Ein 36 Jahre alter Vater hat im Prozess um schwere Kindesmisshandlung absichtliche Gewalt bestritten. Er habe seinem Baby zwar lebensgefährliche Verletzungen zugefügt, aber nicht bewusst, erklärte der Mann am Mittwoch vor dem Berliner Landgericht.

Beim Wickeln und Anziehen des wenige Wochen alten Jungen habe er seine Kräfte falsch eingeschätzt, schilderte der Lagerist zu Beginn der Verhandlung. Er wurde bereits im November 2012 wegen eines weiteren Übergriffs auf das Kind zu knapp vier Jahren Haft verurteilt.

Die Staatsanwaltschaft geht dagegen davon aus, dass der Säugling in der Wohnung der Familie in Berlin-Köpenick massiv und mehrfach geschüttelt sowie mit Faustschlägen traktiert wurde – kurz nach der Geburt des Jungen im Februar 2012.

Der Säugling war sechs Wochen alt, als er im April 2012 mit diversen Knochenbrüchen am ganzen Körper und lebensgefährlichen Gehirn-Einblutungen auf eine Intensivstation kam. Mit neurologischen Langzeitschäden sei zu rechnen, diagnostizierten die Ärzte.

Im ersten Prozess war es um eine Misshandlung zu einem späteren Zeitpunkt gegangen, nach der der Junge auch im Krankenhaus behandelt werden musste. Auch in diesem Verfahren hatte der Vater eine Absicht bestritten. Die Richter gingen in ihrem Urteil aber davon aus, dass er sein Baby „mindestens zehn Mal extrem heftig schüttelte und ihn mit dem Kopf gegen die ungepolsterte Sofakante schlug“.

Im ersten Prozess sagte eine Rechtsmedizinerin, sie habe zahlreiche ältere Verletzungen festgestellt. Dies führte zum jetzigen Verfahren.

Die Verhandlung wird fortgesetzt.

dpa/sei