Die erste Griff eines Brillenträgers geht morgens nach der Sehhilfe. Abends legt er sie zum Schlafen ab. „Darum möchten wir, dass die Brille zum alltagstauglichen Lieblingsstück wird“, sagt Thomas Bischoff, Designer von „Whiteout and Glare“.

In Mitte, unweit vom Alexanderplatz liegt der Showroom des Labels und Geschäfts. Den seit 2010 in einer ehemaligen Kinderbibliothek gelegenen Laden haben die Inhaber Thomas Bischoff und Rudi Stein funktional aber gemütlich eingerichtet. Moosgrüne Ledersessel und ein helles Wand-Aquarium locken Neugierige ins Brillenlabor. Ein Brillenregal aus Kunststoffquadern, umgeben von unbehandelten Betonwänden ist das Highlight des leuchtenden Raumes.

Das besondere Konzept des Labels entwickelte Thomas Bischoff 2006. Zuvor hatte er Maschinenbau studiert. Dass seine Kreationen nie öffentlich zu bewundern waren, störte ihn stets. „Eine Brille sieht man. Die sagt etwas aus. Ich wollte, dass meine ausdruckskräftigen Kreationen gesehen werden“, sagt er.

Thomas Bischoff designt die Gestelle. Rudi Stein, sogenannter Executive Director im Geschäft, redet bei Farben und den Modellen mit. Hergestellt werden die Designs von Bischoff und Stein durch ausgewählte Handwerker an anderen Standorten. „Was unsere Gestelle von einer herkömmlichen Brille unterscheidet, ist die Formsprache“, sagt Rudi Stein. Markenzeichen des Brillenlabels sind die aus Titan gefertigten Kammgelenke, die die Bügel mit dem Gestell zusammen halten. Die Kollektionen reichen von bodenständig und robust bis elegant und exklusiv.

Im Mont-Blanc-Massiv

„Whiteout and Glare“ verkaufen ihre Gestelle, verglasen die Modelle aber nicht selbst. Abnehmer bei Stein und Bischoff sind hauptsächlich Optiker. Reguläre Kunden können sich eine Brille aussuchen und werden für die Verglasung an einen passenden Optiker weiterempfohlen. Preislich liegen die Stücke zwischen 250 Euro und 450 Euro.

Besonders an diesem Label ist auch, dass es für jede Kollektion ein bestimmtes Thema aufgreift. Dieses Thema leitet dann den gesamten Design- und Herstellungsprozess. Die erste Kollektion beispielsweise nannten Stein und Bischoff 2006 „Mountain“. Da befand sich das Unternehmen noch in der Anfangsphase. Der Name sollte das Erklimmen eines Berges, im Einklang mit dem erhofften Erfolg der Firmengründung verbildlichen. „Wir wollten auf den Gipfel“, sagt Rudi Stein und lächelt. So heißt die Brille „Aiguille Verte“, grüne Felsnadel, nach dem 4122 Meter hohen Berg im Mont-Blanc-Massiv. Sie ist in verschiedenen Grüntönen im leuchtenden Brillenregal zu finden.

In der Vitrine sind drei Büsten ausgestellt. Sie repräsentieren Titanen der griechischen Mythologie. Die aktuelle Kollektion ist von ihren Namen inspiriert. Das Modell Okeanos, das nach dem stärksten Titanen und Herren des Ozeans benannt ist, thront in goldenen Farben auf dem Brillenregal.

Die „Titan“-Kollektion ist, wie der Name verrät aus dem wertvollen Titan-Metall gefertigt. Im Vergleich zum Großteil der auf dem Markt erhältlichen Brillen verwenden Thomas Bischoff und Rudi Stein keinen Edelstahl, sondern das leichtere und widerstandsfähigere Titan. Durch die Verarbeitung des Metalls sind die Brillen leichter als herkömmliche Gestelle und angenehm zu tragen. Eine spezielle Oberflächenbehandlung und handgefertigte Verläufe von matt zu poliert gehören zur aufwendigen Verarbeitung der Brillen.

Vielsagend wie die Namen der Arbeiten im Brillenlabor ist der Name des Labels „Whiteout and Glare“. Das meteorologische Phänomen „Whiteout“ inspirierte Bischoff und Stein. Bei schneebedecktem Boden und gedämpftem Sonnenlicht entsteht eine Helligkeit, die für den Betrachter das Verschwinden des Horizontes zur Folge hat. Boden und Himmel gehen nahtlos ineinander über. Klingt schön. Ist aber auch der Schrecken jedes Skifahrers im Hochgebirge. Der zweite Teil des Namens - „Glare“, glänzen - steht für jenen Glamour, den diese Brillengestelle nach Ansicht der Chefs ausstrahlen.

Bei den Meerestieren

Nicht nur Korrekturbrillen werden hier angeboten, auch Sonnenbrillen gibt es. Ebenfalls mit bedeutsamen Namen. Die Kollektion „Reef“ etwa stellt eine Verbindung zur Natur her. Jedes Modell gehört zu einer bedrohten Tierart der Korallenriffe. Insgesamt sind 32 Arten repräsentiert. Der pazifische Rotfeuerfisch Pterois Volitans beispielsweise. Eine schicke rote Brille trägt den Namen des laut ausgestellter Schautafel 40 Zentimeter langen, mit weißen und rostroten Streifen verzierten Wasserwesens. Durch den Kauf einer Brille des Sortiments werden Stiftungen, die sich für den Tierartenschutz engagieren, unterstützt.

Von der Sonnenbrille bis zur Korrekturbrille: Was für Bischoff und Stein zählt, sind die Details. So entstehen alltagstaugliche Lieblingsstücke. Die Qualität sollen nun auch neue Kunden in den USA kennen lernen. Mit ihrer Kollektion aus Berlin sind die Brillenerfinder aus Mitte vom morgigen Mittwoch an zum Netzwerken in New York.

Whiteout and Glare, Rosa-Luxemburg-Straße 49, Mitte, Tel. (030) 36 44 61 51, geöffnet Mo.-Fr. 9-18 Uhr, Sbd. 12.30-18 Uhr