Dreieinhalb Monate hat die Show gedauert. Und immer wieder hörten die Zuschauer diesen einen, besonders grausamen Satz: „Nur eine kann es werden. Nur eine kann Germany’s next Top Model werden.“ Und das natürlich von keiner geringeren als dem deutschen Vorzeige-Model Heidi Klum. Die inzwischen 40-jährige hatte sich für die neunte Staffel ihrer Show sogar Designer Wolfgang Joop ins Team geholt. Und da hat sie wieder einmal alles richtig gemacht. Denn der Wunderkind-Designer spielte in der Show durch seine ätherischen Auftritte und Bemerkungen den extravaganten Counterpart zu Heidi Klum.
Flügel-Walk und Live-Shooting
Viertel nach acht, zur besten Sendezeit, eröffnet eine leuchtende Eis-Marionette vor 15.000 Zuschauern in der Lanxess Arena in Köln die Show. Dann folgen die drei Mädchen, mit Stefanie Giesinger im Finale stehen Jolina Fust, 17 und Ivana Teklic, 18. Sie erinnern an unsichere Eisprinzessinen mit Flügeln, diese Flügelteile sollen wohl an eine Victorias-Secret-Show erinnern.
Später folgte das obligatorische Live-Shooting, der Live-Walk und noch einmal der Auftritt der letzten 20 Mädchen der Staffel. Ein wahrer Fremdschäm-Moment ist das Live-Shooting und man fragt sich als Zuschauer, warum machen die Verantwortlichen das? Die Mädchen posen künstlich und man sieht zur knappen Kleidung so viel Fleisch, das sogar bei diesen jungen Körpern auch mal unvorteilhaft aussieht. Die Aufgabe: 45 Sekunden mit einem Haarspray und einer Band performen. Das war fast lächerlich.
Der wahre Star des Abends ist aber Wolfgang Joop, der sogar Heidi Klum in puncto Outfit-Wechsel während der Show übertrifft. Heidi wechselt zwei Mal, Joop vier Mal. Und Heidis „Jungs“, neben Joop betritt Juror Thomas Hayo die Bühne – sie bekommen tosenden Applaus, werden gleich von der Chefin ermahnt: „Heute Abend geht es nicht um uns, sondern um die Mädchen.“
Früher Applaus für spätere Siegerin
Stimmt. Und eine bekommt schon am Anfang den meisten Applaus. Steffi, die spätere Siegerin. Und auch ihre Mama ist ganz stolz: „Ich bin so froh, dass meine kleine, jetzt so eine hübsche erwachsene Frau geworden ist.“
Während die britische Sängerin Rita Ora „I will never let you down“ singt, kommen die Finalistinnen in Plastikbällen auf die Bühne, „bubbles“ genannt. Auch dieser Auftritt ist wieder nicht so richtig elegant, sie staksen eher als dass sie schweben.
Da haben es die übrigen Mädchen aus der Staffel, die den Auftritt begleiten, besser. Allen voran die coole Aminata, ganz in weiß sieht sie aus wie ein Superstar.
Nachdem die drei Finalistinnen noch Eigenkreationen vorführen dürfen, – über Jolinas Outfit sagt Joop: „Badeanzug mit Duschvorhang“ – fällt auch bald die erste Entscheidung des Abends. Vorher verwechselt Joop noch mal kurz Ivana und Jolina und das nicht das erste Mal, aber Heidi ist ja dabei, um den schon älteren Herren zu korrigieren.
22.12 Uhr, Thomas Hayo findet Jolina bisher am besten. Ein merkwürdiger Moment entsteht als Wolfgang Joop nicht gleich sein Urteil abgibt. Dann lobt er Ivana. „Für ihre Intelligenz, für ihre Schönheit und für ihre Persönlichkeit.“ Steffi findet er „girl next door und charmant“. Jolina kann ihn nicht überzeugen, auch nicht mit ihren langen Beinen.
Nun, Ivana scheidet aus. Und Steffi weint das erste Mal an diesem Abend vor Glück, sie bleibt ja noch im Rennen.
Ivanas Freund trägt sie von der Bühne
Und dann folgt der süßeste Moment des Abends: Ivanas Freund hebt sie hoch und trägt sie von der Bühne. Einer, der sein Mädchen jetzt nach der Show nach Hause bringt. Und gleichzeitig damit sagt, für mich ist sie die Schönste!
Allerpeinlichster Moment des Abends. Die Plädoyers der Mädchen, warum sie Topmodel werden wollen. Die Langweilige, die blonde Jolina fängt an. Und wirkt wie ein Roboter, der spricht, aber doch menschlich aussieht. Eigentlich ein gefundenes Fressen für Steffi, die es besser macht. Aber auch im Grunde nichts anderes sagt, als dass sie Top-Model werden will und auch alle liebt.
Dann tritt noch Musiker Ed Sheeran auf. Dazu laufen die beiden letzten Mädchen der Show. In „Wunderkind“-Kleidern, designt von Wolfgang Joop. Endlich mal schöne Kleider. Das war es dann fast schon. Ach, noch ein Spruch von Herrn Joop: „Ein Model ist ein gut gebautes Kunstwerk.“ Sie trugen ja auch seine Kreationen.
Und dann um 23 Uhr war es dann so weit. Die Entscheidung fällt. Heidi verkündet es, Feuer und ein weinendes Mädchen. Zum Glück.




