In seinem Zustand ist es eigentlich bemerkenswert, wie sprachmächtig er noch ist. Er hat inhaliert und inhaliert und wieder inhaliert. Nach fünf Tagen Dauerkifferei in einem holländischen Coffeeshop wird Jenke von Wilmsdorff gefragt, wie er seinen Zustand beschreiben würde. „Dumpf, wie in Watte gehüllt, träge, lustlos, müde“, sagt Jenke, „apathisch“, fügt er noch hinzu, erfüllt von „bleierner Schwere“, lediglich ein „stiller Beobachter“ sei er nur noch gewesen.

Der Journalist Jenke von Wilmsdorff hat für seinen Haussender RTL schon oft den eigenen Körper hingehalten - zunächst lediglich für eine Rubrik in der von Birgit Schrowange moderierten Sendung „Extra - Das RTL-Magazin“. Dort zeigte er unter anderem im Selbstversuch die Folgen wochenlanger Fehlernährung auf und fuhr auf einem afrikanischen Flüchtlingsboot mit nach Lampedusa. 2013 lief die Sendung dann in vier Folgen als eigenständiges Format und erzielte bemerkenswerte Quoten - etwa als sich Jenke im Selbstversuch dem Thema Alkoholmissbrauch näherte. Mit der gestrigen Folge der zweiten Staffel hat er an diese Zuschauererfolge anschließen können: In der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen holte er einen Marktanteil von 18,5 % - insgesamt 2,2 Millionen Menschen wollten ihm beim Kiffen zuschauen.

Gesundheitlich gravierende Auswirkungen

Vorher hatte er sich natürlich ärztlich gründlich durchchecken lassen - schließlich kann, wie Ärzte in der Sendung betonten, der regelmäßige und intensive Konsum von Cannabis gravierende Auswirkungen auf den Hirnstoffwechsel haben und auf die Dauer zu einer Abnahme der intellektuellen Kapazitäten führen. Die stellt sein Sohn Jannick auf fest, als er ihn in Haarlem besuchen kommt - und der Vater kaum in der Lage ist, den richtigen Bahnsteig zu finden. Die Blamage vor dem eigenen Sohn, noch dazu abgefilmt von Kameras: Jenke von Wilmsdorff geht wirklich dahin, wo es wehtut.

Die Sendung bemühte sich abseits des Selbstexperiments redlich, das Thema journalistisch umfassend zu beleuchten. Wir erfuhren, dass rund vier Millionen Deutsche regelmäßig kiffen – und viele davon nicht mehr loskommen. „Was es für mich einfach gefährlich macht, sind die negativen Begleiterscheinungen“, erzählt einer von ihnen, die Jenke in der Psychiatrie besucht. „Wie zum Beispiel, dass ich über die Jahre höchst vergesslich geworden bin. Dass ich sehr oft mit Motivationsproblemen zu kämpfen habe. Dass ich Probleme habe, die im Prinzip einer Depression gleichen.“

In Colorado ist der Konsum erlaubt

Dennoch wird die Debatte um die Legalisierung der Droge einigermaßen leidenschaftlich geführt - auch hierzulande. Im US-Bundesstaat Colorado, den Jenke ebenfalls aufsucht, ist der Konsum erlaubt, wird jedoch streng vom Staat kontrolliert. „Das Gesetz ist sehr eindeutig. In der Öffentlichkeit hat Cannabis nichts zu suchen. Es darf nicht auf der Straße oder im Park geraucht werden. Auch im Restaurant ist es tabu“, sagt Ashley Killroy, die Cannabis-Beauftragte der Stadt Denver. Dafür werden in privaten Bussen regelrechte Kiffer-Fahrten veranstaltet – völlig legal.

Davon kann in Deutschland momentan noch keine Rede sein: In Deutschland gehört der Cannabiswirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) gemäß Betäubungsmittelgesetz (BtMG) zu den nicht verkehrsfähigen Stoffen. Die Befürworter einer Legalisierung berufen sich auf die therapeutisch nachgewiesene Wirkung der Substanz: Der 43-Jährige Lars Scheimanns etwa, der am Tourette-Syndrom leidet. „Die Wirkung des Hanfes war so groß, dass ich am Anfang gar nicht über die Illegalität nachgedacht habe.“, sagt er Jenke ins Mikrofon.

Die Debatte wird also weitergehen - der Konsum für Jenke allerdings nicht. „Lahm und ausgelaugt mit kratziger Lunge“, fällt ihm zu seinem Zustand noch ein. Er hat fürs erste genug. In der nächsten Woche werden wir ihm dabei zusehen, wie er fünf Tage lang im Rollstuhl sitzt.