Zu den etwa 1000 betrogenen Abiturienten der Agentur Easy Abi GmbH gehören auch 80 Schüler der Rudolf-Steiner-Schule in Zehlendorf. Ronja Joschko aus Steglitz und eine Mitschülerin hatten sich monatelang um die Organisation des Abi-Balls bemüht, der kommenden Sonnabend in Kreuzberg stattfinden sollte.

Wie die 19-Jährige Morgenpost Online berichtet, tauchten erste Probleme mit der dubiosen Eventagentur bereits Ende Mai auf. „Zu diesem Zeitpunkt glaubten wir, alles sei in bester Ordnung. Wir hatten Preise verglichen und uns für Easy Abi als Ausrichter entschieden.“ Dann meldete sich Ex-Geschäftsführer David H. bei der Waldorfschülerin und erklärte, der vorgesehene Gloria-Festsaal in Kreuzberg sei an diesem Tag irrtümlich doppelt vergeben worden. Eine Alternative müsse her, die Agentur werde dabei behilflich sein. „Das war der erste Schreck für uns“, sagt Ronja Joschko. „Zu diesem Zeitpunkt hatten wir in zwei Raten 7619 Euro überwiesen. In der Kalkulation waren das Saalpersonal, Wachdienst, Licht, Dekoration, ein Discjockey und die Gema-Anmeldung, die Saalmiete und eine Getränkepauschale enthalten.“ Und die Karten für 190 Schüler und Eltern waren von ihr auch bereits verkauft worden.

Dann begann urplötzlich die Zitterpartie um eine Ersatz-Location. Mit der Hilfe eines Auszubildenden der Agentur konnte dann kurzfristig ein Termin mit den Seeterrassen in Tegel vereinbart werden – bis die Betrugsserie ans Licht kam. „Wir sind fassungslos und total enttäuscht“, sagt Ronja Joschka.

Mit einem Kraftakt konnten die Waldorfschüler nun einen neuen Veranstaltungsort organisieren. „Wir werden in Friedrichshain feiern, in der Tanzschule Bobop“, erzählt die 19-Jährige. Es werde aber ein sehr schlichtes Fest werden.

Unterdessen hat der neue Eigentümer der Firma Easy Abi laut einem Medienbericht schwere Vorwürfe gegen die Vorbesitzer der Agentur erhoben und den Kaufvertrag wegen „arglistiger Täuschung“ angefochten. Das berichtet „Der Spiegel“ vorab. Der neue Eigentümer Rainer S. sagte dem Magazin, die Vorbesitzer hätten ihm hohe Verbindlichkeiten, fällige Provisionszahlungen und Verluste verschwiegen sowie falsche Angaben zu Renditen gemacht.

Der jetzige und der frühere Manager, die am Freitag in ihren Wohnungen verhaftet worden waren, sind wieder auf freiem Fuß. Der Haftbefehl wegen Untreue wurde am Sonnabend außer Vollzug gesetzt. Die Staatsanwaltschaft legte umgehend Beschwerde gegen die Entscheidung des Amtsgerichts ein. Die Haftverschonung sei angefochten worden, sagte Sprecher Martin Steltner.

kbe/pol