Frauentag

Wie Frauen aus Berlin andere Frauen unterstützen

Internationaler Frauentag 2014: Heute geht es offiziell um die Rechte von Frauen. Die Berlinerinnen Maxie Matthiessen, Begzada Alatović und Sharon Adler kümmern sich jeden Tag um deren Anliegen.

Maxie Matthiessen: Mit der Firma „Ruby Cup“ für Mädchen in Kenia

von Annette Kuhn

Weltfrauentag? Zu diesem Tag, der seit fast 100 Jahren am 8. März begangen wird, fällt Maxie Matthiessen so einiges ein: „Mit ihm fördern wir die Solidarität zwischen Frauen, wir bauen Brücken, wollen Frauen stärken und unterstützen.“ Maxie Matthiessen ist eine von drei Berlinerinnen, die dieses Anliegen nicht nur am 8. März verfolgen, sondern eigentlich jeden Tag.

Ein ganzes Unternehmen hat sie mit diesem Anspruch aufgebaut. „Ruby Cup“ heißt das Produkt, das das Start-up herstellt. Ruby Cups sind kleine weiche Trichter aus medizinischem Silikon, die Frauen als Ersatz für Tampons oder Binden während der Menstruation verwenden können. Die Menstruationstasse ist nicht neu, aber hierzulande kaum bekannt. „Dabei ist sie doch viel billiger, nachhaltiger und gesünder“, sagt Maxie Matthiessen. Dabei hält sie einen kleinen cremefarbenen Beutel mit pinkfarbener Satinschleife und einer Rubin-Abbildung in die Höhe, in dem die Silikontasse verpackt wird. Der Rubin ist ihr wichtig, er wirke edel, führe den Ruby Cup und gleich das ganze Thema heraus aus der Tabu- und Schamzone.

Wenn es nach Maxie Matthiessen ginge, dann würden Frauen bald auf der ganzen Welt Menstruationstassen benutzen und damit eine Menge Geld und Müll sparen. „Etwa 12.000 Tampons benutzt eine Frau in ihrem Leben“, erklärt sie, in der gleichen Zeit würde sie nur etwa vier Tassen verbrauchen, weil diese eine Lebensdauer von etwa zehn Jahren haben. Aber die Deutschdänin denkt nicht nur an Ökologie und Nachhaltigkeit, sondern auch an Mädchen in Afrika. Die Ruby Cups sollen ihnen zu mehr Bildung verhelfen. „Binden und Tampons kann sich in Entwicklungsländern niemand leisten“, erzählt die 29-jährige Jungunternehmerin. Frauen behelfen sich mit Baumrinden, getrockneten Erdschollen oder alten Textilien.

Eine unsichere Methode. Daher bleiben die Mädchen aus Scham häufig der Schule fern, wenn sie ihre Regel haben. „Etwa 20 Prozent Schulzeit fehlt ihnen“, haben Matthiessens Recherchen ergeben. Ein Zustand, den sie nicht hinnehmen will und mit ihrem Unternehmen ändern will. „Ruby Cup“ ist Social Business, ein Wirtschaftsunternehmen mit sozialem Anspruch. Oder wie Maxie Matthiessen erklärt: „Wir wollen die Welt verändern durch wirtschaftliche Lösungen.“ Wer einen Ruby Cup für 27,95 Euro kauft, finanziert einen für ein Mädchen in Kenia.

Die Idee zu Ruby Cup kam Maxie Mathiessen während ihres Studiums an der Business School in Kopenhagen. Für ihre Abschlussarbeit erstellte sie zusammen mit zwei Kommilitoninnen, Veronica D’Souza und Julie Weigaard Kjaer, einen Businessplan, der nicht nur einen Preis erhielt, sondern für den sie auch ein Startkapital erhielten, um eine eigene Firma zu gründen. So gründeten die drei Ruby Cup zunächst in Kopenhagen. Schon bald zogen sie jedoch nach Nairobi, um vor Ort die Menstruationstassen zu vertreiben. Doch das Geschäft lief nicht. Die Mädchen und Frauen waren zwar begeistert, aber sie konnten sich die Cups nicht leisten, obwohl sie in Kenia unter dem Produktwert verkauft wurden.

