Das Wetter an diesem Himmelfahrtstag ist mies, die Laune dafür umso besser. „Ich bin total froh, dass alles hier so bleibt, wie es ist“, sagt Isabel Bobek und schaut über das windgepeitschte Wiesenmeer auf dem Tempelhofer Feld. Die 41-Jährige hat den freien Tag dafür genutzt, mit der Familie auf dem ehemalige Flughafenareal Drachen steigen zu lassen. Nach dem gewonnenen Volksentscheid vom vergangenen Sonntag dürfen an den Rändern des Feldes nun keine Wohnungen, Gewerbeflächen, Kitas oder Schulen errichtet werden.
Das Pflanzen einzelner Bäume, mobile Fußballtore oder Ballfangnetze, Sitzgelegenheiten, Tische, Sonnenschirme und Papierkörbe oder auch Toilettenhäuschen und Spielgeräte für Kinder sind erlaubt, sofern nicht alles festbetoniert wird. Doch nachdem die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erklärt hat, „keinen Handlungsauftrag“ für die weitere Entwicklung des Feldes zu haben, stellt sich die Frage, wer für die weitere Planung zuständig sein soll.
Jahreskarte angeregt
„Es gibt doch im Umfeld zahlreiche Bürgerinitiativen, die könnten das sicher übernehmen“, regt Dyan Moksha an. Der 42-Jährige ist mit Isabel Bobek auf das Feld gekommen, „um diese grandiose Weite zu genießen“. Sie seien nicht generell gegen eine behutsame Bebauung an den Rändern des Feldes, sagen beide. „Aber ich denke, man sollte jetzt ein, zwei Jahre gründlich nachdenken, wie diese aussehen kann“, regt Bobek an. Gleiches gelte auch für die Parkmöblierung.
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Wenn es nach Ulla Münch und Ralf Damerow geht, könnte man auf die Parkmöblierung sogar ganz verzichten. Das Paar aus Tempelhof ist mit Rollskiern unterwegs und der Meinung, dass es auf dem Feld nicht an Sitzgelegenheiten und Toiletten mangelt. „Die findet man ja durchaus an den Rändern des Feldes“, so Damerow. Und Ulla Münch regt an, für die Pflege des Parks Eintritt zu verlangen. „Ich wäre durchaus bereit eine Jahreskarte zu kaufen, so ähnlich wie beim Südgelände am Priesterweg“, sagt die 43-Jährige. Auswärtige oder Leute, die nur selten auf das Feld kommen, seien doch sicher bereit, pro Besuch 50 Cent zu entrichten.
Bürger sollen weiter bestimmen
„Ganz ehrlich – ich bin froh, dass ich beim Volksentscheid nicht abstimmen durfte“, sagt dagegen Nick Friedl. Der Schauspieler aus Australien lebt seit einigen Monaten in Berlin. „2007 war ich schon mal hier, damals waren die Mietpreise günstiger und es war viel einfacher, eine Wohnung zu finden“, so der 40-Jährige. So sehr er das Grün und die Weite des Feldes genieße, sei doch nicht zu verkennen, dass Berlin dringend ein größeres Wohnungsangebot brauche.
Das Wichtigste sei aber, dass nun alles, was auf dem Feld geschehe, von den Bürgern direkt und selbst entschieden werde. „Es gibt ja nun wahrlich genug Bürgerinitiativen rund um das Feld, die können sich mit der Frage auseinandersetzen, wie es weitergehen soll“, findet Joachim Berner, der mit seinem Lenkdrachen aufs Feld gekommen ist, „der Senat soll sich da raushalten“.





