Der Aufsichtsrat der Berliner Universitätsklinik Charité hat das Geld von den Geheimkonten der wissenschaftlichen Fakultät vorerst blockiert und seiner Kontrolle unterworfen. Fakultätsleitung oder Charité-Gesamtvorstand dürfen die Mittel nur mit Zustimmung des Kontrollgremiums ausgeben.

Die Wirtschaftsprüfer, die das jenseits der offiziellen Buchführung laufende Finanzsystem entdeckt hatten, berichteten am Freitag den Aufsichtsräten über ihre Bemühungen, Licht in das Geflecht von mehr als 6000 unterschiedlichen Kostenstellen zu bringen. Nach Informationen aus Aufsichtsratskreisen gehen sie mittlerweile von einer Summe von 34 Millionen Euro aus, die die Fakultätsleitung aus den Overhead-Pauschalen für Forschungsprojekte gehortet und auch dem Charité-Vorstand um den Vorstandschef Karl Max Einhäupl verborgen hatte.

Die Wissenschaftler befürchteten, der Vorstand könnte diese Reserven nutzen, um damit ein drohendes negatives Jahresergebnis aufzubessern.

Wie Charité-Pressesprecher Uwe Dolderer allerdings am Abend mitteilte, habe der Aufsichtsrat beschlossen, die geparkten Forschungsmittel in Millionenhöhe nun auszugeben. Zudem habe das Gremium den Vorstand gebeten, einen Vorschlag zum künftigen Verfahren der Drittmittelbuchung und -verwendung vorzulegen. „Das neue Procedere soll vom bisherigen Verfahren abweichen und Transparenz innerhalb der Charité, gegenüber den Aufsichtsgremien und den Mittelgebern gewährleisten“, hieß es.

Prüfer wollen Reserve als Gewinn einbuchen

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts von Bilanz-Straftaten. Die Behörden warten aber auch auf die Ergebnisse der Tiefenprüfung, die Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) als Aufsichtsratsvorsitzende angeordnet hatte. Die Prüfer sollen nachvollziehen, wofür das Geld ausgegeben worden ist und wer das jeweils verantwortet hat. Dem Vernehmen nach wurde der Vorstand auch beauftragt, mögliche Sanktionen gegen den kaufmännischen Leiter der Fakultät zu prüfen.

Die Wirtschaftsprüfer hatten vorgeschlagen, die 34 Millionen Euro aus der Fakultätsreserve als Gewinn in den Jahresabschluss 2013 einzubuchen. Damit wäre das Plus der Charité von zunächst 1,6 Millionen Euro deutlich angestiegen.

jof