Die Tierschutzbehörde müsse gegen planmäßige Inzestverpaarungen im Berliner Zoo einschreiten. Das fordert Claudia Hämmerling, die Sprecherin für Tierschutz der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Nach ihren Angaben von Freitag ist im Berliner Tierpark ein erst am vergangenen Sonnabend geborenes Giraffenjunges gestorben. Dies sei nicht der erste Fall. Denn auch alle anderen Kälber der Giraffenkuh Paula hätten nicht überlebt.
Im Tierpark werde Giraffenbulle Alexander immer wieder mit seinen weiblichen Nachkommen verpaart, teilte Hämmerling mit. Paula sei zugleich seine Tochter und Enkeltochter. Bei den bisherigen drei Versuchen, diese beiden Tiere erneut zu verpaaren, seien die Nachkommen nicht lebensfähig gewesen.
„Inzest – also die Verpaarung von Blutsverwandten – führt bei den Nachkommen zwangsläufig zur genetischen Degeneration und zu Krankheiten“, so die Politikerin. Das bewiesen die nicht lebensfähigen Tierpark-Giraffenkälber, „die diese über drei Generationen währenden Vermehrungspraktiken zum Opfer gefallen sind“.
Aus gutem Grund stelle Inzest einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar. In Berlin kümmere das jedoch weder die Verantwortlichen im Tierpark, noch die zuständigen Ordnungsbehörden. Hämmerling wörtlich: „Sie sind auf beiden Augen blind für diese Tierschutzverletzungen und behandeln sie trotz ihres Verfassungsrangs als Kavaliersdelikt. Wir fordern deshalb ein Verbandsklagerecht für anerkannte Tierschutzverbände.“
Es ist nicht das erste Mal, dass Zoo-Chef Bernhard Blaszkiewitz wegen Inzestzucht in der Kritik steht. Auch bei Raubkatzen habe es immer wieder Inzestfälle mit tödlichem Ausgang gegeben, hieß es in der Vergangenheit.
Der Zoo bestätigte am Freitag den Tod des Giraffenjunges, dementierte aber, es habe sich um eine Inzestzeugung gehandelt.
Wie lange bleibt Blaszkiewitz?
Am Freitag wurde bekannt, dass der umstrittene Zoo-Direktor, dessen Vertrag nicht verlängert wurde, zum 31. März 2014 seinen Posten aufgibt. Das berichtet die „B.Z.“.
Blaszkiewitz wollte diesen Bericht am Freitag nicht weiter kommentieren. „Mein Vertrag läuft bis zum 30. Juni“, erklärte Blaszkiewitz über seine Sprecherin. „Herr Blaskziewitz wird seinen Vertrag bei uns im Zoo erfüllen“, sagte Claudia Bienek.
Sein Nachfolger Andreas Knieriem, noch Chef im Tierpark Hellabrunn in München, wird den Job nach eigenen Angaben im Frühjahr übernehmen.
Er wird demnächst zum Kennenlernen in Berlin erwartet: „Herr Knieriem wird sich am 18. und 19. Februar bei den Mitgliedern des Fördervereins vorstellen“, sagte Thomas Ziolko, Vorsitzender des Fördervereins von Zoo und Tierpark. Knieriem müsse so schnell wie möglich kommen, denn Zoo und Tierpark hätten keine Zeit mehr zu verlieren.
sei/dpa




