Es gibt Überraschungen beim 23. „Classic Open Air“ auf dem Gendarmenmarkt. Die Gruppe Silly mit Anna Loos wird erstmals auftreten. Auch für Gitarrist Uwe Hassbecker ist es eine Premiere unten auf dem Platz. 22 Mal hat er das Musikfestival hoch oben aus seiner Wohnung verfolgt.

Schauspielerin Nora Tschirner tritt mit der Gruppe Prag auf und singt Chansons. Sie habe noch nie vor so vielen Menschen auf der Bühne gestanden und Musik gemacht, sagte Veranstalter Gerhard Kämpfe. Er stellte das Programm am Donnerstag vor, gemeinsam mit einigen Künstlern. Musical-Sänger Lars Redlich, Bariton und Countertenor, wird einen Titel aus einem James-Bond-Film singen.

„Ein großer deutscher Jazz-Musiker, Till Brönner, kommt auf die Bühne“, kündigte Kämpfe an. Auch die elektronische Musik hält Einzug. Schiller alias Christopher von Deylen spielt zusammen mit den 60 Musikern des Symphonic Pop Orchestra. Seinen Titel „Sonne“ von 2012 werde „Der Graf“ mit ihm gemeinsam am 8. Juli zum ersten Mal live spielen, sagte der Künstler. Die Nachfrage nach Karten sei hoch, so Kämpfe. Fast 3000 Tickets seien schon verkauft. Von der kommenden Woche an werden Plakate und Werbeboards auf die Konzertreihe vom 3. bis 8. Juli aufmerksam machen.

Welche Titel die Band Silly bei der „First Night“ auf dem Gendarmenmarkt spielt, wollte Sängerin Anna Loos noch nicht verraten. „Es soll eine Überraschung sein“, sagte sie. „Wir werden auf jeden Fall mit dem Filmorchester Babelsberg spielen. Die Songs klingen anders, bei so einer Begleitung.“ Der zweite Konzertabend am 4. Juli heißt „Classic Ladies“. Sopranistin Anna Maria Kaufmann moderiert. „Es ist ein Frauenpower-Abend“, kündigte sie an. „Das wird auch Männer anziehen.“ Mehr als 20 Künstlerinnen treten auf. Sie werden, so Gerhard Kämpfe, „hoffentlich das Publikum zum Toben bringen“. Darunter sind Flamencotänzerinnen und die Band Venusbrass, die auch durch die Reihen der Zuschauer marschiert.

Some Handsome Hands: Sechshändig am Flügel

Drei Pianistinnen, Some Handsome Hands, spielen sechshändig. „Manchmal liegt eine oben auf dem Flügel, weil nicht genug Platz ist“, so Kämpfe. Sängerin Katharine Mehrling wird ihren Blues „Castrop-Rauxel“ singen, begleitet von der Elbland Philharmonie Sachsen. Moderatorin Kaufmann trägt den Song „America the Beautiful“ vor, weil der 4. Juli der Nationalfeiertag der USA ist.

Ganz klassisch bei „Classic Open Air“ wird der Abend des 5. Juli mit Instrumentalstücken der Wiener Klassik. Gespielt werden Mozart, Haydn und Beethoven – und auch Ausschnitte aus ihren Opern sind zu erleben. Dazu gibt es Feuer- und Lichtshows. „Bella Italia“ heißt das Konzert am Sonntag, den 6. Juli, mit den Sopranistinnen Eva Lind und Laura Nicorescu. Am Montag, den 7. Juli, spielt die Band Unheilig auf dem Gendarmenmarkt aktuelle und alte Hits, natürlich mit ihrem Frontmann „Der Graf“.

Die „First Night“ am 3. Juli wird fürs Fernsehen aufgezeichnet und etwa zwei Wochen später im RBB gezeigt. 2013 habe die Einschaltquote bei 8,5 Prozent gelegen, sagte Kämpfe, „was immens ist“. Die Proben für „Classic Open Air“ beginnen Ende Juni. Die Künstler werden per Shuttle zu den Orchestern gefahren, mit denen sie auftreten. Der komplizierte Zeitplan dafür muss noch ausgearbeitet werden.

Das Freiluft-Event ist mit Risiken behaftet. Es könne passieren, so Kämpfe, dass es während des Konzerts regnet, dass Künstler krank werden oder dass es Stress bei Proben oder mit Behörden gibt. Dennoch organisiert er auch das 23. „Classic Open Air“ mit Leidenschaft und Herzblut. Warum? „Für die Momente, wenn das Publikum tobt und applaudiert“, so der Veranstalter. „Dann gibt es eine seelische Gänsehaut. Dann wissen wir, dass es sinnvoll ist, was wir da treiben.“