Berlins City West

Wie die Bahn den Bahnhof Zoo ab 2015 modernisieren will

Schöne Aussichten für Berlins City West: Der Bahnhof Zoo soll wieder attraktiv werden. Mit mehr Geschäften, einer hellen Passage – und dem Restaurant „Terrassen am Zoo“.

Foto: Reto Klar

Der Bahnhof Zoologischer Garten in Charlottenburg soll von 2015 an modernisiert werden. Nach jahrelangem Stillstand hat die Bahn-Tochter DB Station und Service AG ihre Blockadehaltung aufgegeben und einen Masterplan zum Umbau des mehr als 70 Jahre alten Bahnhofsgebäudes erarbeitet, der in Zeiten der Teilung der wichtigste Fernbahnhof des Berliner Westteils war.

Das teilte der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, jetzt auf eine Anfrage des Berliner Bundestagsabgeordneten Swen Schulz (SPD) mit. Die Zustimmung des Konzernvorstands vorausgesetzt, könne der Umbau im ersten Halbjahr 2015 beginnen und bis 2017 abgeschlossen sein, heißt es in der Stellungnahme.

Vorgesehen ist in einem ersten Schritt, Teile des Empfangsgebäudes zu modernisieren. Auch soll das unter Denkmalschutz stehende, aber seit Jahren geschlossene Restaurant „Terrassen am Zoo“ umgebaut und anschließend wiedereröffnet werden. Die Verkehrswege im Bahnhof sollen verbessert und weitere Gewerbeflächen geschaffen werden. Das Projektvolumen bewegt sich in einem zweistelligen Millionenrahmen, teilte Ferlemann mit.

Es sei gut, dass es endlich Bewegung gebe, sagte der aus Spandau stammende Sozialdemokrat Schulz: „Der Zoo ist lange genug von der Bahn vernachlässigt worden.“ Die City West sei im Kommen, sagte Schulz: „Da muss der Bahnhof Zoo mithalten können.“

Die Sanierung erfolgt schrittweise

Auch in der Bezirkspolitik wurde die Nachricht von der bevorstehenden Modernisierung des Bahnhofs positiv aufgenommen. „Wir warten händeringend auf eine Konkretisierung der Bahn-Pläne“, sagte der Baustadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, Marc Schulte (SPD), der Berliner Morgenpost. Zwar habe die Bahn bereits vielversprechende Entwürfe präsentiert. „Doch es wurde Stillschweigen vereinbart, Details kann ich deshalb nicht nennen.“

Nur so viel: Die Sanierung werde in mehreren Stufen erfolgen. Die denkmalgerechte Sanierung der legendären „Zoo-Terrassen“, des Restaurants mit Panoramafenster zum Hardenbergplatz, sei vorgesehen. Es gebe zudem die Zusage, dass es auch nach der Umgestaltung einen Platz für die Bahnhofsmission im Gebäude gibt. In der kommenden Woche werde es ein Abstimmungsgespräch zwischen dem Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn für Berlin, Ingolf Leuschel, und dem Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) geben.

Ein Bahn-Sprecher bestätigte den Abschluss der langwierigen Arbeiten am Masterplan für den Bahnhofsumbau. Eine Entscheidung des Bahn-Vorstands liege dazu aber noch nicht vor. Nach Informationen der Berliner Morgenpost will sich das Führungsgremium der DB AG spätestens im Sommer damit befassen.

Der Masterplan sehe nach Auskunft eines Bahn-Sprechers vor, im ersten Bauabschnitt Teile des Empfangsgebäudes baulich zu verändern. „Die Planungen, die sich für diesen Bauabschnitt im Entwurfsstadium befinden, sehen auch die Reaktivierung der ,Zoo-Terrassen‘ und die Modernisierung eines Teils der Erdgeschossflächen vor“, so der Sprecher. Hierbei seien neben der Erweiterung und Verbesserung der Verkehrswege auch neue Gewerbeflächen vorgesehen. Erste bauvorbereitende Maßnahme wäre demnach der Rückbau im Innenbereich der „Zoo-Terrassen“. Projektbestandteil ist auch die Erneuerung der technischen Anlagen.

Zu viele „tote Ecken“ im Bahnhofsgebäude

Die „Zoo-Terrassen“ hatten 2006 schließen müssen, nachdem der Bahnhof am Hardenbergplatz mit der Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs in Mitte seinen Status als ICE-Halt verloren hatte. Die Zahl der Reisenden ging von täglich 150.000 auf nur noch 100.000 zurück, hat seitdem aber wieder zugenommen. Die Bewohner aus den westlichen Stadtteilen müssen seitdem entweder zum Hauptbahnhof oder nach Spandau fahren, um einen Hochgeschwindigkeitszug zu erreichen. Im Fernverkehr halten am Zoo nur noch Regionalzüge.

Bereits seit 2006 denkt die Deutsche Bahn darüber nach, den Bahnhof zu verschönern und praktischer zu gestalten. Das Gebäude sei zu verwinkelt und habe zu viele tote Ecken, hieß es seinerzeit. Die letzte grundlegende Umgestaltung hatte der Bahnhof Zoo 1987 erfahren.

Doch auch nach seiner Modernisierung werde der Bahnhof Zoo nicht wieder zum ICE-Halt werden, heißt es aus dem Bahn-Tower am Potsdamer Platz. Dies wird von Berliner Landespolitikern und Geschäftsleuten der City West seit Jahren gefordert.

