Tourismusmesse

Warum bei der ITB fast nichts ohne App geht

Seit Mittwoch ist die Internationale Tourismus Börse für Fachpublikum geöffnet. Dort werden die neusten Branchen-Trends diskutiert. Ganz vorne liegen Reise-Apps – sogar die Messe selbst hat eine.

Foto: (3) / Reto Klar

Wer am Wochenende auf die ITB geht, der kann natürlich in Ägypten (Halle 23) Strandurlaub simulieren oder mit Mexikanern (Halle 1.1) tanzen. Doch der interessanteste Stand, der liegt in Halle 2.1, eine Ebene unter Griechenland und Ungarn (2.2), neben Russland und den lustigen, laut lachenden Frauen der US-amerikanischen Nordküste. Dort sitzt Natalie Petrova, mit einem weißen Schleier auf dem Kopf an einer langen Theke. Fast niemand bleibt bei ihr stehen. Der Stand ist nicht gerade für Laufkundschaft geeignet, man muss schon wirklich dorthin wollen. Das Reiseziel, was die 30-Jährige anbietet, ist der „Rus Park“, eine mittelalterliche Stadt, die komplett nachgebaut wurde – mitten in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine.

Natalie Petrova sagt, dass sie nicht häufig angesprochen werde bei dieser ITB. „Das war im vergangenen Jahr deutlich mehr am ersten Tag.“ Aber wenn jemand vorbeikommt, dann häufig mit einer anderen Frage: Kennst du jemanden vom Maidan, dort, wo die Proteste gegen Janukowitsch begannen? „Ich war selbst ein paarmal dort“, sagt sie, „aber nur am Anfang, als es noch ruhiger war.“ Später sei sie in ihrem Stadtteil geblieben. „Heute kamen schon mehrere und sagten zu mir: Wir halten zu Euch.“

Dabei ist diese weltgrößte Tourismus-Messe dezidiert eine unpolitische und auf Wirtschaft konzentrierte Veranstaltung. Männer in teuren Sakkos und Damen in Hosenanzügen oder traditioneller Kluft versuchen, mit so vielen Partnern wie möglich zu reden, und wenn es nur für einen Kaffee ist. Es geht um globales Vernetzen, gerade jetzt, wo so viel Business in das Internet abgewandert ist. Das echte Treffen von Geschäftspartnern hat aber dadurch eher noch an Wert gewonnen. 10.147 Aussteller sind es in diesem Jahr aus 189 Ländern – das Messegelände ist komplett belegt. Nur dort, wo im vergangenen Jahr der Stand von Nordkorea stand (Halle 26), klafft noch eine Lücke.

ITB-Vortrag über „Dark Tourism“ in den Slums von Nairobi

Dafür war es indirekt in einem Vortrag vertreten. In Halle 7, ausgerechnet im Saal New York, sprach Ulrich Bexte über „Dark Tourism“, also die Reisen in Gegenden, in denen es Menschen schlecht geht, wie eben in den Slums von Nairobi, den Ruinen von Kabul oder Nordkorea. Sicherlich eines der spannendsten Podien auf der ITB – während im Nachbarraum „Sydney“ über das Vorgehen der Stadt Karlsruhe zur eigenen 300-Jahr-Feier gesprochen wurde. Wieder einen Saal weiter schildert ein Reiseveranstalter die neuesten Trends auf den Malediven und so weiter. Städte, Slums und Traumstrände, die Wünsche der Touristen werden immer ausgefeilter.

Doch es gibt Menschen, die auch komplexe Wünsche einfach erfüllen möchten. Zu ihnen gehört das Portal „Kayak“, das sich ebenfalls auf dieser ITB gestärkt vorstellt (Halle 5.3). Das Schweizer Startup mit Dependance in Berlin verbindet verschiedene Suchmaschinen zu einer einzigen und bietet dem Internetnutzer so eine Übersicht über Hotels, Reisen und Mietautos an. Das komplette Paket ist oft günstiger als einzeln gebucht – und nicht der Kunde zahlt die Provision an Kayak, sondern der Veranstalter. Eine Win-Win-Situation, deren einzige Anlaufhürde ist, dass sie gefunden werden muss bei all den Webseiten, die es inzwischen zum Thema Reisen gibt. „Noch vor vier Jahren“, sagt Julia Stadler Damisch von Kayak, „gab es nur einen Saal zu Online-Reisebuchungen.“ Heute seien es mindestens vier Säle.

ITB hat eigene App entwickelt

Das ist also einer der großen Trends auf dieser ITB, deshalb werben Stände mit einem App-Logo. So wie Taxi-Unternehmen oder Busreisen. Selbst die Bahn hat inzwischen eine App auf den Markt gebracht, um für den Nutzer das Reisen leichter zu machen: Qixxit. Auch die Messe Berlin hat für die ITB seit Jahren eine App, die laut Messechef Christian Göke in jedem Jahr verbessert wird. Sie soll das Finden von Kollegen erleichtern und die Orientierung im Dschungel der Länder und Reiseanbietern – wie den Stand von Baden-Württemberg (6.2B). Am Mittwoch hielt sich nachhaltig das Gerücht, dass es dort eine Portion Spaghettieis gebe, weil dieses Eis 45 Jahre Bestehen feiert.

Ganz analog war da am Morgen des ersten Messetages noch der Rundgang des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD). Gleich zu Beginn, bevor er Iran (Halle 21) und Finnland (Halle 18) besuchte, ging er in die Berlin-Hallen (12). Wo 2013 noch der BER eine stolze Halle aufgebaut hatte (13), ist jetzt eine „25 Jahre Mauer“-Installation zu sehen. Sie zeigt, wie es aussehen könnte, wenn am 9. November von der Bornholmer Straße über den Checkpoint Charlie bis zur Oberbaumbrücke Heliumballons in die Höhe steigen. „Bei gutem Wetter“, sagt Christian Tänzler von Visit Berlin, „kann man die sicher vom Weltall aus sehen.“ Er meint das nur halb im Scherz. Die anderen drei Themen, die Berlin in diesem Jahr herausstell will, sind: Sport (kann auch ausprobiert werden), Barrierefreiheit und „Tempelhof“. „Darum beneiden uns Paris und London“, sagt Tänzler und meint die riesige Grünfläche. „Diese Art von Freiheit gibt es nur in Berlin.“