Berliner Zoo

Gorilladame Fatou feiert mit Himbeeren auf Salzstangen

Unter den Gratulanten des zweitältesten Flachlandgorillas ist auch der neue Zoo- und Tierpark-Direktor Andreas Knieriem. Er will erlauben, dass Kinder im Tierpark mit Roller und Laufrad fahren dürfen.

Foto: Reto Klar

Dieser Geburtstag ist Chefsache: Am Sonntag hat Gorilladame Fatou im Zoo zu ihrem 57. Geburtstag eine große Torte bekommen – unter den „Gratulanten“ war auch Zoo-Direktor Andreas Knieriem. Der 48-Jährige hatte am 1. April 2014 seinen Posten als zoologischer und kaufmännischer Vorstand für Zoo und Tierpark angetreten und war am 4. April mit seiner Familie in eine Wohnung im Aquarium eingezogen. Flachlandgorilla Fatou dagegen lebt schon seit 1959 im Zoo und – seitdem 2009 ihre WG-Partnerin Gigi verstarb – alleine in einem Gehege. Obwohl die Feier nicht groß angekündigt worden war, versammelten sich viele Zoobesucher vor der Anlage und beobachteten, wie Reviertierpfleger Christian Aust eine autoreifengroße Torte aus Klebereis, Möhren und auf Salzstangen aufgespießte Himbeeren und Erdbeeren über den Rasen trug, vorsichtig nahe dem Publikum platzierte und das Areal verließ.

Dann kletterte Fatou nach draußen, bedächtig und unter den neugierigen Blicken der Orang-Utans im Nachbargehege und der Menschen auf der Terrasse des Bikinihauses. Den rechten Ellenbogen bewegte sie kaum. „Der ist fast steif“, sagte Knieriem. „Wir müssen zum Glück kaum Analgetika geben. Fatou sieht sehr scharf – das ist wichtig. Sie ist trotz ihres hohen Alters in einem guten gesundheitlichen Zustand.“ Knieriem ist promovierter Veterinär, er studierte mit Zoo-Tierarzt André Schüle aufmerksam das Bewegungsbild von Fatou, dem zweitältesten Gorillas der Welt. Der älteste ist auch ein Weibchen: Die 58-Jährige Colo lebt im Columbus Zoo in Ohio in den USA, wo sie geboren wurde.

Aus der Hafenkneipe nach Berlin

Anders Wildfang Fatou: Sie kam 1957 in Westafrika zur Welt, wurde von einem Matrosen nach Marseille mitgenommen, wo er mit ihr in einer Hafenkneipe bei der Wirtin seine Zeche beglich. Die Besitzerin meldete sich zwei Jahre später beim Berliner Zoo, und als sie im Mai 1959 in Tempelhof aus einem Flugzeug stieg, trug sie Fatou wie ein Geschenk im Arm – heute werden Gorillas in Kisten verschickt.

1974 brachte Fatou Dufte, den ersten in Berlin gezüchteten Gorilla zur Welt. Nun lebt sie in Nachbarschaft mit ihrer 29 Jahre alten Enkeltochter M‘penzi, die mit Djambala, Bibi und Silberrücken Ivo eine Gruppe bildet. „Fatou ist ein wichtiger tierischer Botschafter in unserem Zoo. In freier Wildbahn haben Wilderei, Krankheiten wie Ebola und die fortschreitende Zerstörung des Lebensraumes der Gorillas in den vergangenen 20 bis 25 Jahren zu einem dramatischen Rückgang dieser Spezies um etwa 60 Prozent geführt. Gorillas sind zu einer Leitart für die vom Aussterben bedrohten Tiere geworden“, sagte Knieriem.

Tierpark bald für Roller und Laufräder offen

Nachdem er Aust eine Weile bei der kommentierten Fütterung der Gorillas zugehört hatte, machte er sich auf den Weg in den Tierpark. Als klitzekleine Verbesserung wolle er dort „künftig erlauben, dass Kinder die weiten Wege auch mit einem Roller oder Laufrad bewältigen dürfen“.

Im Tierpark gibt es keine Menschenaffen zu sehen, aber drängende Probleme zu lösen. Die Einrichtung ist hochdefizitär. Einiges scheint liegen geblieben zu sein, nachdem das für Finanzen zuständige Zoo-Vorstandsmitglied Gabriele Thöne im vergangenen Jahr ihren Posten geräumt hatte – ihre Aufgaben hatte eigentlich der damalige Vorstand Bernhard Blaszkiewitz bis Ende März 2014 übernehmen sollen, den Knieriem abgelöst hat.

Der neue Chef will nun Klarheit gewinnen, in welcher genauen Situation sich beide Häuser befinden und dann die weitere Entwicklung sorgfältig planen. Dazu braucht er die Unterstützung der Politik, die das Geld zur Verfügung stellen müsste: mindestens zweistellige Millionenbeträge. In einem ersten Schritt auf diesem Weg wird am Dienstag der SPD-Fraktionschef Raed Saleh mit Knieriem beide Einrichtungen begehen. Saleh befürwortet die Idee der Berliner Bäderbetriebe, am Tierpark ein neues Erlebnisbad zu bauen.

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