Diese Fußball-Weltmeisterschaft ist kein Spaß für Frühaufsteher: 28 der 64 Spiele werden aufgrund der Zeitverschiebung in Brasilien von mindestens fünf Stunden erst um 22 Uhr oder sogar um Mitternacht im Fernsehen übertragen. Die Partien der Deutschen Nationalelf laufen zumindest in der Vorrunde zu verträglichere Zeiten, sie beginnen um 18 Uhr (gegen Portugal und USA) und 21 Uhr (gegen Ghana).

Einige Gewerkschafter haben nun gefordert, die Arbeit im Schichtdienst während des vom 12. Juni bis 13. Juli laufenden Turniers später beginnen zu lassen, damit Beschäftigte ausgeruht zur Arbeit kommen, berichtet „Bild“. „Ich finde, dass Arbeitgeber und Betriebsräte besprechen sollten, die Arbeitszeiten wenn möglich so zu gestalten, dass die Beschäftigten die WM-Spiele schauen können“, sagte Michael Vassiliades, Chef der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Auf Seiten der Arbeitgeber sprach sich auch ein Vertreter des CDU-Wirtschaftsrates, Wolfgang Steiger, dafür aus, dass „wir Chefs unseren Mitarbeitern bei Deutschland-Spielen entgegenkommen“.

Unter Berliner Unternehmen und Gewerkschaftern fällt das Echo nüchtern aus: Nach einer Umfrage der Morgenpost äußert sich bisher kein Unternehmen zu einer offiziellen Vereinbarung, die über bestehende Regelungen wie Gleitzeiten hinausgeht. Bei der Berliner Stadtreinigung (BSR) hieß es, es sei nicht geplant, die Anfangszeiten der Dienstschichten aufgrund der Fußball-Weltmeisterschaft nach hinten zu verschieben.

Viele Unternehmen wollen WM-Übertragung für Mitarbeiter ermöglichen

„Der Müll muss pünktlich abgeholt werden, und auch die Reinigung der Straßen muss zeitig beginnen“, sagte ein Sprecher. „So erwarten das auch die Berlinerinnen und Berliner von uns.“ Ähnliche Töne bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG): Das Unternehmen arbeite rund um die Uhr, es sei nicht möglich, Aufgaben zu verschieben. „Damit alle Züge fahren und alle Fußballfans rechtzeitig nach Hause kommen“, sagte ein Sprecher. Beim Dienstleister Dussmann Service hieß es: „Wenn ein Kunde um 7 Uhr morgens einen Caterer für ein Frühstück bestellt, muss das auch während der WM funktionieren.“

Die meisten Unternehmen kündigten jedoch an, dass sie Fernsehgeräte aufstellen wollen und die WM als „Event“ für die Mitarbeiter nutzen wollten. Der Sprecher des Deutschen Gewerkschaftsbundes Berlin-Brandenburg (DGB), Dieter Pienkny, sagte der Morgenpost: „Ich denke, jeder Firmenchef, der auf ein gedeihliches Arbeitsklima setzt, findet hier Lösungen.“ Zudem könnten Mitarbeiter Dienste tauschen und individuelle Lösungen aushandeln. Von einer betrieblichen Vereinbarung zur Weltmeisterschaft hat man beim Berliner DGB bisher jedenfalls nichts gehört.