Buchbesprechung

Sarrazin kritisiert „politische Korrektheit“ in Deutschland

Das neue Werk des umstrittenen Autors und Ex-Finanzsenators Sarrazin lotet die vermeintlichen Grenzen der Meinungsfreiheit aus – ein klischeehaftes Buch gegen die Windmühlen des „neuen Tugendterrors“.

Foto: Andreas Gebert / dpa

Thilo Sarrazin lotet in seinem neuen Buch angebliche Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland aus, die er durch einen „neuen Tugendterror“ bedroht sieht. Damit meint er eine Denkweise, die aus „politischer Korrektheit“ und einer Überbetonung des Gleichheitsgedankens all diejenigen mundtot machen will, die sich mit Unterschieden zwischen Menschen oder Personengruppen befassen und diese auch noch betonen. Er sieht ein Meinungskartell aus linken Medien und politischen Parteien am Werk.

Auf mehr als einem Drittel der mit Fußnoten fast 400 Seiten des Buches arbeitet Sarrazin seine Erlebnisse nach der Veröffentlichung seines umstrittenen, aber beim Publikum überaus erfolgreichen Buches „Deutschland schafft sich ab“ auf. Es folgen historisch-philosophische Betrachtungen zur Meinungsfreiheit und den Versuchen, diese einzuschränken.

Die Anfänge dieser Denkweise ordnet der Autor bereits den frühen Christen zu, die im Gegensatz zu den in Glaubensdingen sehr toleranten Römern auf einer absoluten Wahrheit beharrt hätten. Die Sprache als Instrument des „Tugendterrors“ wird ebenfalls beleuchtet, dabei geht es um die „geschlechtergerechte Sprache“ ebenso wie um das Tilgen bestimmter Begriffe aus Kinderbüchern.

14 reichlich klischeehafte Glaubenssätze

Um die Kernbotschaft seines Buches zu betonen, schlüpft Sarrazin im letzten Teil in die Rolle eines politisch-korrekten Über-Ichs und stellt 14 Glaubenssätze auf, die nach seiner Ansicht aus dem Tugendterror entsprungen sind. Diese Abschnitte heißen dann „Ungleichheit ist schlecht, Gleichheit ist gut“, „Der Islam ist eine Kultur des Friedens.

Er bereichert Deutschland und Europa“ oder „Das klassische Familienbild hat sich überlebt. Kinder brauchen nicht Vater und Mutter“. Diesen Axiomen, in denen Sarrazin reichlich klischeehaft alle möglichen Positionen überspitzt zusammen führt, stellt er „die Wirklichkeit“ entgegen. Und hier spricht wieder der echte Sarrazin, auch wenn er sich erkennbar Mühe gibt, weniger Anstoß zu erregen mit einer harten Sprache.

Thilo Sarrazin. Der neue Tugendterror. Über die Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland. DVA, 400 Seiten, 22,99 Euro