Marianne Heuer aus Berlin-Reinickendorf hat einen Alptraum durchlebt. Seit dem Sommer 2013 war ihr Ehemann Wolfgang vergeblich von der Polizei gesucht worden. Bis zuletzt hatte Marianne Heuer gehofft, dass ihr in Hamburg verschwundener demenzkranker Mann irgendwann lebend wieder auftauchen würde.

Ihre Hoffnungen blieben unerfüllt, was bleibt, ist traurige Gewissheit, dass er tot ist. „Wenn irgendwann zwei Polizisten vor der Haustür stehen, weiß ich Bescheid“, hat Marianne Heuer schon vor Monaten gesagt. „Dann müsste ich damit rechnen, dass die Beamten mir die Todesnachricht überbringen.“ Daran glauben wollte die 64-Jährige nicht. Doch nun haben Gerichtsmediziner den Gesuchten zweifelsfrei identifiziert.

Wolfgang Heuer ist an einem Gewässer im Hamburger Stadtteil Billbrook tot aufgefunden worden, an der Uferböschung des Tidekanals. Der Leichnam wurde im Institut für Rechtsmedizin identifiziert.

Das dramatische Verschwinden des pensionierten Bauleiters hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Die Ehefrau des Vermissten war mehrfach in TV-Sendungen aufgetreten und hatte noch am 8. April in der Talkshow von Markus Lanz fest daran geglaubt, dass ihr in Hamburg geborener Ehemann noch lebe. Dass ihr Mann aber bereits fast vier Wochen zuvor mehr als acht Kilometer entfernt von dem Ort, wo er zuletzt gesehen wurde, tot aufgefunden wurde, wusste während der Fernsehsendung noch niemand.

Besuch in der Geburtsstadt

Wolfgang Heuer war am 18. Juni 2013 mit seiner Frau Marianne zu Besuch in dessen Geburtsstadt Hamburg. Das Ehepaar lebte jedoch seit langer Zeit im Reinickendorfer Stadtteil Lübars. Während einer Stadtrundfahrt am Nachmittag war der damals 68-Jährige plötzlich mitten in der Innenstadt aus dem Auto ausgestiegen, als seine Frau vor einer roten Ampel halten musste.

Der pensionierte Bauleiter litt bereits seit geraumer Zeit an der Alzheimer-Krankheit. Der 68-Jährige hatte auf der Altmannbrücke nahe dem Hauptbahnhof unerwartet die Beifahrertür des Familienautos geöffnet. Nur mit einem blauen T-Shirt, einer Jeans und weißen Badelatschen bekleidet war Heuer dann zur gegenüberliegenden Straßenseite gelaufen und in der Menschenmasse verschwunden. Marianne Heuer hatte keine Chance, ihrem Mann zu folgen. Sie war zwar kurz aus dem Wagen ausgestiegen, rief ihrem Mann noch hinterher, doch die Autofahrer hinter ihr hupten wie wild. Seitdem fehlte von Wolfgang Heuer jede Spur. Auch eine Suche der Hamburger Polizei mit Spürhunden, die wegen der sommerlichen Hitze nur abends eingesetzt werden konnten, brachte keinen Erfolg.

Wolfgang Heuer konnte sein Leben wegen starker Demenz nicht mehr ohne Hilfe führen. Seine Frau hatte ihn gepflegt und nach dem plötzlichen Verschwinden unermüdlich nach ihm gesucht. Insgesamt 4000 Plakate hatte die verzweifelte Ehefrau in Hamburg sowie in größeren Umlandgemeinden wie Ahrensburg, Norderstedt und Buxtehude verteilt – vorwiegend an Endhaltestellen von Bus- und Bahnlinien. Verwandte im Stadtteil Neugraben, wo Wolfgang Heuer Jahrzehnte früher aufgewachsen war, wurden in die Suche einbezogen. Ohne Erfolg. Auch ihr tagelanger Aufenthalt bei Obdachlosen im Stadtteil St. Georg, wo sie Bierdosen verteilte, brachte Marianne Heuer bei der Suche nach ihrem Mann nicht weiter. Ihre Kinder veröffentlichten mehrere Fotos des Vermissten auf Facebook. Der Demenzkranke war auch zuvor schon mehrmals weggelaufen, legte dabei bis zu 40 Kilometer am Tag zurück, konnte dann aber spätestens nach einigen Tagen wiedergefunden werden.

Aufruf bei Maischberger

Schließlich trat die heute 64-Jährige in der TV-Sendung „Menschen bei Maischberger“ der ARD vor einem Millionenpublikum auf und stellte den Vermisstenfall dar, zu dem es vorher und nachher kaum verwertbare Hinweise gab. Auch die Polizei hatte Suchmeldungen veröffentlicht und die Bevölkerung um Hilfe gebeten. Doch seit dem Tag seines Verschwindens ging im Verlauf von mehr als neun Monaten weder bei der Hamburger noch der Berliner Polizei auch nur ein Lebenszeichen von dem Vermissten ein, bestätigen Ermittler.

Am 13. März hatten Mitarbeiter einer Firma in Hamburg-Billbrook einen männlichen Leichnam an der Kanalböschung gefunden. Die genaue Todesursache konnten die Rechtsmediziner nach neun Monaten nicht mehr genau feststellen. Es liegen laut Polizei keine Hinweise auf Fremdeinwirkung vor. Die Ermittlungen seien damit abgeschlossen, heißt es.