China

Ausstellung in Berlin – Ai Weiwei hofft noch auf Ausreise

Der chinesische Regimekritiker und Künstler Ai Weiwei hat in Berlin viele Unterstützer. Da sein Pass eingezogen wurde, kann er nicht ausreisen. In der kommenden Woche wird seine Ausstellung eröffnet.

Foto: Stephan Scheuer / dpa

Kommt er oder kommt er nicht? Die Spannung steigt in der Kunstszene in Berlin. In der kommenden Woche eröffnet Ai Weiwei, Regimekritiker und Chinas bekanntester Künstler, seine größte Ausstellung überhaupt in der Hauptstadt. 18 Säle und den Lichthof wird er im Gropius-Bau bespielen. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) wird die Eröffnungsrede halten.

Die Frage ist, wird Ai Weiwei noch kurzfristig seinen Pass zurückerhalten? Bei seiner Verhaftung im Jahr 2011 wurde dieser von der Geheimpolizei konfisziert. Zurück ist er bis heute nicht. Erst vor drei Wochen beantragte Weiwei erneut das Dokument. Er scheint optimistisch: „Ich habe meinen Koffer bereits gepackt“, sagte er bei einem Interview mit dem ARD-Hörfunkstudio Peking. Und natürlich hofft er auf Unterstützung von der Kanzlerin.

„Freunde Ai Weiweis“ fordern Reisefreiheit

Es wäre hilfreich, wenn Angela Merkel seine Situation ansprochen hätte. Die internationale Gemeinschaft müsse Druck auf die Führung in Peking ausüben, das hat er immer wieder gesagt. Einige Mal schon hat er sich vor einer lebensgroßen Pappfigur der Kanzlerin fotografieren lassen, die Botschaft ist klar.

In der Hauptstadt erhält Weiwei viel Rückendeckung. Kürzlich gründete sich eine Initiative der „Freunde Ai Weiweis“, die sich für die „Reisefreiheit für Ai Weiwei“ einsetzen. Der offene Brief ging vergangene Woche an die Bundesregierung. Die Initiatoren forderten die Bundeskanzlerin auf, den Fall Ai Weiwei zum Gesprächsthema mit den Chinesen zu machen. Zu den Fürsprechern gehört auch Peter Raue, der für die juristische Seite zuständig ist. Im Februar reiste der Anwalt nach Peking, um sich ein Bild von den Vorwürfen der chinesischen Behörden zu machen. Sein Fazit: „Es gibt überhaupt kein rechtlich relevantes Verfahren gegen den Künstler, der Vorwurf der Steuerhinterziehung ist absurd, es gibt auch keinen Prozess.“

Peter Raue gab sich gestern gegenüber der Morgenpost zuversichtlich: „Wir haben die Sicherheit, dass Ai Weiwei auf der Agenda von Frau Merkel steht. Ich glaube, das ist auf ziemlich gutem Wege.“ Glaubt er an Weiweis kurzfristige Einreise zur Berliner Vernissage? Da kommt ein klares „Nein“.