Der 25. Jahrestag des Mauerfalls und die David-Bowie-Retrospektive im Martin-Gropius-Bau sind die touristischen Höhepunkte dieses Jahres. „Das Interesse weltweit dafür ist enorm“, sagte Berlins oberster Touristenmanager und Geschäftsführer von Visit Berlin, Burkhard Kieker. Sichtbarer Höhepunkt des Mauerfall-Jubiläums wird eine zwölf Kilometer lange Kette mit leuchtenden Heliumballons am ehemaligen Verlauf der Mauer zwischen Bornholmer Straße und Treptower Park sein. Bei entsprechendem Wetter werde die Lichterkette mit bloßem Auge vom Mond aus zu sehen sein, so Kieker. Der Fall der Mauer jährt sich am 9. November zum 25. Mal.

Auch von der Bowie-Retrospektive erwartet Kieker einen weiteren Schub für den Tourismus in der Stadt. Von 20. Mai bis 10. August wird die Ausstellung des Victoria and Albert Museum in London im Martin-Gropius-Bau zu sehen sein. Die multimedial inszenierte Ausstellung zeigt rund 300 Objekte aus dem Leben des schillernden Musikers, darunter handschriftliche Texte, Originalkostüme, Setdesigns und Bowies eigene Instrumente. „Die Ausstellung David Bowie ist für Berlin ein Highlight“, sagte Kieker am Donnerstag anlässlich der Vorstellung der aktuellen Tourismusbilanz.

Berlin-Werber erwarten wieder neue Rekorde

Nach der Premiere in London und Stationen in Toronto und São Paulo ist die Berliner Etappe aufgrund der engen Verbundenheit Bowies mit der Stadt ein Höhepunkt der internationalen Ausstellungstournee. „Die Berliner Jahre 1976 bis 1978 gehören zu Bowies musikalisch produktivsten.“ In London verzeichneten die Organisatoren 312.000 Besucher in den ersten sechs Monaten, davon viele Touristen. In Berlin machten Gäste der Stadt zwei Drittel der Besucher der MoMa-Ausstellung (2004) und die Hälfte beim Gastspiel des Metropolitan Museum of Art (2007) aus.

Nach zehn Rekordjahren in Folge erwarten die Berlin-Werber deshalb auch in diesem Jahr neue Rekordzahlen für den Tourismus in der Hauptstadt, wenn auch nicht mit zweistelligen Wachstumsraten wie in den vergangenen Jahren. Bei einem moderaten Wachstum von fünf Prozent pro Jahr erwarten die Berliner Hotels in fünf Jahren 35 Millionen Übernachtungen. Derzeit verbringen 11,3 Millionen Gäste insgesamt 26,9 Millionen Nächte in der Stadt.

Berlin ist als Kongressstadt beliebt

Sieben Millionen (57 Prozent) Besuchern aus Deutschland stehen 4,3 Millionen Gäste aus dem Ausland gegenüber (43 Prozent). Damit ist der Anteil der internationalen Gäste in der Stadt deutlich höher als in Deutschland gesamt (17 Prozent).

Den größten Zuwachs verzeichnen die Hotels und Pensionen bei Besuchern aus Polen (133.500; plus 18,5 Prozent), Russland (185.000; plus 13,7 Prozent) und England (450.600; plus 10,9 Prozent). Berlin verfügt über 786 Beherbergungsstätten mit insgesamt 132.600 Betten. Die durchschnittliche Auslastung beträgt 56 Prozent und lag damit höher als in den vergangenen zehn Jahren.

Auch als Kongressstadt ist Berlin beliebt – und laut Visit Berlin wird die Beliebtheit weiter steigen. Nach einem leichten Rückgang der Kongressbesucher wegen der Unsicherheit über die Zukunft des ICC sei die Stadt in den kommenden beiden Jahren wieder stärker gefragt. „Die Messeveranstalter freuen sich auf den CityCube“, sagte Kieker. Ab Mai ersetzt der Bau des Cubes das ICC als Messestandort und soll während der gesamten Sanierungszeit des umstrittenen Kongresszentrums für Veranstaltungen zur Verfügung stehen.

Comeback der City West

Die weitaus meisten Messebesucher kommen aus der Region (43 Prozent), 39 Prozent stammen aus den übrigen Bundesländern. Elf Prozent der Messebesucher kommen aus dem europäischen Ausland. Die wirtschaftlichen Auswirkungen, die sich für Berlin daraus ergeben, sind nach Angaben von Visit Berlin erheblich. Der zusätzliche Umsatz beträgt rund zwei Milliarden Euro.

Zu den Pluspunkten Berlins zähle auch die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten. So lege Berlin Wert darauf, attraktive Veranstaltungen auf das ganze Jahr zu verteilen. In den traditionell weniger besucherstarken Monaten wie Januar oder Februar finden in Berlin die Berlinale und die Grüne Woche statt, die Zehntausende Besucher in die Stadt ziehen. Auch über ein Sommerloch müssen die Berliner Hotels nicht klagen. In den Sommermonaten strömen vor allem ausländische Gäste in die Stadt.

Neben den Werbeeffekten aus dem Jahrestag des Mauerfalls und der David-Bowie-Restropektive setzt Visit Berlin beim Werben um Besucher aus aller Welt auch auf das Comeback der City West. Unter dem Motto: „Viel Neues in der City West“ wirbt das Unternehmen in diesem Jahr für das wiedererstarkende Zentrum rund um Kudamm und Tauentzien. Die Mischung zwischen Einkaufsstraße und dem Pariser Flair der Kudamm-Nebenstraßen ziehe bei Touristen und gebe der Vielfalt der Stadt eine weitere Facette, so Kieker.

„Romantik-Weihnachtsstadt“

Ein wichtiger Faktor dabei sind die Shoppingreisen nach Berlin in der Weihnachtszeit. Nach Einschätzung der Tourismusvermarkter hat sich Berlin längst zu einer „Romantik-Weihnachtsstadt“ entwickelt. Die Weihnachtsbeleuchtung sei nicht nur besonders schön, sondern auch einer der Punkte, die die City West weiter nach vorne brächten.

Die City West erlebt derzeit einen Bauboom, zahlreiche neue Gebäude entstehen, darunter auch Hotels wie das „Waldorf Astoria“ am Hardenbergplatz und das umgebaute Bikini-Haus. Gleichzeitig wollen Firmen und der Bezirk unter dem Motto „CW – Creative World“ Charlottenburg-Wilmersdorf als Standort für Unternehmen und Hochschulen positionieren und eine neue Willkommenskultur in der City West deutlich machen. Daneben entstehen zahlreiche neue Hotels rund um den Hauptbahnhof. Allein im vergangenen Jahr hat sich die Zahl der neuen Hotelbetten um 7000 erhöht.