Vor zehn Jahren hatte Matthias Gerber mit einer Kollegin eine Reihe Entwürfe angefertigt. Was nun mit diesen Mustern anstellen? Man wollte Neues wagen. Als Tapeten, so entschlossen sie sich bald, ließen sich ihre Entwürfe an ein breites Publikum bringen. Durch Zufall fanden sie einen klassischen Tapetenhersteller, der mit einer Digitaldruckmaschine arbeitete. Gemeinsam entwickelten sie eine neue Technik, die es ermöglichte, Tapeten in möglichst kleinen Auflagen zu drucken. Das Fundament für „Extratapete“ war gelegt.

„Unsere Tapeten sind Einrichtungsgegenstände, die Akzente setzen“, sagt der gebürtige Schweizer Matthias Gerber, Geschäftsführer des Ladens. Die Tapetenmodelle finden sich in den „Kunststwerken Berlin“, in verschiedenen Galerien im In- und Ausland, in Modeläden, Restaurants, Arztpraxen und im Deutschen Theater. Internationale Zeitschriften haben über ihn geschrieben. Aber auch Privatkunden können ihr Heim im Geschäft am Moritzplatz ausstatten lassen.

Asiatisch und beruhigend

Der kleine Raum, den man 2011 im Aufbauhaus bezog, ähnelt mehr einer Galerie oder einem Showroom als einem Tapetenladen. Muster-, Grafik- und Fototapeten sind an jeder Wand zu finden. Ein grauer Hintergrund etwa mit den schwarzen Konturen einer Buche befindet sich hinter dem Tresen des Tapetenladens. Es hat etwas Asiatisches und Beruhigendes. Das Modell heißt „Kimiko“ und ist die beliebteste Tapete im Geschäft. „Mal kräftig geschüttelt, mal entspannt gerührt“, beschreibt Gerber die naturnahen Modelle. Jedes Jahr entwirft der 38-Jährige eine neue Kollektion, die bestimmte Themen präsentiert oder Geschichten erzählt.

Die typischen Sonnenuntergänge oder immergrünen Wälder sind hier nicht zu finden. Die Sommer-Kollektion präsentiert Bilder an der Grenze zwischen Realität und Abstraktion. Ein strahlend blauer Himmel, Blumen, der Blick von der grünen Wiese zum Horizont. In vier Bahnen à 46,5 Zentimetern ist es möglich, sich das Bild „Anabell“ und damit ein Stück Sommer zu sichern

Die Kollektion „Maps“ – Landkarten – zeigt Orte voller Mystik. Gerbers Kindheitserinnerungen brachten das Modell Timbuktu hervor: „Meine Mutter sagte immer aus Witz: ‚Wenn du nicht artig bist, schicke ich dich nach Timbuktu‘ “, sagt er. So entstand eine neue Reihe, die die Landkarte der Oasenstadt im westafrikanischen Staat Mali repräsentiert.

Wer mag, kann sich 150 mal 46,5 Zentimeter große Bahnen an die Wände bringen, die den U-Bahnplan von Tokio zeigen. Die bunten, durcheinander gedrehten Linien sorgen für eine dezente aber fesselnde Ansicht. „So wie andere Menschen ihr Kind benennen, so benenne ich meine Tapeten“, sagt Matthias Gerber amüsiert und öffnet einen der vielen Kataloge, die auf einem großen quadratischen Tisch liegen, der mitten im Raum steht. Auf diesem Zeichentisch sind die unterschiedlichen Kollektionen von „Extratapete“ zu überschauen. Kataloge mit Mustern und Raumvorschlägen können Gerbers Besucher durchblättern, damit sie sich auch die jeweilige Tapete an den eigenen Wänden vorstellen können.

Acht Kollektionen hat er bisher entworfen. Die aktuelle Reihe nennt sich „Grid“ – Raster. Zur Wahl stehen 22 Muster, die sich beliebig kombinieren lassen: Linien, Karos, Streifen, Kreise und Diagonalen. Wem nicht gleich die richtige Zusammenstellung einfällt, dem eilen Gerber und seine vier Mitarbeiter zu Hilfe. Nicht nur Großformate, auch sogenannte Panorama-Borten bietet Extratapete an. Da ist es möglich, seine Wände mit einem vier Meter langen und 11,6 Zentimeter hohen Stadt- oder Landschaftspanorama, von Paris bis Los Angeles, zu verschönern.

Eigene Bilder als Vorlagen

Alle Tapeten sind aus Vlies und haben eine Stärke von 150 Gramm je Quadratmeter. Dieses Material wird aus Mineral- und Zellulosefasern hergestellt und ist strapazierfähiger als Papiertapeten. Preise der unterschiedlichen Modelle in unterschiedlichen Längen rangieren von zwölf bis 156 Euro. Den geeigneten Kleber und auf Wunsch sogar einen qualifizierten Maler empfehlen die Mitarbeiter gleich mit, damit die wertvollen Stücke auch die richtige Wirkung erzielen.

Man kann bei „Extratapete“ auch seine eigenen Bilder und Fotos in Tapeten umwandeln lassen. Dazu werden Familien- oder Urlaubsfotos, eigene Zeichnungen oder andere Bilder in jedes Format zurechtgeschnitten. Ab 99 Euro kann der eigene laufende Meter bedruckt und eingerichtet werden. Nach fünf bis zehn Werktagen sind die Rollen fertig.

Das neueste Projekt von Gerber sind Stadt- und Landkarten im Großformat. „Ich finde die Detailvielfalt und die vielen Informationen auf solchen kleinen Flächen faszinierend“, sagt Gerber. Außerdem sei es dekorativ. Jeder Quadratzentimeter sorgt für neue Assoziationen.

Extratapete im Geschäft Modulor, Aufbauhaus, Prinzenstraße 85 A, Kreuzberg, Tel. 261 57 29, Mo.–Fr. 9–19 Uhr, Sbd. 10–18 Uhr