Berlin steht mit 61,6 Milliarden Euro in der Kreide. Immerhin ist es der früheren rot-roten und der aktuellen rot-schwarzen Koalition gelungen, den Schuldenberg der Stadt ein wenig abzutragen. Der negative Höhepunkt war 2011 erreicht, als die deutsche Hauptstadt mit knapp 63 Milliarden Euro verschuldet war.

Aber wer sind eigentlich die Gläubiger der Stadt, mit denen die Abteilung Finanzmanagement der Senatsverwaltung unter Leitung von Susanne Reichenbach Geschäfte macht? Wer leiht Berlin Geld? Wie lange laufen die Kredite, die das Haus des Finanzsenators Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) bedienen muss?

Diese Fragen trieben den jungen CDU-Abgeordneten Danny Freymark aus Lichtenberg um. Und zur Überraschung der altgedienten Finanzpolitiker erteilte Nußbaums Staatssekretärin Margaretha Sudhoff ziemlich detailliert Auskunft. Mehr als die Hälfte der Berliner Schulden werden an der Börse gehandelt, es ist also zu einem Stichtag nicht genau bekannt, wer die Wertpapiere gerade besitzt.

Aber mit mehr als 37 Milliarden Euro ist die Börse die wichtigste Geldquelle der Berliner Finanzexperten. Ins Ausland wagen sie sich selten vor. Keine halbe Milliarde der Wertpapiere laufen in anderen Währungen als dem heimischen Euro.

Milliarden Euro in Schuldscheinen

Wichtigste Gläubigergruppe der Stadt sind Versicherungsgesellschaften. Sie haben mehr als 7,5 Milliarden Euro in Schuldscheine der deutschen Hauptstadt investiert. Trotz magerer Rendite sind solche sicheren Anlagen bei staatlichen Stellen für Versicherer eine lohnende Anlage. Zweite wichtige Geldgeber sind sogenannte „Banken mit Sonderaufgaben“. Zu dieser Gruppe zählen laut Deutscher Bundesbank meist öffentliche Geldhäuser wie die KfW, aber auch die landeseigenen Förderbanken wie die Berliner IBB. Die Staatsbanker sind zusammen mit 5,4 Milliarden Euro in Berlin engagiert. Wie sich genau die Summen auf die einzelnen Gläubiger verteilen, kann die Staatssekretärin aus Vertraulichkeitsgründen nicht nennen.

Große Beiträge für Berlins Schulden-Portfolio leisten zudem die privaten Geschäftsbanken mit 2,5 Milliarden, die Landesbanken mit knapp zwei Milliarden und die Hypothekenbanken mit 1,9 Milliarden Euro. Die Sparkassen haben mit kaum 800 Millionen Euro vergleichsweise wenig Geld in Berliner Schuldscheinen angelegt. Auch Auslandsbanken sind mit 360 Millionen eher zurückhaltend, an Berlin Geld zu verleihen. Dabei sind aber auch Krankenkassen mit 192 Millionen und Bausparkassen mit 150 Millionen Euro.

Der Bund ist mit mehr als 840 Millionen Euro öffentlicher Darlehen als „Altverpflichtungen Berlins“ dabei. Das Geld, das sich Berlin leiht, ist derzeit so billig wie kaum jemals zuvor. Deswegen arbeiten Reichenbachs Leute verschärft daran, teurere alte Kredite in günstigere neue umzuwandeln. Wer Berlin für ein Jahr Geld leiht, bekommt dafür nur einen Minizins von 0,24 Prozent. Bei einer Laufzeit von fünf Jahren werden 1,03 Prozent pro Jahr fällig. Das ist trotz der relativ geringen Geldentwertung immer noch weniger als die Inflationsrate. Wer sein Geld für 20 Jahre als Kredit an Berlin gibt, wird mit einem Zins von 2,56 Prozent bezahlt.

Klage für höhere Bundeshilfe scheiterte

Es sind diese langfristig günstigen Konditionen, die politische Entscheidungen wie etwa den Rückkauf der Berliner Wasserbetriebe komplett auf Pump überhaupt möglich gemacht haben. Die Arbeit der Berliner Geldbesorger wird in den nächsten Jahren nicht nachlassen. Fast die Hälfte der gesamten Schuldensumme, nämlich 29,5 Milliarden Euro, sind in Darlehen mit Restlaufzeiten von unter vier Jahren gebunden. Diese Kredite noch in der Niedrigzinsphase abzulösen und neu auszuhandeln, kann die Stadt über Jahrzehnte finanziell entlasten. Für mehr als zehn Jahre sind 13,6 Milliarden Euro festgelegt. 17 Milliarden Euro werden in einer Frist zwischen vier und zehn Jahren fällig.

Die Darstellung der Staatssekretärin macht deutlich, wie stark Berlin in den vergangenen Jahren finanziell von den niedrigen Zinsen profitiert hat. Im Jahr 2005 musste der damalige Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) für 55 Milliarden Schulden noch 2,3 Milliarden Euro Zinsen aus seinem Etat von etwas mehr als 20 Milliarden Euro bezahlen. Diese Last stieg mit dem schnell auf mehr als 60 Milliarden anschwellenden Schuldenberg auf 2,46 Milliarden Euro 2007. Es lag auch an dieser Dynamik, dass Berlin 2003 vor das Bundesverfassungsgericht gezogen war. Doch mit ihrer Klage für höhere Bundeshilfe scheiterte die Stadt.