In Kaulsdorf haben mehrere Hundert Menschen am Sonnabend Abschied von der 18-jährigen Abiturientin Hanna K. genommen. Die ergreifende und zugleich würdevolle Trauerfeier fand in der bis zum letzten Platz gefüllten Jesuskirche der evangelischen Kirchengemeinde an der Dorfstraße statt. An der Zeremonie hatten neben den Familienangehörigen auch zahlreiche Freunde, Bekannte und Nachbarn sowie viele Mitschüler des Mädchens teilgenommen.
Etliche Trauernde, die in dem Gotteshaus keinen Platz gefunden hatten, konnten die Feier zumindest akustisch mitverfolgen. Die Andacht wurde per Lautsprecher auf das Außengelände übertragen. Die 18-Jährige war, wie berichtet, in der Nacht zum Sonnabend voriger Woche nach dem Besuch einer Feier auf dem Heimweg unweit ihres Elternhauses einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen.
Der von Pastorin Steffi Jawer geleitete Trauergottesdienst hatte gegen 9.30 Uhr begonnen. Hannas heller Holzsarg war mit cremefarbenen Gerbera geschmückt. Rundherum lagen Kränze, Sträuße und einzelne Blumen. Kompositionen von Georg Philipp Telemann und Johann Sebastian Bach erklangen, der Gemeindechor, dem Hanna angehört hatte, sang mehrere Lieder. Der Musiklehrer von Hanna trug der Trauergemeinde ein Stück vor.
Zu den bewegendsten Momenten zählte sicher das Verlesen eines Briefes von Hannas Vater an seine Tochter, die als Johanna getauft worden war, doch von allen nur Hanna genannt wurde. Darin kam zum Ausdruck, wie sehr die junge Frau von allen vermisst werden wird. Ein lebensfrohes Mädchen und eine fleißige Schülerin, die eben erst ihre Abiturprüfung abgelegt hatte und Medizin studieren wollte, mit dem Berufswunsch Gerichtsmedizinerin. Dafür habe Hanna in der Vergangenheit selbst an Urlaubstagen anatomische Bücher studiert.
Die Gemeindepastorin beschrieb die Verstorbene als lebensbejahend, sehr zielstrebig und doch zugleich warmherzig und sehr menschlich. Sie war musikalisch, hatte Querflöte und Klavier spielen gelernt. Was sie sich vorgenommen hatte, habe sie auch verwirklicht. Als Beispiel für Hannas Mitmenschlichkeit nannte die Seelsorgerin die Tatsache, dass sie sich mit Erreichen der Volljährigkeit nach dem 18. Geburtstag umgehend als Blutspenderin registrieren ließ. Auch der Psalm 77 wurde vorgetragen, im dem der ganze Schmerz und die unsägliche Trauer über den frühen Tod der jungen Frau anrührend zum Ausdruck kam.
Hannas Eltern führten den Trauerzug an
Nach mehr als einer Stunde ging es zum etwa 500 Meter entfernten Friedhof, wo Hanna beigesetzt wurde. Der Trauerzug wurde angeführt von Hannas Eltern, den Großeltern und der jüngeren Schwester, die einer schwarzen Limousine folgten, in dem sich der geschmückte Sarg befand. Die Beisetzung auf dem Friedhof erfolgte nach einer weiteren Andacht. An der Grabstelle steht ein schlichtes Holzkreuz mit dem Namen der Verstorbenen – geschmückt nur mit einer kleinen Engelsfigur. Davor legten die Trauernden ein wahres Meer von Blumensträußen, Gestecken und Kränzen nieder.
Für kommenden Mittwochnachmittag hat die Kirchengemeinde Kaulsdorf zu einer erneuten Gedenkandacht eingeladen, auf der Wiese zwischen dem U- und S-Bahnhof Kaulsdorf und der Dorfstraße. Dort war Hanna vor einer Woche von einem 30-Jährigen angegriffen worden, der sie bereits in Lichtenberg in der U-Bahn gesehen und danach verfolgt hatte. Nur wenige Stunden, nachdem die Polizei Bilder und Videoaufnahmen von Hannas mutmaßlichem Mörder veröffentlicht hatte, stellte sich David G. in einer Lichtenberger Polizeiwache. Nach stundenlangen Vernehmungen durch Kriminalbeamte hatte der arbeitslose Mann schließlich gestanden. „Der Beschuldigte hatte versucht, das Opfer zu vergewaltigen, und hat die 18-Jährige anschließend erwürgt“, gab die Staatsanwaltschaft erst nach dem Geständnis bekannt. Für den Fall seiner unverminderten Schuldfähigkeit erwartet den Mann eine langjährige Haftstrafe.




