Die Clubkultur wird von den Berlinern insgesamt positiv bewertet. Das andauernde Lärm-Problem wird auch von Nicht-Clubgängern teilweise akzeptiert, wobei mangelnde Sicherheit und zu viele Menschen von Kritikern der Clubs als störend empfunden werden. Dies ist eines der Ergebnisse der Umfrage, die von „Pop im Kiez“ in Kooperation mit der Hochschule der populären Künste (hdpk) mit Sitz in Tiergarten durchgeführt wurde.
In den rund 300 Berliner Clubs genießen jedes Wochenende tausende Partygänger das vielfältige Musikangebot, für das die Hauptstadt weltweit berühmt ist. Durch zunehmende Bebauung, ökonomischen Druck und Anwohnerbeschwerden geraten diese Clubs immer mehr in Bedrängnis, viele mussten in den letzten Jahren schließen. Das im Herbst letzten Jahres gestartete und vom Senat geförderte Projekt „Pop im Kiez“ soll lärmgeplagte Anwohner und Clubbetreiber miteinander ins Gespräch bringen und Lösungen finden.
Die Erhebung, bei der zwischen August und Oktober 2013 rund 630 Berliner befragt wurden, war eine der ersten Maßnahmen. So wurden bei der Frage „Wenn ich an Musikclubs denke, denke ich an...“ negative Attribute wie „Betrunkene“, „Lärm“ oder „Schmutz“ erst an siebter Stelle nach positiven Faktoren wie „Spaß“, „Musik“ oder „Freunde treffen“ genannt.
Drogen, Steuereinnahmen oder fehlende Parkplätze
„Im Vordergrund stehen die individuellen Erlebnismöglichkeiten verbunden mit der sozialen Komponente eines gemeinsamen Erlebnisses“, sagte Forschungsleiter Professor Ulrich Wünsch von der hdpk. Die Nähe des eigenen Wohnortes zu einem Club hat keinen signifikanten Einfluss auf die Antworten. Hier hätte man vermuten können, dass Personen, die in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Club wohnen, sich eher durch Lärm oder Müll gestört fühlen. Dem sei aber eindeutig nicht so. „Möglicherweise sind dies Menschen, die sich bewusst für einen Kiez mit seinen Möglichkeiten, aber auch Unmöglichkeiten entschieden haben“, sagte Wünsch.
Beim Alter der Befragten gibt es deutliche Unterschiede: Die jüngeren Berliner bis 29 Jahre denken intensiver an „Drogen“, „Verdienstmöglichkeiten“, „Betrunkene“ und „tolle Musik“, während die Älteren ab 30 Jahre an die „Steuereinnahmen für Stadt und Bezirk“ denken, wie auch an „fehlende Parkplätze“. Es wurden auch Lösungen für das Spannungsverhältnis von Live-Musik und Nachbarschaft, Investoren und Stadtentwicklung vorgestellt. „Aufeinanderzugehen und kommunizieren kann nicht hoch genug bewertet werden, da es Akzeptanz und Anerkennung schafft und im Vorfeld Ärger vermeidet“, sagte Wünsch.
Katrin Schmidberger, Sprecherin für Clubkultur von den Grünen, gehen diese Vorschläge nicht weit genug. „Der Senat bleibt der Stadt eine Neuausrichtung der Liegenschaftspolitik schuldig. Wir wollen, dass alle wesentlichen Flächen für eine nachhaltige Entwicklung eingesetzt werden können.“





