Abi geschafft, jetzt steigt die Party, das dachten Tausende Berliner Gymnasiasten, als sie endlich ihren begehrten Schulabschluss geschafft hatten. Doch statt rauschender Feste gab es für sie ein böses Erwachen mit Frust, Wut und Enttäuschung. Das Geld, dass Schulen und Schüler im Voraus an die Veranstaltungsagentur „Easy Abi“ gezahlt hatten, war im Nirgendwo verschwunden und die Partys fielen aus.

Drei Jahre liegt das schon zurück, aber erst stehen vier ehemalige Manager der Agentur vor Gericht. Die Männer im Alter zwischen 30 und 67 Jahren müssen sich vor einer Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts wegen Betrug, Untreue und Insolvenzverschleppung verantworten.

Insgesamt 360.000 Euro hatten Schüler von etwa 40 Berliner Schulen 2011 vor allem für die Durchführung von Abiturfeiern, aber auch für die Organisation von Klassenabschlussfahrten an „Easy Abi“ gezahlt. Doch die Summe wurde nicht für die bestellte Ausrichtung der Feiern verwendet, sondern innerhalb des Unternehmens verschoben. Und landete, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft schließlich auf Privatkonten zweier Manager.

Kompliziertes Geflecht von Zuständigkeiten und Verantwortung innerhalb der Firma

Bei dem verschobenen Geld soll es sich nach Erkenntnissen der Ermittler um das gesamte Firmenvermögen gehandelt haben. Die Folge: „Easy Abi“ war pleite und die Chancen der geprellten Schüler, wenigstens das eingezahlte Geld zurück zu bekommen, tendierten gegen Null.

Eine weitere herbe Enttäuschung mussten die Betroffenen ein Jahr nach den skandalösen Vorfällen hinnehmen. Die Betrugsermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Verantwortliche der Agentur wurden eingestellt. Ein kompliziertes Geflecht von Zuständigkeiten und Verantwortung innerhalb der Firma machte es der Anklagebehörde unmöglich, einen Schuldigen für die Betrügereien zu überführen.

Auch der am Montag begonnene Prozess dürfte diejenigen enttäuschen, die sich davon eine Chance auf die Rückerstattung der eingezahlten Gelder erhofften. Angeklagt ist nicht der Betrug an den Schülern, in dem Verfahren geht es ausschließlich um Vorgänge bei Easy Abi, die sich aus dem Skandal um die geplatzten Veranstaltungen im Jahr 2011 ergaben.

Zahlungsanweisung platzte

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft haben ergeben, dass die ursprünglichen Betreiber die Firma bereits im Mai 2011 für 400.000 Euro an Karl-Heinz R., 58 verkauft hatten. Zu dem Zeitpunkt waren die Vorauszahlungen der Schüler für die in Auftrag gegebenen Abiturfeiern bereits auf den Firmenkonten. Der neue Inhaber R. konnte oder wollte den vereinbarten Kaufpreis allerdings nicht bezahlen, eine von ihm an die Vorbesitzer übergebene Zahlungsanweisung über 996.000 US-Dollar erwies sich als gefälscht.

Daraufhin, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, sollen die Vorbesitzer den von R. eingesetzten neuen Geschäftsführer Rainer S. gedrängt haben, zur Begleichung des überfälligen Kaufpreises 360.000 Euro auf das Konto des Notars, der den Verkauf beurkundet hatte, zu überweisen. Von dort gelangte das Geld nach Überzeugung der Anklagebehörde auf Privatkonten der Betreiber. Bei der Summe handelte es sich um das gesamte Firmenvermögen von Easy Abi, die Pleite war damit besiegelt. und das Schicksal der Abiturfeiern auch.

Jetzt sitzen alle vier Männer in Moabit auf der Anklagebank. Ausführlich zu den Vorwürfen äußerte sich am Mittwoch, Rainer S. der das Geld an die Vorbesitzer überweisen hatte. Er habe nicht gewusst, dass es sich bei der Summe um Vorauszahlungen von Schülern gehandelt habe. Er fühle sich selbst von den beiden Mitangeklagten „arglistig getäuscht“, beteuerte S. Wo das Geld geblieben ist und ob die betroffenen Schüler noch eine Chance auf Rückzahlung haben, muss an den nächsten Verhandlungstagen geklärt werden. Der Prozess wird am Mittwoch kommender Woche fortgesetzt.

Der Skandal um die geplatzten Abiturfeiern ist noch ein Thema an Berliner Schulen und bei den Schülern.