Den drei Gründerinnen wurde klar: Sie müssen Frauen in Europa von den Menstruationstassen überzeugen und sie dort verkaufen, um dann mit den Einnahmen die Ruby Cups auch kostenlos in Afrika verteilen zu können. Ihre Vision: „Wir wollen bis 2020 einer Million Mädchen in Kenia geholfen haben“. Während ihre Mitstreiterinnen in Nairobi blieben, kam Maxie Matthiessen 2013 nach Berlin und zog ins Social Impact Lab in Berlin am Mariannenplatz, einem Gründerzentrum, das Start-ups mit sozialem Engagement fördert. Von dort treibt sie den Verkauf der Ruby Cups in Deutschland voran. „Das erfordert viel Überzeugungsarbeit“, sagt sie.

Begzada Alatović - Ein Garten für andere Gedanken

von Tanja Laninger

Begzada Alatović mag grün: Sie ist gern im Grünen, sie trägt einen grünen Cardigan. Ob sie Muslima sei, wurde sie wegen der Farbwahl einmal gefragt. Ja, ist sie. Und Bosnierin. Wichtig sind Religion und Nationalität ihr nicht. „Ich bin ein Mensch“, sagt die 52-Jährige. Und sie ist eine Frau – eine, die den Frauentag bewusst begeht. Das hat sie schon „vor dem Krieg“ getan, als Abgeordnete im Parlament in Sarajewo, wo sie ihre Region um Modriča vertrat. Gemeint ist der Bosnienkrieg, vor dem sie 1993 flüchtete.

Irgendwann führte sie ihr Weg zum Interkulturellen Garten Rosenduft im Park am Gleisdreieck. Dort in Kreuzberg kümmert sich Begzada Alatović für die Migrantenorganisation „südost Europa Kultur e.V.“ um andere Kriegsflüchtlinge. Mit ihnen wird sie am Frauentag in den Botanischen Garten fahren und einen Tag später im Interkulturellen Garten Rosenduft feiern. „Der Tag spricht für die Emanzipation der Frau. Deswegen halten wir ihn hoch.“

An die 40 Frauen – aus Bosnien und Herzegowina, aus der Nachbarschaft, aus Nigeria und Palästina – kommen zu unterschiedlichen Zeiten auf das 2000-Quadratmeter-Grundstück. Rosenstöcke ranken sich an Gittern empor. Dazwischen die Beete: Im südlichen Teil des Gartens, zu den Yorckbrücken hin, brummen Bienen um sieben Stöcke herum. Wer sich für den Interkulturellen Garten Rosenduft interessiert, kann mit Begzada Alatović eine Führung verabreden. Das Interesse ist groß, Frau Alatović hat in ihrem Büro des Vereins in der Großbeerenstraße 88 immer wieder Studentinnen zu Besuch, die über die Arbeit des Vereins schreiben.

Doch am liebsten ist sie draußen. „Die Frauen sind wie meine Familie. Sie bedeuten mir sehr viel. Der Garten ist Arbeitsplatz und Fluchtstätte. Der Krieg hat das Vertrauen in die Menschen zerstört. Aber in der Gruppe habe ich wieder Vertrauen gefasst“, sagt die 52-Jährige. Diese Erfahrung könnten die Frauen im Rosenduftgarten teilen. „Ich glaube, das Grün beruhigt. Der Garten bringt uns auf andere Gedanken. Wir können Lachen. Wir können frei atmen.“ >> mehr

