Flughafengelände

Trotz Bauverbot - Wie das Tempelhofer Feld genutzt werden soll

In Tempelhof bleibt nicht alles beim Alten: Der Volksentscheid gegen die Bebauung des Flughafengeländes betrifft nicht die Nutzung und Modernisierung der Bauwerke. In den Gebäuden tut sich Einiges.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Man denkt an Biogemüse, nicht an Design, wenn von regionalen Produkten aus Brandenburg die Rede ist. Es ist also die größte Überraschung der Designmesse DMY in diesem Jahr, dass sich das Bundesland mit dem Titel „Based in Brandenburg“ prominent zwischen rund 500 renommierten Designern aus aller Welt präsentieren darf.

„Social Design“ lautet das Schlagwort, wie beim Biogemüse geht es auch hier um Nachhaltigkeit. So sucht Designerin Karina Wendt für die Baruther Glashütte nach Deckeln von alten Porzellandosen, um in Handarbeit ein neues Gefäß zum alten Deckel herzustellen. Wichtig ist, dass die originale Dose tatsächlich verschollen ist. „Ein historisches Ensemble würde ich nie auseinanderreißen“, sagt Wendt.

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Design mit Seele also, solche Ideen aus Brandenburg sind es, die auch neben den Produkten von Stardesignern bestehen. Vom heutigen Mittwoch an bis einschließlich 1. Juni können sich Besucher auf rund 12.000 Quadratmetern im Hangar des ehemaligen Tempelhofer Flughafens die neuesten Trends aus Produkt- und Kommunikationsdesign anschauen. Darunter ein Drucker, der mit Farbstoffen aus Seealgen funktioniert, die laufend nachwachsen. Erstmals werden Einzelstücke auch direkt vor Ort verkauft. Für Fachleute gibt es Workshops und Diskussionsrunden. Weitere Informationen zum Programm unter dmy-berlin.com.

Das größte Designfestival Deutschlands ist nur eine von vielen Veranstaltungen im ehemaligen Flughafengebäude, das sich zur Event-Location entwickeln soll. Der Volksentscheid gegen eine Bebauung des Tempelhofer Feldes betrifft Nutzung und Modernisierung des Gebäudes nicht. In einem Papier der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ist von einer „kontinuierlichen Erweiterung der Vermietungen für Events“ die Rede.

Keine Zukunftspläne für das Flughafengebäude

Derzeit ist ein Team aus Hollywood vor Ort, hinter den Absperrungen am Platz der Luftbrücke laufen die Aufnahmen für den neuesten Blockbuster aus der Reihe „Tribute von Panem“ mit den US-Schauspielern Liam Hemsworth und Jennifer Lawrence. Offiziell bestätigt die Tempelhof Projekt GmbH die Dreharbeiten allerdings nicht. Man habe mit einer Produktionsfirma „Stillschweigen“ vereinbart, heißt es lediglich. Die „Bild“-Zeitung berichtet, dass die Drehs teilweise um vier Uhr morgens beginnen und dass der Platz der Luftbrücke mit Trümmerattrappen aus Styropor übersät sei. Passend zur Endzeitstimmung im Film.

Für das Flughafengebäude gibt es dagegen große Zukunftspläne. Rund 700.000 Besucher kamen im vergangenen Jahr zu 66 Veranstaltungen und 20 Filmterminen. Dieses Jahr sollen es mehr werden. Das Ziel ist klar: Mehr als 150 Millionen Euro wird alleine die Instandsetzung des riesigen Gebäudes kosten, weitere 50 Millionen Euro eine stückweise Modernisierung.

Möglichst viel davon soll langfristig wieder eingenommen werden. Am kommenden Wochenende öffnen die Hangars für den „Summer Rave“, zu dem im vergangenen Jahr mehr als 25.000 Besucher kamen. Im Juli folgt die Messe Bread and Butter, sie war im Jahr 2009 die erste Veranstaltung im Flughafen.

Weitere Projekte sind in Planung, darunter Sport- und Automessen. Im kommenden Jahr sollen Elektroautos der „Formula E“ über das Feld rasen. Bei der Tempelhof Projekt GmbH ist man sich sicher, dass dieser Wettbewerb nur nach Berlin kommt, weil das Flughafengebäude inzwischen international bekannt ist.