Nach einer brutalen Prügelattacke auf einen dunkelhäutigen Mann am Berliner Alexanderplatz sind zwei Männer zu jeweils drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. „Rassismus und nichts anderes war der Grund“, befanden die Richter am Dienstag. Die 23 und 34 Jahre alten Männer wurden der gefährlichen Körperverletzung schuldig gesprochen. Für einen von der Staatsanwaltschaft angenommenen Mordversuch sah das Berliner Landgericht keine Beweise. Die Anklage hatte Haftstrafen von bis zu fünf Jahren verlangt.
Das 48-jährige Opfer saß friedlich auf einer Parkbank am Neptunbrunnen, als es am 9. Juli 2013 plötzlich zum Angriff kam. Der jüngere Angeklagte habe den ihm unbekannten Mann mit portugiesischem Pass rassistisch beschimpft. „Ziel war es, ihn wegen seiner dunklen Hautfarbe herabzuwürdigen“, sagte Richter Thomas Groß.
Nachdem der 23-jährige Angreifer das Opfer zu Boden geschlagen hatte, habe sein Komplize, ein ebenfalls wohnungsloser Mann aus Polen, auf den wehrlosen Mann eingetreten. Mehrere Passanten hatten die Attacke bemerkt und sofort couragiert eingegriffen. Das Opfer erlitt Verletzungen im Gesicht und am Kopf. Für zwei Wochen war der Mann im Krankenhaus. Es seien aber keine „massivsten Tritte“ gewesen, hieß es weiter im Urteil. Eine Tötungsabsicht habe man im Prozess nicht nachweisen können.
Die beiden Obdachlosen waren laut Ermittlungen bei der spontanen Tat stark alkoholisiert. Das sei bei der Strafhöhe berücksichtigt worden, erklärte das Gericht. Die Angeklagten hätten aber bis in den vierwöchigen Prozess hinein ein „menschenverachtendes und rassistisches Denken offenbart“. Der 23-Jährige hatte eine Schlägerei zugegeben und auf eine Bewährungsstrafe gehofft. Der Ältere schwieg. Sein Verteidiger plädierte auf Freispruch.
dpa/jkw





