Kriminalität

Einbruchszahlen steigen in Steglitz-Zehlendorf am stärksten

2013 stiegen Kriminelle 11.566 Mal in Berliner Wohnungen und Häuser ein, 725 Mal weniger als im Jahr 2012. Doch der Südwesten verzeichnet den stärksten Anstieg an Einbrüchen im Vergleich zum Vorjahr.

Die Zahl der Einbrüche in Berlin bewegt sich weiterhin auf hohem Niveau. Stadtweit gingen die Delikte im vergangenen Jahr zwar zurück, in drei Bezirken gab es zum Teil aber deutliche Zunahmen.

Während in Steglitz-Zehlendorf, Charlottenburg-Wilmersdorf und Spandau die Zahl der Einbrüche insgesamt anstieg, gab es in Reinickendorf zwar insgesamt einen Rückgang der Zahlen, dafür aber mit 448 Einbrüchen in Villen und Einfamilienhäuser insgesamt 49 mehr als 2012.

Das geht aus der Antwort von Innensenator Frank Henkel (CDU) auf eine schriftliche Anfrage der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus hervor.

Laut einer Statistik wurden 2013 insgesamt 11.566 Einbrüche in Wohnungen, Einfamilienhäuser und Villen zur Anzeige gebracht, 725 Delikte weniger als 2012. Da waren es noch 12.291 sogenannte Wohnraumeinbrüche. 2013 suchten die Einbrecher 8971 Wohnungen und 2595 Villen und Einfamilienhäuser auf.

Mehr Einbrüche in drei Bezirken

Ein Blick auf die Zahlen verrät, dass in neun Bezirken die Einbrüche rückläufig waren, in drei Bezirken aber wieder mehr eingebrochen wurde. Am meisten wurde im vergangenen Jahr in Charlottenburg-Wilmersdorf eingebrochen, gefolgt von Mitte, wo die Zahlen aber rückläufig sind. Von 1695 auf 1497.

Der Zuwachs an Einbrüchen war in Steglitz-Zehlendorf am größten. Die Direktion 4, zuständig für den südwestlichen Bezirk, musste im vergangenen Jahr 1256 Einbruchsanzeigen zu Papier bringen, 295 mehr als noch 2012. Die Einbrecher wählten dort 571 Villen und Einfamilienhäuser aus sowie 685 Wohnungen.

„Unsere neue Strategie zeigt erste Erfolge. Die Zahl der Einbrüche ist auch in Berlin jahrelang stark angestiegen. Im vergangenen Jahr konnten wir die Zahl gegen den Bundestrend senken“, sagte Henkel. Der Innensenator spricht von einem Rückgang von 5,9 Prozent im Jahr 2013. „Dennoch haben wir noch einiges an Arbeit vor uns.“

Zusätzliche Ermittler

Nach Angaben des Innensenators habe man die Einbruchskommissariate mit zusätzlichen Ermittlungsgruppen ausgestattet. „Wir haben uns zudem bewusst entschieden, das Beratungsangebot der Polizei zum Einbruchsschutz wieder kostenlos zu machen. Die Vorgängerregierung hatte Gebühren für Vor-Ort-Besuche der polizeilichen Einbruchsexperten eingeführt.“

„Die gesunkenen Einbruchszahlen im Vergleich mit den Zahlen des Vorjahres können durchaus als Erfolg gesehen werden“, sagt Kerstin Philipp, Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin. „Es ist aber zu befürchten, dass dieser nur von kurzer Dauer sein wird oder aber die Zahlen in anderen Kriminalitätsbereichen dafür steigen werden.“ Die Landesbezirksvorsitzende der GdP sieht die Handlungsweise des Senats als typisches Beispiel. „Polizeikräfte werden gebündelt aus einem Bereich abgezogen, dann konzentriert für die Vermeidung und Aufklärung von Einbrüchen eingesetzt und so kann schließlich ein kurzer Erfolg aufgezeigt werden.“ Nur müsse man jetzt abwarten und sehen, wo in der Kriminalitätsstatistik die Zahlen dafür ansteigen. Sie vergleicht es mit einer zu kleinen Decke. „Wohin ich die Decke auch ziehe, irgendwo fehlt immer ein Stück.“ Dauerhafte Erfolge seien nun mal nur mit einem vernünftigen Personalansatz zu erreichen.

„Mit mehr Polizistinnen und Polizisten könnten wir den Kontroll- und Überwachungsdruck auf Berliner Straßen deutlich erhöhen“, sagte die Gewerkschafterin. „Und dies auch in den Randgebieten der Stadt, weil jede Bürgerin und jeder Bürger dieser Stadt ein Recht auf Sicherheit und Schutz vor Kriminalität hat.“ Als Beispiel für ein Randgebiet kann auch der Bezirk Reinickendorf aufgeführt werden. Dort sind die Wohnraumeinbrüche von insgesamt 986 auf nun 903 zurückgegangen, die Einbrüche in Villen und Einfamilienhäuser aber von 399 auf 448 gestiegen.

„Es ist schön und auch erfreulich, dass die Einbrüche insgesamt zurückgegangen sind und auch die Aufklärungsquote leicht gestiegen ist“, sagte Joschka Langenbrinck (SPD), Mitglied im Innenausschuss, „dennoch sind die Zahlen auch ernüchternd und können uns nicht zufriedenstellen.“ Der SPD-Abgeordnete hatte eine schriftliche Anfrage zum Thema Einbruchskriminalität in Berlin an den Senat gestellt. „Es sind doch häufig organisierte Banden, die eine Einbruchsschneise durch die Stadt schlagen“, sagte er. „Darauf müssen Polizei und Senat ihr Augenmerk richten.“

Aus der schriftlichen Anfrage geht auch hervor, dass Mieter und Eigentümer die Beratung durch die Fachleute der Polizei suchen. So haben sich die Beratungen zur Einbruchsprävention seit 2011 (3079) bis 2013 (5931) fast verdoppelt. „Mir war es wichtig, dass die Hemmschwelle zur Annahme des Angebotes niedriger wird. Denn gerade vor Einbrüchen kann man sich mit wenigen Kniffen effektiv schützen“, sagte der Innensenator. „Die Polizei kann hier sehr gute Tipps geben.“