Über Monate verging sich ein 38-jähriger Berliner an dem sechs Jahre alten Jungen seiner Cousine. Im Prozess wegen schweren sexuellen Missbrauchs legte der Angeklagte am Dienstag vor dem Berliner Landgericht ein Geständnis ab. „Die Vorwürfe stimmen, ich habe aber keine Erklärung für die Taten“, sagte der Mann. Vorher habe er sich nie sexuell zu Jungen hingezogen gefühlt. Alkohol und Drogen hätten eine große Rolle gespielt und ihn wohl enthemmt, sagte der bis dato unbescholtene Mann.

Dem Angeklagten werden fünf Übergriffe in der Zeit zwischen November 2012 und April 2013 zur Last gelegt. Jedes Mal übernachtete der Junge mit Zustimmung der Mutter bei dem Verwandten. Zuletzt waren der Angeklagte und seine Cousine Nachbarn in einem Mietshaus in Berlin-Hellersdorf. Bei allen Taten sei es zum Analverkehr gekommen.

Der Junge hatte sich im Mai seiner Mutter anvertraut. Als sie mit ihrem Sohn kuscheln wollte, habe er ihr erklärt, dass ihr Cousin auch mit ihm kuschle. „Aber anders, ich darf dir das nicht sagen“, schilderte sie. Als ihr klar wurde, was geschehen war, sei sie fassungslos gewesen.

Familie hielt den Angeklagten für einen freundlichen Weltenbummler

„Ich habe ihm das Beste, das ich habe, anvertraut“, sagte die Studentin. Ihr Cousin sei auch nie betrunken gewesen. „Alkohol und Drogen sind aus meiner Sicht eine Ausrede“, warf sie dem Angeklagten vor. Ihr Kind habe sich durch das Erlebte sehr verändert, sei in sich gekehrt und kaue an den Fingernägeln.

Die Cousine sagte, in der Familie habe man den Angeklagten für einen freundlichen Weltenbummler gehalten. Jahrelang habe er in Frankreich gelebt und sei als Schausteller auf Mittelaltermärkten tätig gewesen. Vor rund zwei Jahren sei er zurück nach Berlin gekommen. Als er von seinem neuen Arbeitgeber nicht bezahlt wurde und seine Wohnung verlor, habe sich die Familie um ihn gekümmert. Der Prozess wird voraussichtlich am Donnerstag fortgesetzt.

dpa/jkw