Max Maulwurf hat es geahnt. Auf einem Infoplakat blickt das Maskottchen der Deutschen Bahn mit diabolischem Grinsen in die Kristallkugel: „Ich sehe in diesem Jahr viele Baustellen auf Ihrem Weg.“
Wie richtig er damit liegt, werden die Fahrgäste der Berliner S-Bahn jetzt zu spüren bekommen. Am Freitag beginnt die Bahn im gesamten Netz mit umfangreichen Bauarbeiten. Sie dauern bis in den Herbst hinein, es handelt sich überwiegend um Vollsperrungen. „Ich kann mich nicht erinnern, dass es schon mal so viele Baustellen auf einmal gab“, sagt Detlef Speier vom Fahrgastmarketing.
Am stärksten betroffen ist ausgerechnet die wichtigste Trasse. Auf der Stadtbahn werden in zwei Schritten 32 Kilometer Schienen erneuert und 20.000 Dübel gewechselt. Zunächst auf der Strecke zwischen Zoo und Friedrichstraße, anschließend in der anderen Richtung bis zum Ostbahnhof. Der Bahnhof Friedrichstraße als wichtiger Knotenpunkt bleibt so immerhin stets von einer Richtung aus erreichbar. Die S-Bahn bietet einen Schienenersatzverkehr und zusätzliche Regionalzüge an, dazu wurde mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) ein dichterer Takt bei der U2 vereinbart. Auch bei der U5 sollen zusätzliche Züge eingesetzt werden. Die Bahn empfiehlt aber, die Baustelle möglichst mit der Ringbahn zu umfahren.
Für das 17-Millionen-Euro-Projekt wurden zunächst vier Wochen veranschlagt. Weil die Dübelwechsel kurzfristig dazukamen, sind es nun sechs Wochen. Dadurch überschneiden sich die Arbeiten der Bahn am Hackeschen Markt mit denen der BVG, die dort Gleise der Tram erneuert. Beide Unternehmen bauen gern in den Sommerferien, die Fehlplanung der Bahn bedeutet eine unnötige zusätzliche Einschränkung für die Fahrgäste.
Auch die eigenen Maßnahmen der Bahn überschneiden sich zeitlich. Teilweise wird an bis zu drei Baustellen gleichzeitig gearbeitet. Was laut dem Unternehmen nicht zu vermeiden war, „die Termine sind so gut wie möglich abgestimmt“, sagt Jens Hebbe, Leiter der Betriebsplanung. Kein Zufall ist wohl, dass die Arbeiten an der Stadtbahn einen Tag nach dem Finale der Fußball-Weltmeisterschaft starten.
Sperrung der S1 im Juli
Neben der Stadtbahn ist der Norden stark betroffen. In Frohnau kommt es im Juli zu Weichenwechseln und der Erneuerung von 600 Metern Gleisen. Folge sind eine Teilsperrung der S1 sowie eine eingleisige Betriebsführung der S25. Wegen eines Schienenwechsels ist im August auch die S8 zwischen Hohen Neuendorf und Blankenburg gesperrt.
Zu kurzen Sperrungen kommt es im Ostteil Berlins. Darunter für fünf Tage auf einem Teil der S3, da am Ostkreuz ein neuer vorübergehender Bahnsteig eingerichtet wird. Weitere Vollsperrungen gibt es bei der S8 und S9 zwischen Treptower Park und Baumschulenweg sowie der S45 zwischen Neukölln und Baumschulenweg. Die künftige A100 unterquert dort die Strecke, deshalb müssen Hilfsbrücken gebaut werden. Wenn 2015 weitere Arbeiten anstehen, soll die Ringbahnstrecke dann zwischen Sonnenallee und Treptower Park umgelegt werden.
120 Millionen Euro eingeplant
Als Letztes ist die S7 im Südwesten dran. Pünktlich mit Ende der Stadtbahnsperrung sollen dort die Gleise zwischen Wannsee und Griebnitzsee erneuert werden. Wegen Brückenbauarbeiten sind die S7 und S1 zwischen Wannsee und Potsdam derzeit noch getauscht. Mit Ende aller Arbeiten soll die S7 dann wieder von und nach Potsdam verkehren. Bei dieser Entscheidung stützt sich die Bahn auf eine Fahrgastbefragung. Zudem gab sie bekannt, dass die größte Vollsperrung noch aussteht: Sie betrifft ab Anfang 2015 den Nord-Süd-Tunnel. Für viereinhalb Monate.
Insgesamt 120 Millionen Euro sind eingeplant. „Es ist viel Arbeit, keine Frage. Die Maßnahmen sind sehr anspruchsvoll“, sagt Hebbe, verweist aber auf eingerechnete Pufferzeiten. Unvorhergesehenes könne allerdings immer dazwischenkommen. Wie wahrscheinlich das ist, wagt nicht einmal Max Maulwurf vorherzusagen.