Eine Sanierung ist überfällig

Die Bahn hatte bereits mit der umstritten Abkoppelung der Station vom Fernverkehr im Jahr 2006 versprochen, den in die Jahre gekommenen Bahnhof attraktiver zu gestalten. Doch geschehen ist seither wenig. Nun also besteht Hoffnung auf Besserung. Der Umbau soll im ersten Halbjahr 2015 beginnen und 2017 beendet werden. „Es wird höchste Zeit“, sagte Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) zu den Plänen. Der Bahnhof sei ein bedeutender Standort in der City West, die gerade einen städtebaulichen Aufschwung erlebe. Es sei wichtig, dass die Deutsche Bahn mit ihren Investitionen ihren Teil dazu beitrage.

Entgegen ersten Planungen der Bahn, die noch einen massiven Vorbau auf dem Hardenbergplatz vorsahen, sehen die neuen Entwürfe nun einen „sorgsamen Umgang mit dem Gebäude“ vor, der den Denkmalwert erhalte, wie Charlottenburg-Wilmersdorfs Baustadtrat Marc Schulte (SPD) lobt. Das sah 2007 noch ganz anders aus. Damals präsentierte die Bahn Pläne für ein mehrgeschossiges Einkaufszentrum, das dem zwischen 1934 und 1940 errichteten Bahnhofsgebäude am Hardenbergplatz vorgesetzt werden sollte. Der Erhalt der „Terrassen am Zoo“, des 1957 eröffneten Restaurants im Obergeschoss des Bahnhofes mit den markanten, schräg stehenden Panoramascheiben, war dagegen nicht vorgesehen. Als das Restaurant eröffnet wurde, war der Bahnhof Zoologischer Garten die einzige Fernbahnstation im Westen Berlins. Für die Bewohner der durch das DDR-Grenzregime eingemauerten Stadt war der Bahnhof eine der wichtigsten Verbindungen in den freien Westen.

Bereits seit Ende 2006 steht das legendäre Restaurant, in dem früher bis zu 600 Gäste täglich bewirtet worden, leer. Die Sanierung des Restaurants hatte die Bahn lange als unwirtschaftlich abgelehnt. Inzwischen hat offenbar ein Umdenken stattgefunden. Die Baupläne wurden erheblich abgespeckt. Der massive Shoppingenter-Vorbau ist gestrichen.

Zwar plant die Bahn weiterhin, die Shopping-Flächen zu erweitern. Schließlich will sie die Chance nutzen, die ein Bahnhof bietet, der täglich von 100.000 Menschen frequentiert wird. Um die Aufenthaltsqualität zu verbessern, sollen die Läden entlang einer neuen, hellen Passage zwischen dem Hardenbergplatz und der Jebensstraße entstehen. Aussagen über die Kosten gibt es noch nicht. Aktuell heißt es dazu bei der Bahn nur wenig konkret, man wolle einen „zweistelligen Millionenbetrag“ investieren. Die Bahnhofsmission, deren Eingang an der Jebensstraße liegt, soll auch nach dem Umbau einen Platz im Gebäude finden.

„Hervorragend für die ganze Gegend“

„Wir wollen die Bahn bitten, ihre Pläne öffentlich zu präsentieren“, sagte Baustradtrat Schulte. So habe er zwar bereits Entwürfe gesehen, jedoch sei mit dem Konzern Stillschweigen vereinbart worden. „Wir erwarten einen ganzen Dominoeffekt von Bauvorhaben, wenn die Bahn endlich auf den Sanierungszug aufspringt“, so Schulte weiter.

Ähnlich bewertet auch Gottfried Kupsch von der AG City die Ankündigung des Bahnkonzerns. „Das ist eine wichtige Entscheidung, die hervorragend für die ganze Gegend ist“, so Kupsch. Tatsächlich laufen die Kaufverhandlungen über den Abriss und Neubau der heruntergekommenen Häuserzeile an der Joachimstaler Straße zwischen Kant- und Hardenbergstraße. Der amerikanische Immobilien-Investor Hines hatte das Eckhaus mit dem Beate-Uhse-Shop und dem Erotikmuseum im vorigen Jahr erworben. Der Vertrag mit dem Erotik-Unternehmen läuft 2016 aus.

Zudem gibt es Verhandlungen über den Flachbau an der Kantstraße, in dem der Humana-Second-Hand-Laden untergebracht ist sowie das bereits seit einem Jahr leer stehende A&O Hostel. Die heruntergekommene Gebäudezeile aus den 70er-Jahren soll komplett abgerissen werden. Ein weiteres Hochhaus neben dem Zoofenster und dem im Bau befindlichen Turm des „Upper West“ ist nicht geplant: Laut Bebauungsplan ist die in Berlin übliche Traufhöhe von 22 Metern einzuhalten – das entspräche einem sechsgeschossigen Gebäude.

Auch auf dem Riesenrad-Areal zwischen Fasanenstraße, Hertzallee, S-Bahn-Trasse und Müller-Breslau-Straße gibt es offenbar Bewegung. Nachdem sich Finanzsenator Ulrich Nußbaum (Parteilos, für SPD) im vergangenen Jahr weigerte, das Grundstück von der gescheiterten Projektentwicklergruppe „Great Berlin Wheel“ zurückzukaufen, obwohl der Stadtentwicklungsausschuss des Abgeordnetenhauses dies einstimmig empfohlen hatte, laufen nach Insider-Informationen aktuell Verkaufsgespräche mit privaten Investoren. Das Interesse an dem Filetstück in zentraler City-Lage sei groß, heißt es in Branchenkreisen.

Noch kein Interesse privater Investoren gibt es dagegen an dem Bau und Betrieb der vom Bezirk gewünschten Tiefgarage unter dem Hardenbergplatz. Die meisten Investoren schreckten offenbar vor dem enormen Aufwand der Tiefbauarbeiten zurück, so Baustadtrat Schulte. Schließlich laufen unter dem Platz die Tunnelröhren der U-Bahn-Linen 2 und der 9 entlang.

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