Erkennungsmelodie

Wenn die "Tagesthemen" zum Melodram werden

Die ARD hat hat ihr Nachrichten-Studio modernisiert. Aber nicht nur das, auch die Fanfare der Sendungen wurde überarbeitet. Bei den „Tagesthemen“ geriet das allerdings etwas zu übermotiviert.

Man kann es auch ein bisschen übertreiben mit den Streichern und ihrem emotionalen Schmelz. Was bei der "Tagesschau" mit ihrer fanfarenhaften Erkennungsmelodie noch zeitlos ausgewogen wirkte, erschien bei den "Tagesthemen" um 23.15 Uhr nun plötzlich wie das Präludium zu einem Hollywoodmelodram.

Zu deutlich war hier vielleicht die musikalische Handschrift Henning Lohners zu spüren, der an der Seite der Produzentenlegende Hans Zimmer viele Blockbuster orchestriert hat – und nun eben eine Nachrichtensendung. Die wirkte in den ersten Sekunden, vielleicht auch wegen Thomas Roths etwas zu lang gebeugtem Kopf, nun plötzlich wie ihr eigenes Requiem.

Optisch ist es kühler geworden und nautisch-hanseatiascher. Nicht nur wegen der auf dem Boden verlegten Schiffsplanken, sondern auch wegen der dominanten Blautöne, die es bis in die Krawatte des Moderators schafften. Das änderte sich erst, als auf der gigantisch gewölbten, 17 Meter breiten Panoramaleinwand die geplante hellgelbe Fassade des Berliner Stadtschlosses erschien, vor der Roth sogleich sorgenvoll entlangschritt.

Noch 50 Millionen an Spendengeldern würden fehlen, informierte der Beitrag, sonst würden Elemente des barocken Zierrats nicht realisiert werden können. Das war für Eingeweihte keine echte Überraschung, sah aber zumindest in der Anmoderation ganz hübsch aus.

24 Millionen Euro investiert

Wenn es Nachrichten über die Nachrichten gibt, dann bewegt das die Nation. Zumal neuerdings, wo das Öffentlich-Rechtliche nicht mehr nur für Geräte, sondern für jeden Haushalt Gebühren einfordert. Deshalb haben die 24 Millionen Euro, die in das neue Design gesteckt wurden, für Gerede gesorgt – zumal sich die Erneuerungsarbeiten über einige Jahre hingezogen hatten und manch einer schon von einer kleinen Elbphilharmonie in Hamburg-Lokstedt gesprochen hatte.

Und so waren die Worte, die Thomas Roth vor dem kleinen Streichkonzert ganz am Ende wählte, durchaus auch im finanziellen Sinne zu verstehen: "Es ist nicht unser, es ist ihr Studio", sagte er. Genau so ist es.

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