Künstler Gunter Demnig verlegt an diesem Montag ab 10.35 Uhr Stolpersteine auf dem Gehweg am Kurfürstendamm 177 und Kurfürstendamm 185. Drei für die Familie Dr. Hans Max Grünberg, Käte Grünberg und Ruth Clara Grünberg, denen 1933 die Flucht über Belgien, Spanien, die Schweiz und Italien nach Chile gelang. Am Kurfürstendamm 185 werden zwei Stolpersteine für Jacob Intrator und Rachel Intrator verlegt. Das Ehepaar konnte 1941 über Portugal und Kuba in die USA fliehen. Jacob Intrator starb am 14. April 1943, einen Tag nach der Ankunft in New York. Zur Verlegung der Stolpersteine wird die Enkelin Joanne Intrator aus den USA erwartet.
Am Kurfürstendamm lebten und arbeiteten nach Auskunft des Bezirksamtes Charlottenburg-Wilmersdorf Anfang der 30er-Jahre mehr als 600 jüdische Bürger. 287 von ihnen wurden deportiert und ermordet, 26 wählten den Freitod, um der Deportation zu entgehen. Etwa 320 von ihnen gelang die Flucht.
Bisher wurden am Kurfürstendamm 47 Stolpersteine für Deportierte verlegt. In Berlin wurden seit dem Jahr 1996 mehr als 5500 Stolpersteine ins Pflaster der Gehwege und Straßen eingelassen, davon 2236 in Charlottenburg-Wilmersdorf. Die Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf kümmert sich um das Gedenkprojekt und wird darin vom Bezirksamt unterstützt. Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) wird an der Stolperstein-Verlegung auf dem Kurfürstendamm teilnehmen.
Stolpersteinverlegungen auch für die Familie Radziejewski
Künstler Gunter Demnig stellt die Stolpersteine in Erinnerung an diejenigen her, die in der Zeit des Nationalsozialismus deportiert wurden. Die meisten von ihnen wurden von den Nationalsozialisten ermordet. Demnig versieht die Steine mit den Namen der Opfer und verlegt sie vor deren einstigen Wohnungen. Das Projekt hat sich inzwischen mit mehr als 40.000 Steinen in rund 820 deutschen und 200 ausländischen Städten zum weltweit größten dezentralen Mahnmal entwickelt.
Bereits um 9 Uhr werden am Montag auch fünf Stolpersteine in Schmargendorf vor dem Haus Friedrichshaller Straße 28 für die Familie Radziejewski verlegt. Sie wurden von der benachbarten Alt-Schmargendorf-Grundschule initiiert und gestiftet. Die Stolpersteine erinnern an die Eltern Alex und Antonie Radziejewski und ihre Kinder Rosemarie, Helga und Guido. Der Vater wurde 1896 in Miloslaw geboren, die Mutter 1902 in Berlin, Rosemarie 1928, Helga 1929 und Guido 1938 in Berlin. Alle fünf wurden am 29. Oktober 1942 nach Riga deportiert und dort ermordet. Die Kinder waren vier, zwölf und 14 Jahre alt, als sie ermordet wurden.
Die Schule verbindet die Verlegung mit einer Gedenkfeier und einem Projekttag, an dem die Schüler die historischen Hintergründe vermittelt bekommen. „Ich bin der Lehrerin, Frau Syll, dankbar, dass sie die Verlegung dieser Stolpersteine als Schulprojekt organisiert und damit den Schülerinnen und Schülern ein besonders bewegendes Anschauungsbeispiel für unsere Geschichte vermittelt“, sagt Schulstadträtin Elfi Jantzen (Grüne), die an der Verlegung teilnehmen wird. „Mit der Verlegung der Stolpersteine werden Erinnerungszeichen im öffentlichen Raum gesetzt, die auch Zeichen für die Verantwortung sind, die wir und unsere Kinder als Nachgeborene für diesen Teil der deutschen Geschichte tragen.“
Weitere Informationen im Internet: www.stolpersteine.charlottenburg-wilmersdorf.de
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