Fasziniert betrachtet eine junge Japanerin die handgroße Glaskugel. Eine Pusteblume verbirgt sich im Inneren. Die haarigen Flugschirme bilden ein perfektes Rund. Auf dem alten Apothekerschrank in der Raummitte liegen Rollen mit dickem Garn. Auch der Name „Luiban“ verrät nichts, erklärt sich jedoch aus den Namen der Betreiber des hübschen kleinen Ladens: Kai Stefan Luithardt und Michael Ruben Bandt. Dahinter verbirgt sich ihre Leidenschaft zum Papier und zu schönen Schreibwaren.

Die Pusteblumen-Kugel ist ein Briefbeschwerer, mit dem Garn könnte man Liebesbriefe zur Aufbewahrung zusammenbinden oder ein Päckchen hübsch verschnüren. Es stehen nur einige Regale im Verkaufsraum, das Gros lagert im Hinterraum. Doch je länger man sich umschaut, je mehr Dinge entdeckt man: „Papier d’Arménie“, französisches Duftpapier, das seit 1885 hergestellt wird, Brieföffner in Form von Mini-Vogel-Form, Blöcke mit gezacktem „Gipfel“-Rand, Buchzeichen, die gleichzeitig Schablonen sind, handgefertigte lederne Federmappen, Klebebänder in allen Farben des Regenbogens oder mit Mustern. „Die beziehen wir aus Japan, dort sind sie Kult“, sagt Bandt.

Edles Stück: Der Klebebandroller aus massivem Messing
Edles Stück: Der Klebebandroller aus massivem Messing© Joerg Krauthoefer

Jedes Produkt ist sorgsam ausgesucht, viele haben eine kleine Geschichte. Wie der massive Klebebandabroller aus Messing. „Den wollten wir eigentlich nur für uns als Dekostück kaufen, aber Kunden waren davon so begeistert, dass wir ihn auch verkaufen – für knapp 240 Euro, das ist nicht günstig, aber fair, wie auch bei unseren anderen Produkten“, so der Papeterie-Betreiber, der das Schöne und Besondere schätzt. Wie die Büroklammern, die in Schubladen verstaut sind. Die Metalldrähte verlaufen nicht in der Standardform. Vielmehr könnte man damit einen Tierpark gestalten – es gibt Pinguine, Pferde, Schweine, Eichhörnchen, Hunde und Fische – oder mit Flugzeugen, Mopeds und Autos einen Fuhrpark eröffnen.

Selbst gemachte Tinte oder Siegellacke aus der Schweiz

Inzwischen befinden sich eine Handvoll Kunden im Verkaufsraum: Stammkunden, die sich gezielt zu Schreib- und Aquarellblöcken, Grußkarten in kleinen Auflagen, auf alten Druckerpressen hergestellten Quittungsblöcken bewegen oder über die Anschaffung eines edlen Füllers nachdenken. Oder auch Neukunden auf Entdeckungstour, die Kästchen mit Buchschrauben bestaunen.

Michael Ruben Bandt begleitet die Leidenschaft für schönes Papier und besondere Schreibwaren schon sein ganzes Leben. „Sie ist angeboren. Ich habe Papeterien schon immer geliebt. Mit 16 Jahren habe ich mich bei meiner Lieblings-Papeterie in Gießen beworben. Es hieß, ich sei zu jung. Daraufhin habe ich gesagt, dann mache ich eben erst einmal nur ein Praktikum“, erzählt der gebürtige Hesse, dem schnell klar wurde, dass man auch neue Verkaufswege, sprich den Online-Versand, einschlagen müsse. „2009 habe ich zusammen mit Kai-Stefan, der aus der EDV kommt, aber sofort etwas mit Papier anfangen konnte, einen Online-Shop für Produkte, die man sonst nicht bekommt wie selbstgemachte Tinte und Siegellacke aus der Schweiz, eröffnet“, sagt er.

Damit war er allerdings kein Existenzgründer, der alles auf eine Karte gesetzt hat. Vielmehr begann sein Papiergeschäft nebenbei, wuchs aber stetig. Bandt hat Sozialarbeit studiert und arbeitet bis heute auch in diesem Bereich. Vor fünf Jahren ging er nach Berlin, sein Geschäftspartner folgte. „Wir hatten unser Lager und Büro in Kreuzberg. Die Kunden kamen vorbei, wollten die Waren anfassen“, erinnert sich Bandt. Das Papeterie-Geschäft lief gut, allerdings reichte es nicht zum Leben und als Hobby wollten es die beiden nicht dauerhaft betreiben.

Für schöne Päckchen: Geschenkpapier in Variationen
Für schöne Päckchen: Geschenkpapier in Variationen© Joerg Krauthoefer

Erfahrungen für den Schritt in die Professionalität hatten sie genug gesammelt. „Es geht nicht nur darum, schöne Dinge zu finden, sie an- und weiterzuverkaufen. Mann muss sich mit Zollbestimmungen beschäftigen. Wir haben morgens Währungen gecheckt. Wenn man handgedruckte Karten aus England bezieht, ist der aktuelle Währungskurs wichtig“, weiht er in den geschäftlichen Hintergrund ein. Rund die Hälfte der Schreibwaren kommt aus Europa, rund 30 Prozent aus dem „Schreibwaren-verrückten“ Japan, der Rest aus Amerika, Kanada und aus Taiwan, wo das Qualitätsbewusstsein immer mehr steigt.

Auf Papier drückt man sich ander aus als per Mail

Die ohne Kredit eröffnete Papeterie in Mitte betreiben Bandt und Luithardt seit dreieinhalb Jahren. „Auch wenn die Leute im digitalen Zeitalter leben, mit handgeschriebenen Zeilen auf dem haptischen Luxusprodukt Papier lassen sich andere Emotionen ausdrücken als per Mail“, sagt Bandt. Japaner etwa sind begeistert von manchem Luiban-Produkt, von Kupferklebebändern etwa, die an Blattgold erinnern. „Eigene Artikel sind die logische Konsequenz, wenn man manche Produkte einfach nicht findet, wie man sie sich vorstellt. Wir arbeiten gerade an einem gebundenen, mit Leinen bezogenem Notizbuch“, so Bandt, der dafür gerne mit kleinen Handwerksbetrieben zusammenarbeitet. Aber immer seien Professionalität und höchste Qualität Voraussetzung.

Luiban Papeterie für Papier und Schreibkultur Rosa-Luxemburg-Str. 28, Mitte, Tel. 88 94 11 92, shop.luiban.com, Mo.–Sbd. 12–20 Uhr geöffnet