In Pankow gehen viele Kinder nur noch zu zweit oder in Begleitung der Eltern in die Schule. Der Grund: In jüngster Zeit wurden hier Grundschüler von Fremden angesprochen, zum Teil bedrängt und auch sexuell belästigt. Die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass in zwei Fällen ein Verdächtiger ermittelt wurde.

Der Tatverdacht müsse allerdings noch weiter erhärtet werden. Der Mann sei auf freiem Fuß. Es handele sich um einen 47 Jahre alten Paketboten, der inzwischen gekündigt worden sei, sagt Martin Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Der Mann habe sich am 6. und am 14. Januar als Paketbote Zutritt zu einer Wohnung verschafft und dort wohnende Kinder unsittlich angefasst. Betroffen waren ein sechsjähriges Mädchen und ein zehnjähriger Junge.

Zusätzlich soll ein Kind auch aus einem Auto heraus angesprochen worden sein. Nach Angaben der zuständigen Polizeidienststelle hatte sich dieser Vorfall bereits im Dezember an der Hermann-Hesse-Straße ereignet. Der Mann habe vorgegeben, die Eltern des Jungen seien nach einem Unfall im Krankenhaus und er solle ihn hinbringen.

Der Junge sei zum Glück nicht auf die Ansprache eingegangen. Die Polizei ermittelte daraufhin gegen unbekannt. Einen Verdächtigen gibt es in diesem Fall noch nicht. Im Rahmen der Ermittlungen habe die Polizei auch die umliegenden Grundschulen informiert und Präventionsveranstaltungen angeboten.

Ähnliche Fälle in Wilmersdorf und Wannsee

Gunnar Hermann, Schulleiter der Evangelischen Schule Pankow an der Galenusstraße, hat in einem Brief alle Eltern der Schule über die Vorfälle informiert. „Wir möchten Sie hiermit vielmals bitten, mit Ihrem Kind altersentsprechend und ohne unnötige Ängste zu verbreiten, die Thematik zu besprechen“, heißt es in dem Brief, der der Berliner Morgenpost vorliegt. Dabei solle es um das angemessene Verhalten in einer Situation gehen, in der man von einer fremden Person angesprochen wird.

Die Kinder sollten die Wohnungstür keinem Fremden öffnen und auch nicht zu fremden Personen ins Auto einsteigen. Auch die Klassenlehrerinnen würden das Thema im Unterricht besprechen. „Wenn es sich anbietet, können Sie in der nächsten Zeit vielleicht außerdem Sorge tragen, dass Ihr Kind zusammen mit anderen Kindern den Schulweg zurücklegt“, schreibt der Schulleiter weiter.

Erst kürzlich hatten ähnliche Vorfälle in Wilmersdorf und Wannsee Eltern in Sorge versetzt. Anfang Dezember hatte der Vater eines neunjährigen Mädchens Anzeige wegen versuchter Freiheitsberaubung gestellt. Nach Angaben des Vaters wurde seine Tochter nahe der Bushaltestelle an der Straße Am Großen Wannsee von einem Unbekannten aus einem Auto heraus angesprochen.

Schulpsychologe rät, Kindern grundsätzlich zu glauben

Der Mann habe zunächst versucht, das Kind mit Versprechungen in den Wagen zu locken. Als es sich weigerte, habe er schließlich versucht, das Mädchen mit Gewalt in das Auto zu zerren. Die Neunjährige habe daraufhin um Hilfe gerufen, der Unbekannte habe von ihr abgelassen und sei weggefahren.

Auch am Heidelberger Platz hatten Kinder von ähnlichen Vorfällen berichtet. Die Polizei rät, die Kinder aufzuklären und sie stark zu machen, Nein zu sagen, wenn Fremde etwas von ihnen wollen. Die Schulen sind in solchen Fällen laut Bildungsverwaltung aufgefordert, sich gegenseitig im Umfeld zu informieren und die Eltern zu unterrichten. Der Schulleiter der Evangelischen Grundschule hat mit seinem Schreiben demnach genau richtig gehandelt.

Stephan Brandt, Schulpsychologe in Pankow, rät, Kindern grundsätzlich zu glauben, wenn sie von solchen Fällen berichten. Und Eltern sollten die Kinder auf alle Eventualitäten vorbereiten, ohne dabei die Situation zu dramatisieren.