In der Nacht zu Dienstag haben an der Botschaft von Kambodscha in Pankow zwei Autos gebrannt. Das Botschafterehepaar und auch ein Mitarbeiter riefen laut Polizei gegen 4 Uhr am Morgen die Feuerwehr, weil auf dem Gelände an der Benjamin-Vogelsdorff-Straße ein BMW und ein Mercedes in Flammen standen. Auch der Carport und zwei Bäume fingen dabei offenbar Feuer. Die Autos brannten vollständig aus.
Der Staatsschutz des Landeskriminalamts habe den Brandort untersucht, ob als Hintergrund ein politisches Motiv in Frage komme, werde aber noch geprüft, sagte ein Polizeisprecher. Polizeilicher Objektschutz, wie bei manchen gefährdeten Botschaftsgebäuden üblich, sei in der Nacht nicht vor Ort gewesen. Am Dienstagvormittag haben Kriminaltechniker Spuren gesichert, Anwohner sollten befragt werden. Nachbarn berichteten am Dienstag davon, dass es vor kurzer Zeit Demonstrationen vor der Botschaft gegeben habe. In Kambodscha regt sich Protest gegen das Regime des seit fast 30 Jahren regierenden Premierministers Hun Sen. Die Botschaft wollte sich zu dem nächtlichen Vorfall nicht äußern.
Auch in Wittenau ermittelt der Staatsschutz wegen einer mutmaßlich politischen Autobrandstiftung. Unbekannte haben dort am frühen Dienstagmorgen einen VW Caddy eines Energieversorgungsunternehmens angezündet. Anwohner alarmierten gegen 3 Uhr die Feuerwehr. Die Flammen griffen an der Oranienburger Straße Ecke Göschenplatz auch auf ein neben dem Caddy geparktes Auto über und beschädigten es ebenfalls. Verletzt wurde niemand.
Nach dem Jahr 2011, als gerade vor der Berlinwahl Serien mit insgesamt mehr als 750 von Brandstiftern beschädigten Autos Berliner Polizei und Bundespolizei beschäftigten, hat sich die Lage beim Delikt Brandstiftung an Kfz deutlich entspannt. Dennoch: Die Fallzahl ist 2013 minimal wieder angestiegen. 249 Fälle zählte die Polizei, bei denen 290 Fahrzeuge direkt angegriffen wurden und 125 weitere Autos, die in der Nähe geparkt waren, durch die Brände ebenfalls beschädigt wurden. Im Vorjahr weist die Statistik 243 Fälle mit 297 direkt angezündeten Autos und 93 davon in Mitleidenschaft gezogenen auf.
Elf Tatverdächtige wurden von der Polizei ermittelt
Aus der Antwort auf eine Parlamentarische Anfrage des SPD-Abgeordneten Joschka Langenbrinck an Innensenator Frank Henkel (CDU) geht hervor, wie sich die Autobrände über die Stadt verteilen. Auffallend dabei: Während in der Innenstadt in Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow die Fallzahlen 2013 rückläufig waren, wurden in Randbezirken wie Marzahn-Hellersdorf, Steglitz-Zehlendorf oder Reinickendorf mehr Fälle gezählt. Absolut gesehen liegt Mitte mit 35 Fällen im vergangenen Jahr dennoch an der Spitze im Vergleich der Bezirke, mit 13 Fällen war Spandau von Autobränden am wenigsten betroffen.
Die Brandstifter zu fassen ist in der Regel schwierig. Laut Kriminalstatistik hat Brandstiftung insgesamt eine Aufklärungsquote von rund 20 Prozent. Laut der Antwort auf die Parlamentarische Anfrage wurden 2013 im Zusammenhang mit Autobrandstiftungen jedoch nur elf Personen ermittelt, denen die Brandstiftung an zwölf Wagen zur Last gelegt wird. Unter anderem seien vor einem Jahr zwei Jugendliche ermittelt worden, die in einer Nacht zwei Pkw und zwei Lkw angezündet haben. Laut Henkel werden ihnen auch zwei weitere Lkw-Brände vorgeworfen. Außerdem wird gegen sie wegen einer Brandserie in Hellersdorf ermittelt, bei der Brände in Treppenhäusern und an Containern gelegt wurden. Einer der beiden Jugendlichen sitze in Untersuchungshaft.
23 von 249 Fällen im Jahr 2013 gelten als politisch
Tatverdächtige, die aus politischer Motivation handelten, konnten dagegen laut Henkel nicht ermittelt werden. Laut Kriminalstatistik werden 23 der 249 Fälle im Jahr 2013 als politisch eingestuft, im Vorjahr waren es 24. Als Beweggründe der Täter gelten der Kampf gegen Gentrifizierung, Rassismus, Kapitalismus oder Atomenergie. Als Hintergründe nicht politisch motivierter Täter nannte Henkel Motive wie Vandalismus, Versicherungsbetrug, Beziehungstaten oder auch Frust, Neid und Geltungssucht.
Der Neuköllner SPD-Politiker Langenbrinck forderte den Innensenator am Dienstag auf, den Kampf gegen Autobrandstifter strikt fortzusetzen. Henkel hatte die massenhaften Autobrände 2011 im Wahlkampf als Motiv seiner Kampagne für mehr Sicherheit genutzt, nach der Wahl wurde er Innensenator. „Die Täter auf frischer Tat zu ertappen oder ihnen im Nachhinein auf die Spur zu kommen, ist leider schwer“, sagte Langenbrinck. „Innensenator Henkel darf nicht lockerlassen, es geht auch um Abschreckung, damit frustrierte Trittbrettfahrer verhindert werden.“


