu Gottesdiensten und bei öffentlichen Anlässen.“ In Andreas’ Kloster werden die Bewohner nicht Mönche genannt, sondern Brüder. Bruder Andreas erklärt: „Mönche leben oft etwas zurückgezogener. In einer Bruderschaft wie bei uns geht es aber ganz stark darum, mit anderen Menschen zusammenzuleben und zu helfen. Deshalb sehen wir uns als Brüder.“
Jeder Bruder hat eigene Aufgaben
Jeder in der Bruderschaft hat seine Aufgaben. Bruder Andreas ist für die Suppenküche des Klosters verantwortlich. Jeden Tag kocht er mit seinen Helfern einen riesengroßen Topf Suppe. Um 12 Uhr wird das Essen an Obdachlose und andere Menschen, die kein Geld haben, ausgegeben. Manchmal warten bis zu 450 Hungrige im Essensraum des Klosters. In den Räumen dort können diese Menschen nach dem Essen außerdem duschen, Wäsche waschen oder einfach ein Schwätzchen halten. Heute gibt es Kohlsuppe. Der Topf dampft schon und Bruder Andreas schöpft den ersten Teller voll.
Doch das ist nicht das Erste, was er an diesem Tag tut. Denn der Tag in einem Kloster beginnt meistens sehr früh. Bruder Andreas steht morgens um 5.30 Uhr auf. Zweimal am Tag betet er zusammen mit den anderen Brüdern im Kloster, einmal morgens und einmal abends. Mit 20 Jahren hat er sich dazu entschlossen, in einem Kloster zu leben. Schon als Kind und als Jugendlicher war er regelmäßig in einem Kloster. Das lag in der Nähe seines Elternhauses. Er war dort in der Kirche, und er fühlte sich immer wohl, erzählt er.
Das Klosterleben hat eigene Regeln
„Trotzdem ist es natürlich ein großer Schritt, für immer in ein Kloster zu ziehen“, gibt er zu. Erstens haben die Menschen im Kloster meist kein eigenes Geld, sondern teilen alles mit den anderen Klosterbewohnern. Zweitens müssen sie sich an die Regeln und Abläufe im Kloster halten. Und drittens ist es nicht erlaubt, einen Mann oder eine Frau und Familie zu haben. Deshalb gehen in Deutschland immer weniger Menschen in ein Kloster, um dort für immer zu leben.
Auch Bruder Andreas verzichtet freiwillig darauf, eine Frau und Kinder zu haben. Er sagt: „Für mich ist die Bruderschaft hier im Kloster wie das Leben in einer Familie.“ Ein bisschen Freizeit hat Bruder Andreas auch. Dann macht er ganz normale Dinge wie schwimmen oder ins Kino gehen. „Auch das gehört für mich dazu“, sagt er.
dpa/gs


