Es ist eine Erfolgsgeschichte, wie man sie in Berlin selten hört: Seit Mitte 2012 wurden doppelt so viele Kita-Plätze gebaut wie geplant, und das ohne die vorgesehenen Kosten im Landeshaushalt zu überschreiten.
Allein aus dem Landesprogramm wurden 6900 neue Plätze gefördert, 3200 waren geplant. Rechnet man noch die Plätze hinzu, die die Träger aus eigener Kraft und aus Bundesmitteln geschaffen haben, sind es sogar mehr als 10.000 Plätze. Das teilte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Dienstag in einer Zwischenbilanz im Senat mit.
Im vergangenen Jahr entstanden die meisten Plätze in den Bezirken Lichtenberg, Treptow-Köpenick und Pankow.
Weniger erfreulich ist, dass trotz dieser enormen Anstrengung der geringe Puffer an freien Plätzen weiter kleiner wird. Derzeit gibt es laut Verwaltung noch 3000 unbelegte Plätze. Im Januar waren es noch fast 5000.
Das heißt, die Nachfrage wächst mindestens genauso schnell wie das Angebot. „Eine Überkapazität von 3000 Plätzen ist verdammt eng“, sagte Martin Hoyer, Sprecher des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Dachverband vieler freier Kitaträger. Wenn ein Geschwisterkind in zwei Monaten erwartet wird, sei der Platz beispielsweise nur auf dem Papier frei. Zudem nütze es wenig in Spandau Kapazitäten zu haben, wenn sie in Neukölln fehlen, so Hoyer.
Mehr Plätze benötigt als gedacht
Doch die Bildungsverwaltung bleibt vorerst bei ihren bisherigen Planungen. In 2014 sollen noch einmal 1500 neue Plätze aus dem Landesprogramm gefördert werden. Insgesamt acht Millionen Euro stehen dafür zur Verfügung, halb so viel wie 2013.
Mit welcher Geschwindigkeit der Ausbau 2015 weitergehen soll, darauf will sich die Senatsverwaltung noch nicht festlegen. Gut möglich ist, dass die bisherige Planung deutlich nach oben korrigiert werden muss. Denn schon jetzt übersteigt die zusätzliche Zahl an Kindern in den Einrichtungen die Prognosen der Senatsverwaltung. Schon im Juni 2013, also vor in Kraft treten des neuen Rechtsanspruches auf eine Kitabetreuung für Einjährige, wurden 1200 Plätze mehr benötigt, als ursprünglich prognostiziert.
Die aktuelle Betreuungsquote der Ein- bis Zweijährigen liegt bei 69 Prozent. Eine Quote, die Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) erst bis 2016 angepeilt hatte. Zudem wächst die Zahl der Kinder, die in Berlin leben. „Es ziehen nicht nur viele Familien nach Berlin, sondern viele Familien werden hier auch gegründet. In einigen Bezirken geht der Trend schon zum Drittkind“, sagte die Bildungssenatorin bei der Zwischenbilanz des Kitaausbauprogramms.
Kitagutschein per Post
Zudem wird der Zugang zur Kita vereinfacht, denn auch wenn die Kitapflicht vom Tisch ist, ist es doch das Wunschziel der SPD, möglichst alle Kinder in der vorschulischen Bildungseinrichtung zu fördern. Dafür werden bürokratische Hürden abgebaut. Ab sofort bekommen alle Eltern, deren Kinder drei Jahre alt werden und noch keine Kita besuchen, einen Brief vom Jugendamt mit einem vereinfachten Antrag auf einen Kitagutschein. Die Eltern müssen nur noch Name, Adresse und Geburtsdatum des Kindes eintragen und den Antrag zurück an die vorgegebene Adresse schicken. Darüber hinaus haben die Eltern jetzt die Möglichkeit online einen Kitagutschein zu beantragen. Und dann ist es die erklärte Absicht des Fraktionsvorsitzenden der SPD, Raed Saleh, ab 2016 die kostenfreie Kita auch für Kinder unter drei Jahren einzuführen.
„Die Senatsverwaltung muss auf die veränderte Situation reagieren, denn die Plätze die 2015 benötigt werden, müssen schon jetzt gebaut werden“, sagte Martin Hoyer vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. Auch Katrin Möller, jugendpolitische Sprecherin der Linksfraktion, fordert eine Aufstockung der Mittel für den Kitaausbau im aktuellen Haushalt. „Einen großen Teil beim bisherigen Ausbau haben freie Träger gestemmt, doch die sind jetzt an ihre Grenzen gelangt“, sagt Katrin Möller. Zudem dürfe die Qualität nicht auf der Strecke bleiben. Schon jetzt werde der vorgeschriebene Personalschlüssel fast nirgendwo eingehalten, weil Erzieher fehlen. Das sieht auch die CDU so. Statt die Gratis-Kita zu forcieren, sollten alle finanziellen Spielräume für eine Qualitätsoffensive in den Kitas eingesetzt werden. Dazu gehöre, das engagierte Personal besser fortzubilden und zu bezahlen, sagte Kai Wegner, Generalsekretär der CDU.