Sharon Adler: Ein Magazin ohne Diättipps

von Britta Klar

Sharon Adler wirkt immer auf eine wunderbare Art in Eile und gleichzeitig nimmt sie sich in Ruhe Zeit für alles. Wie auch immer sie das schafft: Sie schafft es. Am 1. Februar feierte die Chefredakteurin und Gründerin von „Aviva-Berlin“ bereits den 14. Geburtstag ihres Onlinemagazins, das seine Themen breit gefächert hat: Kultur, Politik, Judentum, Veranstaltungstipps für Berlin, Buchrezensionen und Informationen für Mütter und Nichtmütter. „Eigentlich alles abseits von Diätwahn und Schminktipps“, sagt Sharon Adler. Rund 559.381 Klicks pro Monat erzielen die 51-Jährige und ihr rund 30-köpfiges, weibliches Aviva-Team damit. Die Seite wird täglich aktualisiert.

Im Moment ruft Sharon Adler auf ihrer Aviva-Seite muslimische und jüdische Mädchen und junge Frauen auf, sich an einem Medien- und Dialogprojekt zu beteiligen. Bei „Schalom Aleikum“ steht die Frage „Was verbindet und was trennt uns?“ im Mittelpunkt. Es geht in gegenseitigen Interviews um den Austausch miteinander. Die daraus entstehenden Artikel werden dann mit Unterstützung der Aviva-Redaktion auf der Homepage veröffentlicht. Genau um das, was dieses Projekt ausmacht, geht es bei Sharon Adler eigentlich immer: „Austausch kann vielfältige Formen annehmen, wichtig ist, dass wir einander kennenlernen und Lust haben, etwas über die andere Person und deren Alltagswelt zu erfahren und zu schreiben. Dabei kann sich auch der Blick auf eigene Haltungen und Denkmuster schärfen“, sagt Sharon Adler, die seit Herbst 2013 auch Vorstandsvorsitzende der Stiftung Zurückgeben ist. Die Stiftung fördert jüdische Frauen in Kunst und Wissenschaft.

Sharon Adler ist eine entspannte Feministin. Das trifft es irgendwie ganz gut. Für ihr Engagement für Frauen und immer auch mit Frauen, erhielt sie 2012 den „Berliner Frauenpreis“. Vorgeschlagen wurde sie von einer Freundin, Moderatorin Mo Asumang. Ihre Begründung damals: „Aviva-Berlin wurde von ihr allein am Küchentisch gegründet, allein aus ihrer Vision heraus, ein Online-Frauenmagazin zu etablieren, das es in dieser Form nicht gab und das auch heute noch einzigartig ist.“ 14 Jahre hat sie damit schon Erfolg. Das ist in der virtuellen Welt ein wahrlich biblisches Alter. Weiter begründete Mo Asumang: „Sie hat ein Medium gegründet, das sich an alle Frauen richtet, Frauen unterschiedlicher Kulturkreise, Religionen, sexueller Orientierung, Alter oder gesellschaftlichem Status.“

Für Sharon Adler ist es wichtig, dass bei ihr Frauen zu Wort kommen, die etwas zu sagen haben, die es geschafft haben – oder die es eben auch nicht geschafft haben, die tot und vergessen sind. Ihnen allen gibt sie mit Aviva eine Plattform. Darunter sind viele Jüdinnen, Sharon Adler selbst ist Jüdin. Ein jüdisches Magazin ist Aviva deshalb aber nicht. Das soll es auch gar nicht sein. „Ich möchte das aktuelle jüdische Leben in Berlin darstellen. Oftmals wird Judentum nur mit dem Holocaust in Verbindung gebracht“, sagt Adler.

Klischees mag sie eben gar nicht. Darum sei es auch immer wichtig, „Transparenz zu schaffen“, sagt die Mutter einer 18-jährigen Tochter. „Das wollen wir mit Aviva. Informieren mit schnellen und gut recherchierten Infos.“ Für alle Frauen, jeden Tag. Deswegen ist der Frauentag auch nicht wirklich ein besonderes Datum in ihrem Kalender. „Das klingt abgedroschen, aber so ist es nun einmal: Jeder Tag sollte Frauentag sein“, sagt Sharon Adler.