Mohn-Sahne-Torte? Oder doch Schwarzwälder Kirschtorte? Oder, der Kalorien wegen, Himbeer-Joghurt? Man sieht sie geradezu mit sich selbst kämpfen, die Kunden, wenn sie zum ersten Mal vor der Glasvitrine im Café „Frau Behrens Torten“ stehen. „Männer nehmen oft mächtige Torten“, sagt Besitzerin Victoria Fernandez, „sie essen gern Marzipan oder die Blaubeer-Mascarpone-Torte. Frauen entscheiden sich eher für fruchtige oder nussige Torten.“

Am Anfang kamen nur Friedenauer

Die 40-Jährige kennt sich aus mit dem Tortengeschmack der Berliner. Seit mehr als zehn Jahren backt und verkauft sie ihre Kuchen und Torten. Zuerst in ihrer eigenen Wohnung, danach in einer kleinen Backstube an der Friedenauer Schmiljanstraße. Und dann wurde der Laden an der Rheinstraße frei. Auf 22 Quadratmetern bot sie ihre Backkunstwerke an. „Bei der Eröffnung standen die Menschen Schlange“, sagt sie. „Ich hatte wirklich jeden, den ich kenne, gebeten zu kommen.“

Zuerst waren es nur Friedenauer, dann sprach sich herum, dass es bei „Frau Behrens“ Kuchen und Torten gibt, wie man sie selbst nie hinbekäme. Schon bald kamen auch Zehlendorfer, Lichterfelder, Tempelhofer. Der Imbiss nebenan wurde frei, Victoria Ferndandez ließ einen Durchbruch in die Wand schlagen und eröffnete, zusätzlich zur Terrasse vor dem Geschäft, ein Café.

Weiße Schokolade und Zitrone

Ein zweites Café kam hinzu. Dabei hatte Victoria Fernandez nur eine Backstube gesucht, weil sie aus der Schmiljanstraße ausziehen musste. Die Räume, die sie fand, waren zu groß, um dort nur zu backen, also eröffnete sie den Charlottenburger Ableger, größer und repräsentativer, aber ebenso gemütlich wie das Friedenauer Café.

„Ich suche alles selbst aus“, sagt sie, „die Möbel, die Dekoration. Ich entscheide.“ Auch, welche Kuchen und Torten gebacken werden. Rare Rezepte sind dabei, Ingwer-Schokolade oder Joghurt-Honig-Walnuss. Die Rezeptideen entwickelt sie selbst, probiert einfach, ob Ananas und Minze oder weiße Schokolade und Zitronen zusammenpassen. Nur Konservierungsstoffe kommen ihr nicht in die Torte, „deswegen kommen auch Schwangere so gern zu uns“.

Eine Konditorausbildung hat Victoria Fernandez nicht. In Spanien, wo sie aufwuchs, arbeitete sie auf Messen, bevor sie der Liebe wegen nach Berlin ging. Sie wurde schwanger – und entschied sich, zu bleiben, auch als sie sich vom Vater des Kindes trennte. Als alleinerziehende Mutter suchte sie nach einer Möglichkeit, Geld zu verdienen: „Mir kam die Idee, Kuchen und Torten zu backen und zu verkaufen.“ Mit dem Rad, der U-Bahn oder zu Fuß belieferte sie ihre Kunden, „einen Führerschein hatte ich nicht“. Manchmal half eine ältere Freundin, wenn sie viele Lieferungen hatte oder große Einkäufe erledigen musste. Von ihr bekam sie die ersten drei Backformen und den Rührer. „Ohne sie hätte ich nicht anfangen können.“ Damals kündigte Victoria Fernandez der Freundin an: „Wenn ich mal ein Geschäft habe, bekommt es deinen Namen.“

71 Jahre alte Dame hilft noch immer

Frau Behrens hilft ihr noch immer, obwohl sie inzwischen 71 Jahre alt ist. „Sie war immer für mich da“, sagt Victoria Fernandez. Auch wenn es mal schwierig wurde, zum Beispiel damals, als sie noch zu Hause backte und ein Nachbar sie anzeigte: „Ich wusste doch gar nicht, dass man so etwas wie einen Gewerbeschein braucht.“

Gleich am nächsten Tag ging sie zum Gewerbeamt: „Da saßen drei Damen, zwei fanden meine Idee toll und wollten mich unterstützen, auch weil ich alleinerziehend war. Aber die dritte sagte: Nein. Weil ich keine Konditorausbildung hatte.“ Irgendwie gelang es ihr schließlich doch, die dritte Dame zu überzeugen. Victoria Fernandez durfte weiterbacken. „Inzwischen bin ich ja sozusagen Konditormeisterin“, sagt sie, „nach zwölf Jahren im Geschäft.“ Außerdem beschäftigt sie fünf Konditoren, „aber ich backe auch immer noch selbst!“ Nicht nur für die eigenen Konditoreien: Unter den Kunden sind andere Cafés, aber auch Botschaften, Unternehmen, Privatleute.

Lebkuchen und Knusperhäuser

Gebacken hat sie schon als Vierjährige. „Die Schwester meiner Großmutter war eine Mamsell, sie hat fünf Generationen einer Familie großgezogen und dort gekocht. Natürlich hat sie auch bei uns für alle Familienfeste gekocht und gebacken, zusammen mit meiner Oma.“ Die Enkeltochter durfte helfen: „Ich war der Mixer – einen elektrischen Mixer hatten sie nicht, deshalb habe ich alles gerührt.“

Noch heute setzt sie auf Handarbeit: „Den Weihnachtsstollen zum Beispiel machen wir mit der Hand.“ Außerdem sind zu Weihnachten selbstgemachte Lebkuchen oder Knusperhäuser, Florentiner, Baisers im Angebot. Da kann man sich nach der Torte gleich noch ein bisschen Gebäck mitnehmen. Für zu Hause.

Frau Behrens Torten / Rheinstraße 65, Friedenau, Tel. 47012467, montags bis freitags von 9 bis 19 Uhr, sonntags von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Heiligabend 10 bis 14 Uhr, 25. Dezember geschlossen, 26. Dezember 10 bis 19 Uhr. Backstube und Chocolaterie, Wilmersdorfer Straße 96, Wilmersdorf, Tel. 88 92 28 64