Wegen des Ver.di-Warnstreiks an sieben deutschen Flughäfen an diesem Donnerstag streicht die Lufthansa fast 600 Flüge. Wie das Unternehmen mitteilte, seien nahezu alle innerdeutschen und europäischen Verbindungen in Frankfurt und München betroffen, die für den Zeitraum bis 14 Uhr vorgesehen gewesen wären. Flüge der Germanwings, Lufthansa Cityline, Eurowings und Air Dolomiti könnten voraussichtlich stattfinden. Lufthansa weist darauf hin, dass es allerdings auch dort zu Verspätungen oder einzelnen Annullierungen kommen könne. Auch die Langstreckenverbindungen von und nach Frankfurt und München seien betroffen.
Auch Flüge von und nach Berlin-Tegel sind betroffen. Allein 14 Flüge, die am Donnerstag in Tegel hätten starten sollen, wurden annulliert. Hinzukommen weitere 14 mit dem Zielflughafen Berlin aus Frankfurt und München.
Fluggäste werden gebeten, sich auf der Website des Unternehmens zu informieren. Dort gibt es auch eine Liste aller gestrichenen Flüge. Bei internationalen Flügen würde man versuchen, individuelle Lösungen zu finden, sagt Wolfgang Weber, Sprecher der Lufhansa Deutschland-Nordostm, der Berliner Morgenpost. „Im Einzelfall werden wir versuchen, den Flug über ein anderes Drehkreuz wie Zürich, Wien oder Brüssel umzubuchen.“
Reisende auf innerdeutschen Routen können nach Angaben des Sprechers am Check-In-Automat auf dem Flughafen oder im Internet auf der Seite der Lufthansa, das Flugticket kostenfrei gegen ein Bahnticket umtauschen. „In unserem Call-Center haben wir die Mitarbeiter auf ein Maximum aufgestockt, um alle Anfragen bearbeiten zu können.“
Die Nummer des Callcenters lautet: 069/86 799 799 beziehungsweise unter einer lokalen Rufnummer der Lufthansa.
Frankfurt will zusätzliches Personal einstellen
Der Flughafen in Frankfurt will angesichts des bevorstehenden Streiks zusätzliches Personal abstellen, um die Kunden zu informieren, wie ein Fraport-Sprecher erklärte. Der Flughafen Hannover schätzt nach Angaben einer Sprecherin die Streikbereitschaft in der Landeshauptstadt eher gering ein. Dennoch sei auch dort mit Verspätungen und Ausfällen zu rechnen.
Lufthansa kritisierte die Verdi-Streiktaktik. „Wie schon bei dem Warnstreik des Sicherheitspersonals in Frankfurt vor gut einem Monat nimmt Verdi bewusst in Kauf, dass unbeteiligte Menschen und Unternehmen zur Durchsetzung von Gewerkschaftsforderungen instrumentalisiert werden. Alleine bei der Lufthansa Gruppe entstehen zudem Millionenschäden, obwohl wir nicht Partei in dieser Tarifauseinandersetzung sind“, sagte Vorstandsmitglied Bettina Volkens.
„Flughäfen werden immer mehr zum öffentlichkeitswirksamen Schauplatz für Tarifauseinandersetzungen. Was früher eine absolute Ausnahme war, darf nicht zur Regel werden“, erklärte Ralph Beisel vom Flughafenverband ADV in Berlin.
Auch am Mittwoch setzten die Gewerkschaften ihre Warnstreiks in mehreren Bundesländern fort: Ver.di legte erneut große Teile des Nahverkehrs in Nordrhein-Westfalen lahm. „Wir haben eine annähernd hundertprozentige Streikbeteiligung“, sagte der Sprecher des Verdi-Bezirks NRW, Günter Isemeyer.
Auch Niedersachsen, Hessen und Baden-Württemberg waren betroffen. In vielen Städten blieben Busse und Bahnen in den Depots. Ver.di erwartete zu einer Kundgebung in Kassel mit dem Bundesvorsitzenden Frank Bsirske bis zu 5000 Teilnehmer.
Die Gewerkschaft will mit den Aktionen Druck vor der dritten Tarifverhandlungsrunde machen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer treffen sich vom kommenden Montag an in Potsdam. In der zweiten Runde hatte es zwar eine Annäherung in einzelnen Punkten, aber insgesamt keinen Durchbruch gegeben. Die Gewerkschaften fordern, dass die Einkommen der 2,1 Millionen Angestellten im Bund und in den Kommunen um einen Betrag von 100 Euro und dann zusätzlich um weitere 3,5 Prozent steigen. Die Arbeitgeber haben bislang kein Angebot vorgelegt.
mit dpa



